Ich weiß nicht, wie gut hier die Leute in Politikwissenschaften, Postkolonialen Studien und Geschichte sind aber Ägypten ist kein faschistischer Staat.Ägypten ist zweifelsohne ein autoritaristisch regierter Staat, der sich um so gut wie keine rechtsstaatlichen Prinzipien schert, Ägypten ist auch ein Staat, dessen Militärregime angesichts der gravierenden Menschenrechtsverletzungen vor einen internationalen Strafgerichtshof gehört statt in die Loge eines EHF-Turniers (Zitat Kicker: "Zuvor war die WM [...] in Anwesenheit von Ägyptens Staatspräsident Abdel
Fattah al-Sisi feierlich eröffnet worden".)
Aber ein autoritaristischer Staat ist noch bei weitem kein faschistischer Staat.Die Gründe dafür sind hier allerdings, da es um Handball geht, nicht darlegbar. Derartige Vermengungen bzw. solche mangelnde begriffliche Präzision sind jedenfalls toxisch für jeden Diskurs und ich erbitte mir die Selbstreflexion, ob man wirklich fundiert weiß, mit welchen Wörtern man da im Internet um sich schmeißt, bevor man es dann tut.
Im übrigen ist das Emirat Qatar zwar negativ mit neuen Dimensionen menschlicher Ausbeutung während des Baus für die Fubbes-WM in Erscheinung getreten, Ägypten als Host der Handball-WM ist seit Absetzung des Antisemiten Mursi dagegen immerhin wirklich eine handfeste Lehrbuchdiktatur. Beide Staaten haben nachweislich in Lieferketten für Waffen und finanzielle Mittel an den ehemaligen sogenannten Islamischen Staat mitgewirkt, in dem einen ist der theokratisch-ideologische Anteil größer, dafür ist im anderen die Exekutive um Längen brutaler und unberechenbarer. Ich frage mich bis heute, warum die vereinigte Sportwelt keine Probleme damit hat, derartige Projekte der Gegenaufklärung finanziell und prestigemäßig zu subventionieren. Denn unter Nicht-Corona-Bedingungen sind solche Turniere meist eben genau das, deshalb werden sie ja auch so vorzüglich gern von Gestalten wie Al-Sisi oder Scheich Tamim bin Hamad veranstaltet.