Wiesbadener Tagblatt
Wallau wartet auf Ergebnisse vom 04.04.2005
uli. WALLAU Handball-Bundesligist SG Wallau/Massenheim hat noch keine Kenntnis darüber, was die Staatsanwaltschaft Frankfurt bei der Durchsuchung der Geschäftsstelle des Vereins gefunden hat. Das bestätigte Marc Gramm, ein Gesellschafter der Spielbetriebs GmbH. Die Durchsuchung der Räume hatte die Staatsanwaltschaft vorgenommen, weil eine Anzeige gegen den fristlos gekündigten Manager der Spielbetriebs GmbH, Bülent Aksen, vorliegt. Derweil hat die SG Wallau/Massenheim den Vertrag mit Nenad Perunicic zum 1. April aufgelöst. Der Montenegriner spielt derzeit in Katar und ob er zur neuen Saison nach Wallau zurückkehrt ist nach wie vor offen. Perunicic besaß in Wallau einen Vertrag bis 2006 plus Option. Unterdessen macht die Genesung von Hendrik Ziegler Fortschritte. Der provisorische Leiter der Geschäftsstelle war nach einem Herzinfarkt im Wiesbadener Josef-Hospital behandelt worden, dabei wurden verstopfte Blut-Gefäße wieder durchlässig gemacht. Ziegler begibt sich jetzt in die Rehabilitation.
FAZ
Wallau (fnp) Dass die Lage bei der SG Wallau/Massenheim weiterhin sehr angespannt ist, verdeutlicht der außerordentlich lange Arbeitstag am Mittwoch. Schon um 18 Uhr setzten sich die Mitglieder der Spielbetriebs-GmbH des finanziell angeschlagenen Handball-Bundesligisten zusammen, um den Sachstand zu besprechen, «in den frühen Morgenstunden waren wir fertig», teilte Gesellschafter Marc Gramm mit.
Ein Thema war eher nebensächlich: Die Durchsuchung der Geschäftsstelle, die acht Beamte des Polizei-Präsidiums Hessen-West am Mittwoch von 10 bis 13.30 Uhr vornahmen. «Es geht dabei um ein Ermittlungsverfahren gegen einen ehemaligen Geschäftsführer der SG Wallau/Massenheim wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung», erklärte Gramm, «es wird nicht gegen die SG ermittelt, die Beamten haben unsere uneingeschränkte Unterstützung». Wie Wallaus ehrenamtlicher Vorsitzender Hans-Dieter Großkurth ausführte, hat die Staatsanwaltschaft wegen eines anonymen Hinweises bei ihm und dem ehemaligen geschäftsführenden Manager Bülent Aksen Hausdurchsuchungen vorgenommen. «Ich denke bei Großkurth ist das ein Versehen», meinte Gramm.
Die Gesellschafter machen sich eher Gedanken darüber, ob ihr Sanierungskonzept greift. Die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass das Finanzamt Hofheim, das seinen Fremdinsolvenz-Antrag beim Amtsgericht Frankfurt entgegen der Hoffnung von Gesellschafter-Sprecher Ralf Jahnke nicht zurückzog, eine Frist gesetzt hat (150 000 Euro an Steuerschulden stehen noch aus). Die Rede war sogar vom 1. April. «Davon habe ich nichts gehört», wiegelte Gramm ab. Fakt ist, dass die SG dringend kurzfristige Geldquellen benötigt. Die Spieler warten inzwischen wieder auf drei Monatsgehälter. Gramm sagt, dass sich an der Etatlücke von 250 000 Euro bis Saisonende nichts verändert hat. Doch da die Spieler sogar ihr Januar-Gehalt noch nicht bekamen, könnte es eine noch höhere Summe sein. «Viele Sponsoren, die Zusagen machten, warten erst mal ab, was nächste Saison passiert», so Gramm. «Dass wir einen Etat festgelegt haben, heißt nicht, dass wir ihn auch stemmen können. Bis wir Vollzug melden können, sind Leute vielleicht schon im Sommerurlaub.»
Die Gesellschafter haben vereinbart, noch mehr Zeit für die SG zu investieren. Mehr Arbeit fällt in der Geschäftsstelle schon deshalb an, da Pressesprecher und PR-Beauftragter Hendrik Ziegler mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegt. Trainer und Sportdirektor Martin Schwalb ist derweil auf der Suche nach neuen Spielern. Mit Sebastian Linder plant er nicht mehr. Der wird den Verein verlassen und befindet sich wie der abwanderungswillige Benjamin Hundt in Verhandlungen mit Zweitligisten aus der Region. (rem)