Quelle: nw-news.de
"Wir müssen mehr Konstanz zeigen"
IM GESPRÄCH: Jens Pfänder, Trainer und Sportlicher Leiter des TuS N-Lübbecke
Lübbecke. Der TuS N-Lübbecke kämpft mit aller Macht gegen den Abstieg aus der Handball-Bundesliga. Nach internen Turbulenzen wurde Trainer Jens Pfänder im Dezember des vergangenen Jahres auch zum Sportlichen Leiter befördert, nachdem sich der Verein vom bisherigen Manager Siegfried Roch getrennt hatte. Über den bisherigen Saisonverlauf sowie die bevorstehende Rückrunde und die Doppelbelastung als Trainer und Sportlicher Leiter unterhielten sich die NW-Sportredakteure Wilfried Brase und Rainer Placke mit Jens Pfänder.
Haben Sie es zwischenzeitlich schon bereut, die Doppelfunktion beim TuS N-Lübbecke übernommen zu haben?
JENS PFÄNDER: Ganz klare Antwort: Absolut nein.
Wie lange wollen oder sollen Sie diese Doppelfunktion ausüben?
PFÄNDER: Wir sind da noch nicht konkreter geworden. Zuerst muss man sehen, wie groß die Belastung ist und die Entlastung durch die handelnden Personen. Und dann muss man das alle paar Monate überdenken. Es ist jetzt noch nicht 100-prozentig abzuschätzen, wie groß der Arbeitsaufwand sein wird.
Könnte es also sein, dass Sie auch über das Saisonende hinaus in dieser Doppelfunktion arbeiten werden - oder schließen Sie das von vornherein aus?
PFÄNDER: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht ausschließen. Darüber muss ich mir meine Gedanken machen. In einem Gespräch mit Herrn Gauselmann werde ich zu gegebenem Zeitpunkt das Für und Wider erörtern.
Wie fällt denn in ihrer Funktion als Trainer das Fazit der Hinrunde aus?
PFÄNDER: Wir sind sicherlich nicht so optimal in die Saison gestartet wie wir uns das erhofft hatten. Durch das verlorene erste Spiel gegen Wilhelmshaven sind wir von Beginn an in eine Situation geraten, die wir uns so nicht vorgestellt hatten. Wir wollten mit der neu zusammengestellten Mannschaft relativ schnell Tritt fassen, doch das haben wir einfach nicht geschafft. Es hat sehr lange gedauert, bis die Mannschaft in sich gefestigt war, um auch in kritischen Situationen bestehen zu können. Wir haben dann ganz gute Ansätze in den Heimspielen gezeigt. Abgesehen vom ersten Spiel gegen Wilhelmshaven und der ersten Halbzeit gegen Flensburg haben wir in den meisten Heimspielen überzeugen können. In den wirklich wichtigen Heimspielen gegen die unmittelbaren Konkurrenten haben wir gewonnen. Auch die Auftritte gegen Nordhorn und Lemgo waren gut, sind aber nicht belohnt worden. Das Ziel für die Rückrunde muss sein, die Heimspiele gegen die Teams aus dem Mittelfeld siegreich zu gestalten.
Gab es aus Ihrer Sicht positive oder negative Überraschungen innerhalb des Kaders?
PFÄNDER: Im Großen und Ganzen ist sicherlich alles im Rahmen geblieben. Bei Sandu Iacob war es sehr extrem. Am Anfang hat es lange gedauert, bis er Tritt gefasst hat - zum Schluss hat er dann sehr gute Leistungen abgeliefert. Wenn sich das auf einem mittleren Level einpendelt und er konstanter spielt, wäre mir das sicherlich am allerliebsten. Mangelnde Konstanz war auf unserer linken Rückraumposition auch ein Merkmal. Alois Mraz war gegen Lemgo sehr stark, Branko Kokir gegen Düsseldorf. Gerade auf dieser Position müssen wir in der Rückrunde mehr Konstanz zeigen.
Hat sich der gegen Ende der Hinrunde im Innenblock eingesetzte Nico Greiner als fester Bestandteil der Defensive etabliert?
PFÄNDER: Nico ist jemand, der sehr gut Emotionen in ein Spiel tragen kann. Er hat im taktischen Bereich zwar noch Defizite, die es zu beheben gilt und an denen wir noch hart arbeiten müssen. Doch sein großer Vorteil ist, dass er mit seiner Einsatzbereitschaft und Emotionalität ein wichtiger Faktor für die Mannschaft sein kann. Das hat er in den wichtigen Spielen gezeigt, und darauf kann man sicherlich aufbauen. Das haben seine Mitspieler auch registriert, was vorher nicht der Fall war. Er hat gezeigt, dass er neben einem technisch-taktisch guten Jakub Szymanski in der Lage ist, einen guten Innenblock zu bilden. Das ist ein wichtiger Hinweis für die Rückrunde und das erhöht natürlich die Variabilität in der Defensive. Dort sind wir jetzt breiter aufgestellt.
Speziell zur Festigung des Innenblocks war Damjan Blecic nachverpflichtet worden. Wie sind Sie mit ihm zufrieden?
PFÄNDER: Zu Beginn hat er die notwendige Aggressivität ins Training gebracht. Auch im Spiel hat er diese Aggressivität teilweise gezeigt. Das war ein wichtiger Faktor in den Begegnungen, wo Greiner und Szymanski nicht zusammen gespielt haben. Gegen Düsseldorf war er gut, danach hat er an diese Leistungen nicht mehr anknüpfen können. Bei ihm ist das Leistungsvermögen vorhanden, doch es fehlt die Konstanz. Das ist mir insgesamt ein bisschen zu wenig, da muss er noch hart an sich arbeiten.
Wie fällt Ihre Beurteilung der anderen Nachverpflichtung Henning Wiechers aus?
PFÄNDER: Er steht in der Rückrunde auf Abruf bereit. Sollten sich Probleme ergeben, wird er zurückkehren. Er wird jetzt nicht mehr am Training teilnehmen.
Wie wollen Sie den Spagat zwischen Abstiegskampf und der Planung der kommenden Saison hinbekommen?
PFÄNDER: Das ist sicherlich ein Probleme, das vornehmlich die Mannschaften haben,die in der unteren Tabellenhälfte rangieren. Wir werden versuchen, relativ schnell eine Grundstruktur hinzubekommen. Das heißt, wir wollen versuchen, Spieler zu verlängern oder zu verpflichten, die unabhängig von der Liga sind. Aber ich bin ein optimistischer Mensch und gehe davon aus, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden.
Gibt es denn schon konkrete Vorstellungen für die Zusammenstellung des zukünftigen Kaders?
PFÄNDER:Natürlich gibt es Grundvorstellungen, doch darüber kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sprechen. Natürlich wissen wir, wie das Grundgerüst aussehen soll und wer geholt und wer gehalten werden soll.
Sind die von Ihrem Vorgänger Siegfried Roch unterbreiteten Angebote an die aktuellen Spieler so übernommen worden?
PFÄNDER: Wir haben alles neu sortiert. Es ist nichts so geblieben, wie vorher der Stand der Verhandlungen war. Alles ist noch einmal neu bearbeitet worden.
Gibt es da schon konkrete Ergebnisse?
PFÄNDER: Nein, doch wir werden diese Gespräche im Januar forcieren. Ein ganz wichtiger Faktor wird die Weltmeisterschaft sein, denn dort werden wir natürlich Spieler beobachten, die sich für uns anbieten. Bei der WM werden Zlatko Feric und ich des öfteren unterwegs sein. Aber es gibt ja auch über sportdigital.tv eine neue Möglichkeit. Für uns als Bundesligaverein ist es ganz klar eine Arbeitserleichterung. Man muss nicht überall vor Ort sein, um geschilderte Eindrücke über Spieler zu überprüfen. Dies gilt für die WM und natürlich auch für die Bundesliga, wo nahezu jedes Spiel live produziert und auch im digitalen Fernsehen übertragen werden soll. Es bleibt beim DSF-Spiel der Woche. Außerdem haben ARD/ZDF Zugriff auf die beiden Topspiele, was vorrangig auf die dritten Programme der ARD zutrifft. Diese können dann sagen, dass sie auf die Anwurfzeit 15 Uhr bestehen. Sie müssen sich dies innerhalb von sechs Wochen aussuchen, so dass der Spielplan eigentlich immer nur über sechs Wochen rechtlich verbindlich ist. Wir haben natürlich schon die Planung für die gesamte Saison gemacht, jedoch immer unter dem Kann-Vermerk.
Stichwort Weltmeisterschaft. Erwarten Sie von der WM irgendwelche neuen Impulse für die Sportart Handball?
PFÄNDER: Ich kann mir nicht vorstellen, dass alles ausgereift ist. Zurzeit befinden sich die Nationalmannschaften auf einem sehr hohen Athletik-Niveau, dort konnten noch keine neuen Akzente gesetzt werden. Ich glaube, dass es sowohl in der Abwehr als auch im Angriff noch Potenzial nach oben gibt. Es ist in den vergangenen Jahren relativ schnell nach vorne gegangen, das muss sich erst einmal konsolidieren. Die schnelle Mitte gibt es doch erst seit drei, vier Jahren, das muss sich auch erst einmal einpendeln. Nach der ersten Saison, in der der TBV Lemgo mit der schnellen Mitte so durchlaufen konnte, musste sich etwas ändern. Es hat eine Reaktion der Abwehr gegeben, und in dieser Phase sind wir zurzeit. Bei den Nationalmannschaften wird ohnehin großer Wert auf die Abwehrarbeit gelegt, weil diese Teams nicht so lange zusammen sind wie Vereinsmannschaften. Das predigt seit Jahren Bundestrainer Heiner Brand. Und er wird mit Sicherheit versuchen, über eine kompakte Defensivarbeit gut abzuschneiden bei der WM im eigenen Land.
Werden Sie sich viele Spiele der Weltmeisterschaft ansehen?
PFÄNDER: Ich muss natürlich auf den Trainingsplan beim TuS N-Lübbecke schauen, denn vor uns liegen im Januar 28 Trainingseinheiten. Das wird zwar eng, doch an den Wochenenden kann ich viele Spiele sehen, da wir meistens am Samstagmorgen die letzte Trainingseinheit haben. Aber auch unter der Woche werden sich in Halle, Dortmund oder Bremen Gelegenheiten ergeben, das eine oder andere Spiel zu sehen. Natürlich werde ich am Schluss der WM auch in Köln sein, weil dort auch das Trainer-Symposium stattfindet. Alleine während dieses Symposiums werde ich zehn Spiele sehen können.
Zurück zum TuS N-Lübbecke. Sie haben eben gesagt,sie sind sich sicher, den Klassenerhalt zu schaffen. Wie soll dieses Unterfangen gelingen?
PFÄNDER: Zunächst einmal werden wir versuchen, eine sehr gute Vorbereitung hinzulegen. Das heißt, dass wir körperlich die gegen Nordhorn und Lemgo fehlenden Prozentpunkte noch herausholen wollen.Und dann wollen wir in den Heimspielen gegen Großwallstadt, Kronau und Göppingen ein paar Bonuspunkte holen. Das sind letztlich die Punkte,die darüber entscheiden, wer ganz unten steht und wer nicht. Das ist ein Ziel neben den sechs Partien gegen die direkten Konkurrenten, wovon drei daheim und drei auswärts ausgetragen werden.
Wie viele Punkte benötigt man Ihrer Meinung nach, um den Klassenerhalt sicher zu schaffen?
PFÄNDER: Mit 20 Punkten müsste man auf der sicheren Seite sein, da bin ich mir relativ sicher. Unser Ziel kann nur sein, mindestens 15. zu werden.