Angesichts des desaströsen Saisonstarts mit 2 Klatschen und 4 Niederlagen nochmal ein etwas längerer Text:
Es fühlt sich ein wenig an wie ein Deja-Vu. Was dem Spiel des TuS - wie zu Beginn der letzten Saison schon - fehlt, ist ein wirklicher Spielmacher, ein Lenker. Einer, der Kreativität und Variabilität in die Struktur des Angriffsspiels bringt. Gibts beides aktuell nicht. Es fehlt, und wenn man ehrlich ist, hat sich da seit dem Hagen-Spiel wenig getan, eine klare Spielidee. Tore sind Einzelaktionen oder erfolgreiche Kleingruppe, ansonsten sehen wir aktuell unendlich viel Stückwerk. Konzeptioneller Handball mit einer klaren taktischen Ausrichtung war gestern ab einem gewissen Punkt nicht mehr sichtbar. In der zweiten Hälfte sah das teilweise, angesichts der Emsdettener Deckung, aus wie Parteiball.
Und da kann man der aktuellen Truppe aber auch gar keinen Vorwurf machen, denn bisher kann keiner der im Sommer geholten Spieler kann eine solche Spielmacher-Position so ausfüllen, wie es nötig wäre. Matzken konnte das zu Beginn der letzten Saison zwar auch noch nicht, aber er ist in die Rolle hineingewachsen und ist im Verlauf einer Saison zum wichtigsten Spieler "aufgestiegen". Warum gibt es aber beim aktuellen Personal Grund zum skeptisch sein, dass in den nächsten Wochen ein ähnlich kometenhafter Aufstieg wie bei Matzken geschieht? Bei ihm hat man die verfügbaren "Ressourcen" schon zu Beginn der Saison immer wieder aufblitzen sehen. In der aktuellen Generation hat sich bisher leider nur wenig angedeutet. Und die zu korrigierenden "Baustellen" sind teilweise das kleine 1x1 des Handballs:
- Das Spiel des TuS trichtert viel zu sehr ins Zentrum, die eigentlich starken Außenspieler sind im Positionsangriff kaum eingebunden (War mit Rüdiger gestern in der 1. HZ etwas besser). Man muss den aktuellen Zustand mal damit vergleichen, was Dennis Aust, Miro Volentics oder Zerbe als RA damals für eine Bedeutung im Positionspiel hatten.
- Dadurch dass es auf kleinem Raum stattfindet, beraubt man die mit Mattis stark besetzte Kreisläufer-Position ihrer Räume und ihrer Wirksamkeit. (Warum spielt Mattis so verhältnismäßig wenig?)
- Viele Schüsse, vor allem mit zunehmender Spieldauer, sind nicht gut vorbereitet und vielleicht maximal 60-65%-Dinger. Das deutet auf vorher nicht gut vorbereitete Szenen hin - oder auf "jugendliche Unkonzentriertheit". In unserem Fall aber eher ersteres.
Das sind nur 3 Beispiele, aber eben Dinge, die während eines Spiels von einem Spielmacher a la J.Andersson oder Koke gelesen worden wären. Und die im Angriff des TuS Ferndorf im Oktober 2021 aber leider unverändert 60 Minuten lang auf das Spiel einwirken. Und so macht man sich dann starke Phasen wie gestern gegen Emsdetten zunichte - zusätzlich zur oben beschriebenen, fehlenden Spielidee.
Aber ich möchte auch noch ein Wort zum Umgang mit der Mannschaft schreiben: Es geht hier, egal was vor der Saison geredet worden ist, um Abstiegskampf. Und der Charakter eines Vereins zeigt sich in den allermeisten Fällen in den unangenehmen Stunden. Jubeln kann jeder. Aber die Zuschauerzahlen bisher waren schwach und auch das Gebaren auf Facebook, wo Leute dem gesamten Kader oder, sogar persönlich angreifend, einzelnen Spielern die "Zweitligatauglichkeit" absprechen (Was für eine peinliche Expertise - gerade in Bezug auf die genannten Spieler), halte ich für den falschen Weg. Wer die Mannschaft nach 4 Spieltagen schon unter den Bus wirft, ist kein Fan des TuS Ferndorf. Großwallstadt ist, genau wie wir, überraschend schwach gestartet. Mit einem Sieg ist man schon wieder vom Abstiegsrang runter. Es sind 4 Spiele gespielt, es ist nichts verloren.
Am Wochenende gegen Dessau muss auf der Platte eine Reaktion kommen, aber vom Publikum eben auch. Und die muss heißen: Wir stehen hinter euch, jetzt noch mehr als vorher. Die Frage wird sein, ob das Ferndorfer Publikum dazu fähig ist, oder ob es entertained werden will. Denn Entertainment gibt es in der Stählerwiese aktuell nicht zu kaufen.