Wenn eine Figur wie Bernd-Uwe Hildebrandt fällt, ist nicht zu erwarten, dass mit dem ersten Hieb auch schon der Kampf vorbei ist. Hinter seinem Schreibtisch leuchtete signalgrün der Satz " Wir sind die Schnellsten ; denn wenn andere fallen, liegen wir schon auf der Schnauze ". Man kann den Satz auch so deuten : " Wenn ich auf der Schnauze liege, fallen andere hinterher. "
Seit 1990 hat er Sponsoren gewonnen, Spieler eingekauft, den Handball zum Triumph geführt und ein ganz auf ihn zugeschnittenes Netzwerk gefl ochten. Auch er hat seine Feinde und Freunde. Wichtige Hildebrandt-Freunde fühlen sich jetzt vor den Kopf gestoßen, weil SCM-Präsident Rolf Oesterhoff seinen Vertrauten Holger Kaiser, dazu noch jemanden aus seiner Heimat, ohne ihre Zustimmung aus dem Hut gezaubert hat. Die Vorgehensweise Oesterhoffs mag Anstoß erregen. Wenn dessen Kritiker im Verwaltungsrat der Handball-GmbH jetzt beklagen, dass dieses Gremium nur beratend sei und sich dies ändern müsse, sollten sie nicht übersehen : Oesterhoff hat eben innerhalb jener Strukturen gehandelt, die Hildebrandt zu seiner Einfl usssicherung geschaffen hatte und an denen sie sich bis zur Wahl des neuen Präsidenten offenbar nicht übermäßig gestört hatten.
Der Verwaltungsrat der GmbH, vertreten durch den Chef der Investitionsbank Manfred Maas und Lothar Petermann vom Förderanlagenbau Magdeburg ( FAM ), stellt sich nun öffentlich gegen den Präsidenten. Er weiß auch aus der Mannschaft die Galionsfigur Stefan Kretzschmar hinter sich. Die Akteure gehen aufs Ganze. Sollten mehrere Hauptsponsoren tatsächlich aussteigen, wäre der SCM morgen mausetot. Man mag das Erpressung nennen oder nicht. Jedenfalls sehen sich Oesterhoff und Kaiser einer neuen Situation gegenüber. Die öffentliche Mitteilung der Verwaltungsratsspitze ist eine Kriegserklärung.
Oft ist gesagt worden, die Hauptaufgabe eines neuen SCM-Präsidenten werde es sein, für mehr Transparenz und Kontrolle zu sorgen. Die Schaffung eines echten Aufsichtsrates wäre ein Schritt. Aber wer die Erklärung in all ihrer Härte liest, sieht : Die Beteiligten wollen gar keine Zusammenarbeit mit Oesterhoff und Kaiser, sondern unter sich bleiben, aus welchen Gründen auch immer. Offene Frage : Was passiert als nächstes, und wer bleibt auf der Strecke ?