Quelle: mt-online.de
THEMA: WALLAU-MASSENHEIM UND ESSEN IN DER HANDBALL-REGIONALLIGA
Finanzielles Doping
Von Marcus Riechmann
Leute wie Horst Bredemeier dürfen sich bestätigt fühlen. Zwar enthielt sich der Manager des heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden-Hannover jeglichen Kommentars zu den Lizenzentzügen für Tusem Essen und SG Wallau-Massenheim, doch Strippenzieher wie Bredemeier, die mit knappen Kassen Bundesliga-Handball auf die Beine stellen müssen, dürfen sich in ihrem gern kritisierten Kurs bestätigt fühlen: Machbar ist, was bezahlbar ist.
Manager, die im Vertrauen auf schnelle Erfolge mit Scheinen um sich werfen, und Spielervermittler, die geschickt taktierend Preise in die Höhe treiben, haben dafür gesorgt, dass leidlich mittelmäßige Spieler heute kosten, was einst für Stars der Szene hinzublättern war. Dieser Schnellkochtopf der heißen Preise könnte sich nun etwas abkühlen, da aus Essen und Wallau die Top-Spieler gleich im Dutzend den Markt überschwemmen.
Kühle Rechner und solide Klubs haben mit Bauchschmerzen ansehen müssen, wie die Ligabosse in den Gnadenfällen VfL Gummersbach und HSV Hamburg zuletzt beide Augen zugedrückt hatten. Es war dringend notwendig, dass dieser Schmusekurs mit den großen Klubs ein Ende hatte. Essen und Wallau-Massenheim mussten die neue Linie der HBL als erste mit voller Wucht erleiden. Das schmerzt Männer wie Tusem-Macher Klaus Schorn, der sein Lebenswerk in Trümmern sieht.
Mit den klaren Entscheidungen des Ständigen Schiedsgerichts ist deutlich geworden, dass sich die Handball Bundesliga Vereinigung (HBL) entschieden hat, künftig hart gegen solche Klubs vorzugehen, die sich mit zweifelhaften finanziellen Klimmzügen Vorteile verschaffen wollen.
"Finanzielles Doping" wie es Tomas Axner, bis zum Saisonende Rechtsaußen bei GWD Minden genannt hat, ist für die Hasadeure in manchen Klubs etwas risikoreicher geworden. Und das ist gut so: Gut für die Glaubwürdigkeit der Liga, für den Wettbewerb, für die Fans und gut für eine ehrlichere Ware Handball.