Beiträge von Andi.Waffen57

    Da täuscht du dich nicht, [...]

    Da täuschst du dich aber, für meine Begriffe hat Einarsson ein enormes Potential .Das kommt nur deshalb nicht so ganz zum Vorschein, weil er unter Machulla kaum Spielzeit bekommen hat. Gib ihm 20 Minuten pro Spiel auf RR und er wird thriven. Unter Machulla hatte er im Schnitt maximal 5-7. Trotzdem 105 Tore in 57 HBL-Spielen. Kriegt er mehr Verantwortung wird er entfalten können, was er hat. Er ist auch erst 24. Ich empfinde es nicht als ein Risiko, nur mit Smits und Einarsson in die Saison zu gehen - zumindest nicht qualitativ.

    Mit Kadetten und Elverum hat Flensburg zwei nicht einfach zu bespielende Gegner. Die Gruppe der Löwen ist nicht minder schwer. Das verspricht spannende Spiele schon in der Gruppenphase. Der Wettbewerb ist gar nicht so unattraktiv, wie manche immer sagen. Das Auswärtsspiel der Füchse bei Dinamo dürfte auch ein knackiger Ritt werden.

    https://www.kn-online.de/sport/regional…N7MNYZVZQA.html

    Ist hinter einer Paywall. Aber die wichtigsten Facts: Im Juni haben Kolstad und norwegischer Verband eine Beglaubigung hinterlegt, dass die finanzielle Situation für die Champions League ausgelegt sei. Nun stellt sich einen Monat später raus, dass dem nicht so ist. Daher wird gefordert, dass Kolstad aus der CL ausgeschlossen werden soll. Diese Forderung finde ich nachvollziehbar.

    Viel schwerwiegender finde ich aber den Vorwurf gegen Kolstad aus Elverum: Man habe sich die Meisterschaft der letzten Saison mit Geld gekauft, das gar nicht vorhanden gewesen sei. Da haben sie nicht Unrecht und solche Titel sind dann wirklich immer etwas schmächlich für diejenigen Vereine (wie Elverum), die seriös wirtschaften.

    Mir gefällt die hier drin enthaltene Aussage "In der Vergangenheit sind die deutschen Giganten in unserer Arena gefallen, und wir werden alles tun, um sie in der neuen Saison zu überraschen."

    Denn a) zeigt das, was die HBL in der internationalen Perspektive für Strahlkraft und Schwergewichtsstatus hat

    und b) zeigt es, mit welchem sportlichen Narrativ wohl alle(!) deutschen Clubs, ob CL oder EL, bei ihren internationalen Auswärtsspielen konfrontiert sein werden: Mit einer "So, jetzt wollen wir aber mal so richtig sehen was ihr drauf habt"-Mentalität.

    Das kann der Intensität und Spannung der Spiele nur gut tun. Wenn dann in den Hallen auch noch eine vergleichbare Atmosphäre im Publikum aufkommt, dann blühen den deutschen Teams - zumindest solange die Spiele offen sind - hitzige und packende Matches. Und das wäre super, auch für die Vermarktung der Sportart auf der neuen Plattform.

    SportBild hat wohl mit Magnus Röd bei WhatsApp geschrieben und er ist sich, so interpretieren die von Bild seine Nachrichten, wohl noch nicht sicher, wie es für ihn weitergeht.

    Direktes Zitat:

    SPORT BILD hakte nach, wollte wissen, wie Rød jetzt mit der Situation umgeht. Der Norweger antwortete mit einer emotionalen Nachricht. Rød: „Ich möchte nicht so viel sagen. (…) Aber ich kann das hier sagen: Bin ich überrascht? Ja. Bin ich enttäuscht über die Situation? Ja. Aber es ist die neue Realität – leider. Ich versuche so gut wie es geht mit der Situation umzugehen.“ Wird er die Gehaltskürzungen akzeptieren oder einen Last-Minute-Wechsel vollziehen? Seine Zukunft ist noch unklar. Rød: „Jeder muss die Entscheidung treffen, die am besten für ihn ist. Welche das ist, kann ich jetzt nicht sagen.“ Eines ist klar: Die nächsten Tage und Wochen werden psychisch extrem anstrengend.

    Ist ja grundsätzlich schon ein anderer Tenor als das "Ich bleibe dennoch auf jeden Fall" wie bei Sagosen. Da jetzt aufgrund von WhatsApps Kaffesatzleserei zu veranstalten, halt ich aber auch für Humbug.

    Ups, ist zwar hier ganz leicht Offtopic, Aber die DFL richtet sich auf schlechte Zeiten ein. Laut aktuellen Messungen steht sowohl SKY als auch DAZN das Wasser bis zum Hals. Refinanzierung von Rechten wird laut Angabe von DAZN immer schwerer. :huh:

    Ich finde das ziemlich ontopic. Man stelle sich mal vor, die überleben beide nicht, auf beiden wäre aber wie bisher Handball gelaufen? Wäre man dann einfach sang und klanglos mit untergegangen und niemand hätte es mehr schauen können?

    Vielleicht ist der Abgang des Handballs dann nicht a la "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff" sondern vielleicht haben die DYN-Leute gesehen wie es mit den etablierten weiterzugehen droht und rechtzeitig den Absprung gewagt?

    Eine eigene Plattform bedeutet in jedem Fall mehr Stabilität für das "Produkt Handball" als von wankenden Streamingriesen abzuhängen. Ist aber bisher auch nicht (öffentlich) klar gewesen, dass SKY und DAZN so sehr finanziell kämpfen.

    Im Fall von Kolstad ist es "Rema1000", die das große Geld geben (wollten). Das ist ein Akteur aus der Privatwirtschaft. Der andere Spitzenklub in Norwegen, Vipers Kristiansand bei den Frauen (mit nicht minder hohem Kapitalisierungsgrad und zuletzt 3 Champions League Titeln in Folge) hat als Mäzen das Finanzunternehmen DNB, an dem dagegen der Staat mehrheitlich beteiligt ist.

    In etlichen anderen europäischen Ländern geht im Handball auch nur deshalb noch was, weil von staatlicher Ebene nicht zu knapp Förderung fließt, teilweise eben auch über den Umweg staatlicher oder staatlich beteiligter Unternehmen.

    Vielleicht zeigt der Fall Kolstad nun endgültig, dass in unserem Sport der Weg zum Erfolg über privatwirtschaftliche Großinvestoren einfach zu risikoreich (Siehe zu den letzten Jahren auch Vardar, Kielce etc.) ist, und - wenn es schon Großinvestoren sein müssen - dann dort staatliches Geld in die Hand genommen werden muss, damit das Ganze einigermaßen auf soliden Beinen steht.

    Im Fußball haben wir diese Tendenz ja verrückterweise auch, also das Staaten zu Finanziers von Sportunternehmen werden (Saudi Arabien, Katar, VAE etc.) Aber da nicht aus der Not sondern eher aus Gründen des Sportswashing.

    Norwegen hat aber nix sportzuwashen. Daher ist deren Engagement bei den Vipers wohl schlichtweg strategisch. Und es funktioniert seit dem Einstieg von DNB blendend. Dagegen scheint es in Kolstad so, als habe man sich mit der Discounter-Kette verpokert. Kann sein, dass sie noch (fürs erste) gerettet werden. Aber all in all klingt das nach dem Anfang vom Ende - und nach einem Weg, den schon sportartübergreifend so viele gegangen sind. Im norwegischen Handball sogar auch schon mal ein Powerhouse, das besagte Larvik.

    So weit runter ?

    Sind doch grad abgestiegen oder?

    Würde mich auch wundern. Vor der abgelaufenen Saison hat er noch 2. Liga gespielt und das auch wahrlich nicht schlecht. Klar, die letzte Drittliga-Saison war eine von starken Leistungsschwankungen geprägte. Aber in die Verbandsliga runter...? Junge Junge.

    Auf einen ganz wichtigen Punkt, der in solchen Debatten schnell unterzugehen droht, weißt der Grinch hin:

    Seifert kann noch so sehr davon reden, dass sein Projekt für die Sportarten eine große Chance, eine Weiterentwicklung, eine Plattform und hastenichgesehen ist - am Ende ist der Ausgangspunkt all seiner Kalkulationen, dass er an den Sportarten Geld verdienen will, und zwar nicht zu knapp.

    Sein Konzept dafür klingt gut. Er will mit seinem "Epic Content" den Handball schön kompakt, ADHS-gerecht in der heutigen Social Media Welt ausmelken. In der Gesamtdarstellung bin ich mal gespannt, ob da nicht der Fokus zu sehr auf den Inhalten "unter der Woche" liegen wird - während die Spieltage beinah zum Nebenprodukt verkommen, zu reinen "Epic Content Creatorn" die für die SocialMedia Posts Material liefern. Wer diese Konzepte bereits aus anderen Sportarten kennt, weiß zwei Dinge: a) Das kann sich tatsächlich irgendwan so anfühlen und b), Da kommt nix neues auf uns zu. Sagt Seifert ja auch sogar selbst. Er wendet eben nur schon verfügbare und auch im Sport schon angewendete Umsatzstrategien auf Märkte an, in denen sie bisher nicht existieren. Das ist immer, beinah menschheitsgeschichtlich, ein "sicheres Pferd" gewesen. Clever, Christian. Handball ist de facto ein unausgemolkener Markt. Bedien dich, mein Lieber. Wers zuerst findet, dem gehörts.

    Aber was, wenn die ganze Nummer doch floppt? Wenn sie es selbst verhauen oder einfach nicht ins Plus kommen? Dann fällt da ein ziemlich großer und nach außen bunt angemalter Heißluftballon in relativ kümmerlicher Ästhetik in sich zusammen. Der Handball hat jetzt volle Lotte auf Christians Erfolg gesetzt. Denn wenn der ausbleibt, wird man X Jahre der Entwicklung "als Produkt" verloren haben und einen Schritt nach hinten gegangen sein.

    Ich werde mir ein Abo holen und dem ganzen eine Chance aus meiner Position des Kunden geben. Aus meiner Rolle als Handballfan sehe ich mich aber beinah gezwungen, dem ganzen auch einen kritischen, hinterfragenden Blick entgegenzuwerfen. Den nun liegt das Wohl "meiner" Sportart in den Händen des Aufgehens der Profitkalkulation eines Unternehmens, das zu großen Teilen von Axel Springer besessen wird. Das kann kein Zustand sein, der sich für den Handball gegenüber der bisherigen Sky-Situation sofort als "eindeutig besser" darstellt.

    Danke TuSsie für das Eröffnen des Saisonthreads. Eine kleine Korrektur zu deinem Übersichtspost: Josip Eres spielt Rechts- und nicht Linksaußen, in deiner Auflistung ist er mit Viana verwechselt.

    Zum Auftakt in die neue Saison nächste Woche ein paar ausführlichere Gedanken:

    Dann beginnt es also wieder. Ich muss ehrlich sagen: Auch eine komplette Saison nach dem Abstieg habe ich mich noch nicht vollends an die dritte Liga gewöhnt; sagt mir mein Gefühl immernoch, dass nach den vier Jahren zuvor eigentlich Gegner wie Coburg, Schwartau und Nordhorn bei uns in der Stählerwiese vorstellig werden müssten und nicht Wetzlar 2 und Aldekerk - bei allem Respekt vor letztgenannten! Aber dennoch freue ich mich auf die neue Saison, da trägt sicherlich der "frische Wind" mit dem Trainerwechsel und den interessanten und sportlich sinnmachenden Neuverpflichtungen seinen Teil zu bei. Einzig Halb Rechts sehe ich am ehesten als kleine "Problemzone" des Kaders, da waren letzte Saison Mundus und Hecker einfach zu unkonstant und sind teilweise sogar Qualität schuldig geblieben.

    Aber insgesamt passt der Abstieg und auch der Nicht-Wiederaufstieg zur Lage des TuS Ferndorf. Von ihrer Professionalisierung, dem Organisationsgrad im Verwaltungsbereich und der allgemeinen Infrastruktur wie Öffentlichkeitsarbeit, Kundenbindung etc. her sind es am Ende mittlerweile nicht mehr die genannten Zweitligisten oder auch Dessau, Hüttenberg und - so schmerzlich es ist - Hagen, mit denen wir uns messen können und müssen. Es macht ein wenig den Anschein, als hätten sich beinah alle diese Vereine, mit denen man vor vier Jahren noch "competed" hat, in genau diesen Disziplinen weiterentwickelt, digitalisiert und professionalisiert - und der TuS eben nicht so richtig. Deswegen ist der Status Quo auch voll okay. Zwei verschlissene Geschäftsführer in unter 2 Jahren stehen da ein bisschen sinnbildlich für fehlenden Fortschritt und Konstanz. Und dann sind es mittlerweile eben folgerichtig Vereine wie Gelnhausen und Opladen, die die ernstzunehmenden "Wettbewerber" des TuS Ferndorf darstellen. Ob man das sehen möchte, oder nicht.

    Opladen beispielsweise hat kürzlich für die Handballabteilung einen hauptamtlichen Mitarbeiter verkündet. Nach den beiden diesbezüglichen Missgriffen besteht in Ferndorf dagegen die gesamte Managementebene in GmbH und Hauptverein wieder aus Ehrenamt - und es liegt alles in den Händen derer, die es seit Jahren machen. Da hat man die Benchmarks des eigentlich nötigen Fortschritts ganz klar vorgegeben.

    Und was, wenn Stenger oder Sijaric irgendwann mal aufhören? Das wäre ein enorm harter Bruch. Hieß es nicht eh vor einem Jahr noch, dass es für beide eigentlich beruflich gar nicht mehr möglich sei, das Amt zu bekleiden? Da fehlt mir einfach so ein bisschen die mittelfristige Perspektive für das Wachstum des gesamten Handballsports in Kreuztal, insbesondere jenseits des Sportlichen. In Puncto Professionalisierung der Mitarbeiterstruktur ist man nach Schöneseiffens Abgang sogar nicht mal mehr im Siegerland Spitzenreiter: Der lokale Breitensportverein VTV Freier Grund leistet sich seit kurzem den ersten Hauptamtler seiner Geschichte. Für meine Begriffe sollte im Nordsiegerland ein dringender Fokus darauf liegen, jeweils für GmbH (einen Geschäftsführer) und Gesamtverein (einen sportlichen Leiter der Handballabteilung) eine reguläre Mitarbeiterstelle zu besetzen, beides ist sicher zunächst auch in Teilzeit möglich.

    Dafür hätte ich persönlich auch gerne auf 15-20% der geschehenen Aufrüstung des Kaders verzichten können. Aber wer weiß, vielleicht kriegen wir ja bald mal irgendwie ein Kommunique darüber, wie es nun nach dem Schönseiffen-Aus mittelfristig weitergehen soll. Ansonsten wächst trotz - oder gerade wegen all ihrer Kompetenz in der Ausführung - nur die Abhängigkeit von Stenger und Sijaric weiter. Immerhin ist die Qualifikation der A-Jugend für die Oberliga ein guter kleiner Schritt nach längerer Zeit der Stagnation. Da kann auch ruhig weiter der mediale Fokus von Vereinsseite drauf gerichtet werden, wie es mit dem Aufstiegsartikel einen Anfang genommen hat.

    Aber wir müssen uns wohl nach einem Jahrzehnt des wilden Auf und Abs im direkten Stärkeverhältnis wohl vorerst damit abfinden, dass sich der Erzrivale der Eintracht aus Hagen mittlerweile eindeutig vor uns etabliert hat. Was die Professionalisierung des Vereins auf allen Ebenen angeht (Vergleicht mal die Internet-Fanshops beider Teams... Sowas bringt übrigens auch Einnahmen...), was die Qualität der Jugenarbeit angeht und letztlich natürlich auch was den Kapitalisierungsgrad angeht.

    Es wird spannend sein zu sehen, ob und wie der TuS Ferndorf in den nächsten Jahren weiterwächst. Oder ob auch Vereine wie Opladen, Gelnhausen und Hanau in ihrem Entwicklungsprozess die Ferndorfer in ein paar Jahren hinter sich gelassen haben?

    Vielleicht muss man sich was die Professionalisierung angeht ein wenig vom Dorfverein wegbewegen. Denn dem fehlt da manchmal so ein bisschen das kühle Berechnen der Großstadt. Was nicht heißen soll, dass man verwerfen muss, zu sein was man ist. Denn der hessische Fußball-Nachbar vom TSV Steinbach ist auch ein Dorfverein gewesen und geblieben, obwohl man sich dort über Jahre hinweg konstant weiter professionalisiert hat und mittlerweile ein formidables Sportunternehmen darstellt.

    Die kommende Saison wird eine erste Idee davon geben, wohin der Weg des TuS Ferndorf geht. Und es ist allen klar: Er kann auch trotz des Zustands, in dem man sich gerade befindet, urplötzlich wieder gen 2. Bundesliga zeigen. Das ist das Verrückte, schon immer der Adrenalinkick, der ewige Rodeoritt des TuS Ferndorf und die Underdog-Magie des Hexenkessel Stählerwiese. Man ist klein, anders, teilweise amateurisch - und irgendwie doch oben dabei. Es bleibt wild und es bleibt spannend. Das Siegerland ist speziell.

    Zwangsläufige Kandidaten für die Plätze 1 und 2 sind für mich aktuell nur Hanau und Krefeld. Wobei Hanau auch erstmal zeigen muss, dass sie das Niveau über mehr als 12 Monate hinweg halten können. Aber warten wir mal die ersten Testspiele ab. Uns selbst zähle ich da oben erstmal nicht unbedingt hinzu. Ein Trainerwechsel ist für meine Begriffe eine zu große Wundertüte und auch wenn der Kader nicht schlechter ist als letzte Saison, kann man dennoch nicht unbedingt erwarten, das sofort performt wird.

    Für unten rechne ich nicht mit Wetzlars U23. Mein Tipp: Die werden, im Gegenteil, eher eine Überraschungsmannschaft. Aldekerk wird es aber vermutlich schwer haben und ich tippe auch auf interaktiv und Friesenheim, was die Besetzung des Kellers angeht.

    Gelnhausen und Rodgau waren für mich persönlich zwei sehr interessante Vereine (nicht nur Teams - auch das Drumherum), die ich letzte Saison erstmals wirklich gesehen bzw. verfolgt habe. Da wird es spannend sein zu sehen, was sich dort dann in den mindestens 2 Jahren, die sich die dortigen Wege mit dem nördlichen Siegerland kreuzen, letztlich so an Entwicklung bewegt hat. Für "Ganz Oben" kommen sie für mich aber beide noch nicht in Frage.

    Kolstad macht auch nur das gleiche, was vorher Vitrolles, San Antonio, Ciudad Real, der HSV, Vardar, Bukarest usw gemacht haben. Elverum und Bukarest haben international vor ihrer Teilnahme auch nichts gerissen und komm nicht mit Bukarests Titel von 1965.

    Letztlich will man im Premiumprodukt Champions League die besten Teams mit den besten Spielern vor ausverkauftem Haus sehen. Niemand will sehen oder gar dafür bezahlen, wie Barcelona vor 500 Zuschauern den slowakischen Meister "abschlachtet".

    Das erste Absatz trägt ein implizites "Das war halt schon immer so" in sich - Aber gerade weil ein Missstand manifestiert ist, ist es doch umso unsinniger, dessen Fortsetzung als Argument für die Nutznießer des Missstandes anzuführen?

    Der zweite Absatz gesteht dann wohl relativ klar ein, was die Champions League für den modernen Konsumenten ist: Ein Premiumprodukt. Schade, dass das hier so gesehen wird. Bei aller berechtigter Kritik an den unsäglichen Fanszenen beim Fußball: Da wird immerhin noch dafür gekämpft, dass deren Sportart eben genau das bleibt - eine Sportart. In der sportliche Qualifikation der einzige Faktor ist. Überraschungserfolge von Underdogs sind doch gerade das, was den Sport egal welcher Disziplin ausmacht - und egal wie selten sie vorkommen. Und auch der slowakische Meister kann eines Tages Barca schlagen und der FC Porto 2004 im Fußball oder das Montpellier 2018 im Handball werden.

    Dieses unberechenbare Element, was den Sport von der stupiden Kalkulierbarkeit gewöhnlicher Märkte abhebt, ist doch genau das, was ihn letztlich fantastisch macht. Aber klar, der gemeine Sofasitzer denkt natürlich in den entfremdeten Kategorien "Ich hab bezahlt, ich will geboten bekommen" - egal ob er RTL+ Müll schaut oder Sport. Schade, dass das wohl im Handball auch so gesehen wird. Denn das beschädigt den Sportsgeist.

    Rasmus Boysen hat mit seiner Kritik auf Twitter absolut Recht: Kolstad hat als Retortenverein noch nie etwas national oder international gerissen und ist zudem in der abgelaufenen Saison in der Europa League in Qualirunde 2(!) rausgeflogen. Sollen sie mit ihren ganzen Stars erstmal den unterklassigen internationalen Titel gewinnen, wird gegen die deutschen Mannschaften schon schwer genug. Da könnten sie in Berlin oder Flensburg auch im Vorbeigehen lernen, was echte, "authentisch gewachsene" Handball-Atmosphäre ist. Aber klar, da oben bei den Neureichen wird gerade Umsatz gemacht und wo Umsatz ist, ist die EHF stante pede mit dem nächsten Nachtzug zur Stelle. Sollte Kolstad wider Erwarten den Titel im ersten Anlauf holen - es bliebe ein äußerst fader Beigeschmack.

    Man kann also etwas zynisch das folgende Rezept erstellen: Hole einer nur groß genuge Zahl an Topstars zu einer Skihütte aus Irrelevanz und Marketing-Bachelor-Absolventen - die EHF kommt artig angedackelt und schenkt dir die Champions League. Das ist natürlich auch eine hervorragende Botschaft an alle Saudis, Kataris und sonstige Menschen- und Frauenrechtsfreunde, die zukünftig, ähnlich wie bei PSG, den Handball als weitere Sportswashing-Plattform für sich entdecken könnten.

    Bukarest dagegen, als Traditionsverein mit internationalen Titeln und 6 CL-Teilnahmen aus den letzten 7 Saisons, darf nicht teilnehmen obwohl dort der Handball im Gegensatz zu dem biederen Fummel in Norwegen noch mit Herz und Seele gelebt wird (Ist natürlich kein Argument, ich weiß).

    Wurde hier bestimmt schon an anderer Stelle oftmals betont, aber: Das Wildcard-System ist eine Farce vor dem Herrgott. Fast die Hälfte der Plätze wird nach einem völlig intransparenten Vergabeprinzip verteilt statt nach sportlichem Erfolg?! Da heißt es im Fußball schon immer, die UEFA macht was sie will und führt Systeme ein, die die eh-schon-Großen bevorzugt. Darüber kann man bezüglich der EHF ja nur müde lachen.

    Ein ganz klasse Verband ist das.

    Da ich ja hier offensichtlich derjenige war, der die "Schritte-Diskussion" losgetreten hat, folgender Kommentar dazu:

    In meinem Post ging es (wie man aus den einleitenden beiden Sätzen entnehmen kann) darum, die Liste der Flops um meinen persönlichen Flop der Saison zu erweitern. Es kann mir gar nicht darum gegangen sein, an anderer Stelle der Handballecke geführte Diskussionen über Schrittfehler wieder aufzugreifen oder neu zu entfachen oder - auf Grundlage dessen - hier irgendwen "zu bashen". Weil ich diese Diskussionen nicht kenne. Ich lese hier so gut wie gar nichts zur Bundesliga. Mein Herzensverein ist der TuS Ferndorf und darüber hinaus sind meine Kids Flensburg-Fans, also lese/schreibe ich hier quasi ausschließlich zu Ferndorf, Liga 3 und Flensburg, auch wenn ich in der HBL mehr als nur die SG schaue.

    Ich habe also nicht wirklich Kenntnis darüber, was hier wo für welche Debatten geführt werden. Entsprechend surreal finde ich es, dass plötzlich eine Horde erwachsener Männer (das ist nur Spekulation) angehopst kommt und Verhaltensweisen an den Tag legt, die in der Sozialpsychologie der Abwehr einer narzisstischen Kränkung zugerechnet werden - soll heißen: Muster, die in einem dem Gegenstand nicht gerecht werdenden Sinne Narrative auf sich beziehen, die eigentlich jeder Identitätsgrundlage entbehren - entsprechend nicht auf sich bezogen werden sollten/dürften.

    Ich habe bestimmt sechsmal geschrieben, dass es a) nicht nur Kristjansson ist, b) er nicht mal die Schuld dran trägt sondern nur die Regelschwäche ausnutzt und c) er trotzdem ein famoser Handballer ist. Habt ihr das Überlesen? Denn wenn nicht entsprechen etliche hier gezeigte Reaktionen nicht dem, was man von erwachsenen, mündigen Subjekten erwarten könnte. Dieses "Sich selbst angegriffen fühlen und Dinge auf sich beziehen" ist ein pubertäres Denk- und Verhaltensmuster, dass im Sinne des postpubertären Reifungsprozesses zu großen Teilen hinter sich gelassen werden sollte.

    Aber wenn hier scheinbar zig Leute unterwegs sind, die sich derart gebaren - Sorry, aber dann verliere ich die Lust an der Handballecke.

    "Unten bei uns" in den Drittligathreads und -foren ist das zum Glück aber bei weitem nicht so. Da kann sachliche, konstruktive Kritik geäußert werden ohne dass sofort die Charaktermaske der Opferrolle aufgesetzt wird.

    Man man man, echt enttäuschende Reaktionen. Und auch rein praktisch gesehen: Echt enttäuschend, dass es nicht anschließend direkt mit den Flops und Tops weiterging, sondern hier 4 volle Seiten lang das beschriebene Geplärre von Statten geht - und einzelne User sogar persönlich angegangen werden.

    Menschen "abartig" zu nennen wegen einer Meinung zum Handball - das ist abartig. Da würde ich mir auch mehr Feingefühl der Moderation wünschen, so etwas muss auf einem zivilisierten Marktplatz der Ideen eigentlich Konsequenzen nach sich ziehen.

    Vieles, was ich hier geschrieben hätte, ist schon geschrieben worden.

    Was für meine Begriffe noch fehlt - und zwar als massiver Flop:

    Der schnelle, moderne "Handball von Heute" kriegt immer größere Probleme mit der Schrittfehler-Regel. Das ist natürlich nicht nur ein Problem der HBL sondern des Spitzenhandballs allgemein. Aber da ich eben hauptsächlich die HBL schaue, stößt es mir da eben am dollsten auf. Das nervt mich so sehr, dass ich teilweise während der Spiele die Lust verliere.

    Die Sportart verändert sich komplett, wenn der Angriffsspieler in 1vs1-Situationen regelmäßig bis zu 5 Schritte macht, 3 davon in der Vor-Kontakt-Phase zur idealen Positionierung der Hüfte bzw. des Körpers allgemein, um dann diesen irregulär erzielten Stellungsvorteil nur noch mit hoher Explosivkraft nach Hause fahren zu müssen.

    Auch wenn es nicht fair ist, sich bezüglich dieses allgemeinen Problems an einzelnen Spielern festzubeißen - und auch, wenn die SCM-Fans hier vermutlich stark protestieren werden - für mich manifestiert sich dieser Missstand in der Spielweise von Gisli Kristjansson.

    Er macht diese Saison 152 Tore in 31 Spielen. Wird als Weltklassespieler bezeichnet. Er spielt ohne Frage absolut beeindruckend und wird als einer der Großen der Spielmacherposition gesehen, teilweise sogar als (durch die Form und Verletzungen des letzteren bedingt) stärker denn Gottfridsson.

    Da stellt sich mir aber wirklich die Frage: Wieviele von diesen 152 Toren hätte er gemacht, wenn die Schrittfehler-Regel konsequent angewendet worden wäre? Ist er nur Weltklasse, weil er mit beschriebener, irregulärer Vorteilsbeschaffung dann eben seine unheimliche Schnelligkeit und Athletik ausspielen kann - einer der großen Profiteure dieser Regel-Krise?

    Das soll nicht ketzerisch klingen, versteht mich nicht falsch. Und natürlich kann man ihm da nicht die "Schuld" für geben. Wenn der Schiri nicht pfeift, würde ich es auch immer wieder machen - führt ja schließlich zum (Tor-)Erfolg. Und ich will auch Kristjanssons Talent nicht schmälern. Der ist unheimlich athletisch und hat zudem ein sehr gutes Gefühl für den Spielrhythmus.

    Aber, und das ist so ein bisschen mein Fazit, wenn heute Spieler als Weltklasse bezeichnet werden, sie aber eigentlich (in meinen Augen) nur maßgeblich davon profitieren, dass die gesamte Sportart da ein gewaltiges Problem mit der Konsequenz der Regelverfolgung hat, dann fragt sich insbesondere der langjährige Handballfan, ob das noch die Sportart ist, die man früher so geliebt hat. Den ganzen Kram mit 7. Feldspieler hin oder her.

    Es ist ein bisschen so, als würde im Fußball die Abseitsregel nur in 2/10 Fällen ernst genommen: Die Stürmer wissen das irgendwann, stellen sich drauf ein und erzielen unheimlich viele Abseitstore, weil sie einfach direkt vorne am Strafraum warten - völlig egal wo die Abwehrkette steht. Klar schießt man so viele Tore und es sieht sicher auch spektakulär aus, wenn die langen Bälle alle punktgenau beim wartenden Stürmer landen. Aber wäre das Weltklasse? Und wäre das dann "wirklich Fußball"?

    Dieses Schritte-Problem hat sich diese Saison in der HBL für meine Begriffe nochmal verstärkt. Und es ist, das ist wichtig zu betonen, natürlich nicht nur Kristjansson, der das Problemkind ist. Aber bei ihm fällt es eben besonders auf, insbesondere in Verknüpfung damit, wie sehr er in den Himmel gehoben wird.

    Die Verbände werden schnell Lösungen finden müssen. Sehr schnell. Sonst läuft man Gefahr, dass sich insbesondere nach wichtigen Spielen immer die gleichen Diskussionen einstellen werden. Siehe z.B. auch die entscheidenden dänischen Meisterschafts-Momente dieser Saison.

    Da schädigt sich der Handball ungemein selbst.

    Klang bei Kevic schon vor 4 Jahren nach Abschied.

    https://www.handball-world.news/o.red.r/news-1-1-62-120957.html

    Er hat 2 Jahre nach diesem Artikel bzw. der Aussage "[...] und bin mit nunmehr 33 Jahren auch so langsam am Ende einer wunderbaren Handballkarriere." für die Nationalmannschaft debütiert und die WM '21 in Ägypten gespielt, trotz der Konkurrenz von Karacic, Cindric und Duvnjak auf RM. Diese Saison 42 Europapokal-Tore und Kapitän des kroatischen Vize-Meisters. Klingt alles nicht so nach Abschied und letzte Rille.

    Und mit alten Spielern aus höheren Handball-Gefilden, die im schönen Siegerland die idealen Bedingungen für das Vereinbaren der beiden Faktoren "Noch leistungsbezogen Handball spielen" und "Anfangen, ein bürgerliches Leben für die Zeit danach aufzubauen" gefunden haben, ist der TuS in der Vergangenheit sehr gut gefahren. Stichwort Amund Toft, Orlov oder auch Koke.

    PS: An letzteren hat mich erinnert, dass auf der Homepage von Nexe geschrieben steht, dass Kevic dort parallel zum Handball Wirtschaftswissenschaften studiert. Falls er damit noch nicht fertig ist, könnte er es an der Uni Siegen fortsetzen (Das ist aber nur reine Spekulation). Koke hat damals in seiner Zeit bei uns seine Diss fertig geschrieben.