Es ist dann doch nicht so einfach mit Ferndorf, wie es sich viele gedacht und auch gewünscht hatten (inklusive mir).
Fest steht zunächst, dass der Kader auch mit seiner Breite auf dem Papier eigentlich einer der stärksten der Liga ist, auch jenseits der Staffelgrenzen. Warum also schon 9 Minuspunkte nach 23 Spielen? Der Grund liegt mEn weniger in der 6:0-Abwehr oder in fehlenden Varianten dazu sondern - wie alter Sack ein paar Antworten weiter oben in Bezug aufs Hanau-Spiel schon schrieb und ich an anderer Stelle hier im Forum im November angedeutet habe - in der Spielsteuerung des Angriffs auf der Mitte.
Schaut man die Niederlagen gegen Wetzlar U23 und Hanau vergleichend an, fallen Parallelen auf, die nicht mit der Krankheitswelle abzutun sind. Was damals schon fehlte: Eine klare, gleichbleibende Vision im Angriffsspiel, ein "Grundkonzept". Mit eingebauten Gestaltungsfreiräumen fürs Individuelle, aber trotzdem mit regelmäßigem Rhythmus, der regelmäßigen Druck in die Tiefe der Deckung erzeugt und daraus fortlaufend Entscheidungssituationen kreiert. Aktuell ist es demgegenüber viel Stückwerk, viele Einzelaktionen oder kurz ausgespielte Kleingruppe. Es fehlt nicht ein Plan B, es fehlt ein klar strukturierter Plan A mit einem festen Takt, der dem Gegner aufgezwungen wird. So etwas muss aber an den Entwicklungs- und Integrationsprozess von einzelnen Spielern geknüpft sein. Für meine Begriffe spielt Fanger zu wenig auf der Mitte und zu viel Halb Links. Das Nichtvorhandensein solcher Steuerungsqualitäten wird kaschiert durch die relativ schwachen Gegner und die individuelle und athletische Klasse von Einzelnen. Letzte Saison hat man genau das, was ich meine, mit der Hinzunahme von Neuhold dazugewonnen und ein wirklich attraktives Angriffsspiel in der Rückrunde hingelegt. Persson ist ein hervorragender Handballer und Fanger ebenso - aber die besagte Rolle ist im TuS-Kader trotz des massigen, hochwertigen Personals leider noch vakant.
Eine Entwicklung zwischen Hin- und Rückrunde wie in der letzten Saison ist in dieser entsprechend leider nicht wirklich zu sehen. Ich verbleibe dennoch fest dabei, dass der Kader das Potential für eine solche Steigerung beinhaltet. Zeit genug ist auch noch. Und Andersson hat letzte Saison in einer ungleich schwereren Liga mit einem unbalancierteren Kader entgegen gellend schrillenden Abstiegssirenen so eine Entwicklung angeleitet. Warum dann nicht auch dieses Jahr? Ich bleibe optimistisch. Vielleicht wird der Druck der Aufstiegsrunde, "wenn es wirklich zählt", dann den nächsten Schritt einleuten.