Ich sehe es ähnlich wie der alte Sack. Das Bild, welches im professionellen Bereich transportiert wird, färbt ungemein auf den Amateurbereich und den Jugend-/Kinderbereich ab.
Allein, dass es scheinbar völlig legitim ist, sich wild gestikulierend vor den SR zu stellen und ihn nach vermeindlichen Fehlentscheidungen zu belagern, könnte den Nicht-Profis eben genau das suggerieren: Der SR ist kontinuierlich in Frage zu stellen. Und genau das wird durch Kommentatoren oder Offizielle, die (vermeindliche) Fehlentscheidungen öffentlich und oft ohne die nötige Regelkenntnis an den Pranger stellen, gefördert. In den unteren Spielklassen oder bei den Kindern mögen das dann vielleicht die Zuschauer, Eltern und/oder Trainer sein.
[Da hat mir im Ürbigen die Regel aus dem Rugbysport sehr gefallen: Der einzige Spieler auf dem Feld, der mit dem SR kommunizieren darf ist der Kapitän. Entscheidungen des SR werden darüber hinaus sehr demütig akzeptiert.]
Und dabei geht es doch nun kaum noch um berechtigte Kritik, die natürlich geäußert werden darf. Aber dann sollte die Kritik auch fundiert sein und sachlich diskutiert werden können.
Mit irgendwelchen Prozentzahlen zu jonglieren, finde ich etwas gewagt. Sicherlich hat es der SR durch sein eigenes Auftreten zu gewissen Anteilen in der Hand, wie seine Entscheidungen transportiert werden. Allerdings kommst du auch dann nicht mehr gegen eine Halle polternder/beleidigender Zuschauer/Spieler/Offizielle an, wenn du noch so souverän bist.
Stärkere Bestrafung dieser Kritik? Schwer umzusetzen, fürchte ich. Müsste man dazu erst prüfen, welche Entscheidungen im Einzelnen kritisiert werden? Wer prüft die Entscheidungen und bewertet, ob diese zurecht kritisiert wurden oder nicht? Denn wie alter Sack schon gesagt hat, sollte berechtigte Kritik doch geäußert werden dürfen. Nur wo fängt berechtigtes kritisieren an und wo hört das auf? Und würde dann nicht im Zweifel ein falsch liegender SR umso mehr bloß gestellt?
Über die SR Leistung zu sprechen ist mMn nicht grundlegend verkehrt. Die Art und Weise, wie Personen das teilweise in der öffentlich tun ist es aber. Denn das passiert ja in der Regel dann, wenn sich das Verlierer-Team über die SR Leistung beschwert, welche dann in der Konsequenz den Unparteiischen die Schuld für die Niederlage geben. Oder eben, wenn Kommentatoren oder Offizielle ohne Regelkenntnis SR Entscheidungen kommentieren.
Ich glaube im Handball ist diese Diskussion noch verhältnismäßig harmlos und ich hoffe auch, dass dies so bleibt. Denn wenn ich mir anschaue, dass im Fußball sogenannte "Expertenrunden" nicht mehr die Spielszenen analysieren, sondern mit Dreifachzeitlupen und Vergrößerungen über die SR Fehlentscheidungen des Wochenendes debattieren, dann vergeht mir ganz schnell der Spaß. Das und das Verhalten von Profis und Offiziellen hat im Fußball schon zu weitaus schlimmeren Dingen in unteren Klassen geführt, als mir im Handball bekannt ist.
Jedoch ist die permanente öffentliche, nicht mit Regeln fundierte Debatte über Fehlentscheidungen auch im Handball nicht unbedingt förderlich. Wie man das genau eindämmen könnte, weiß ich leider auch noch nicht.