Das ist ja alles richtig, aber der Ausgangspunkt für diese Diskussion ist eine andere: Wir haben aktuell insbesondere im Frauenhandball zunehmend große Probleme, alle Positionen in der Nationalmannschaft adäquat zu besetzen und den Spitzenvereinen geht es ja ganz ähnlich. Dafür gibt es Ursachen. Die mit den genannten Regeländerungen verbundene Dynamisierung hat nicht nur das Spiel verändert sondern auch das Anforderungsprofil für die Spielerinnen und Spieler und übrigens auch die Verletzungshäufigkeit und insbesondere auch die Häufigkeit schwerer Verletzungen.
Ich will das Thema jetzt nicht noch einmal bis in das kleinste Detail durchdeklinieren, das habe ich hier schon mehrfach zelebriert. Aber wer 1 und 1 zusammenzählen kann, für den liegen die Zusammenhänge auf Hand.
Und ja, natürlich gibt es noch weitere, auch gesellschaftliche Ursachen für diese Misere, aber sie sind aus meiner Sicht nicht so existenzbedrohend wie die selbstverschuldete Reduzierung des Handballs auf die aktuelle Rennballvariante.
Noch etwas:
Für mich waren auch Ergebnisse wie 18:15 oder 13:12 durchaus in Ordnung, solange die betreffenden Spiele abwechslungsreich und spannend waren und das waren sie meistens. Und natürlich gab es auch schon damals torreiche Spiele, an einem 44:40 war ich mal selber mit 21 Toren beteiligt.
Ob da heute ein 38:21 attraktiver ist, wo die physisch stärkere Mannschaft das unterlegene Team in der zweiten Halbzeit in Grund und Boden rennt, wage ich zu bezweifeln. Da kann sogar ein 0:0 im Fußball spektakulärer sein ...
Die weitaus größere Zahl von Toraktionen und die damit verbundene Vielfältigkeit war ja gerade im Zusammenhang mit der Begeisterungsfähigkeit junger Sportler oft das Argument, es mal mit dem Handball zu versuchen. Nicht nur, wenn die feinmotorischen Fähigkeiten eher an den oberen als an den unteren Extremitäten ausgeprägt waren sondern auch, wenn die Bereitschaft fehlte, fast ununterbrochen im Dauerlaufmodus kreuz und quer über ein vergleichsweise riesiges Spielfeld zu keuchen, wechselten nicht wenige junge Sportler vom Fußball zum Handball und waren oft begeistert, wie vergleichsweise vielfältig Handball erfolgreich gespielt werden kann. Wenn aber durch die aktuellen Regeln der Kreis potentiell erfolgreicher Handballer von vornherein eingeschränkt weil auf ein spezielles Anforderungsprofil reduziert wird, braucht man sich über die gegenwärtigen Probleme insbesondere im Frauenhandball nicht zu wundern, denn ein in vielen Punkten identisches Anforderungsprofil besteht auch im aufstrebenden Frauenfußball ...