Natürlich ‚sollte‘ es im Jahr 2022 normal sein, wenn man nicht darüber sprechen muss, ob jemand schwul, hetero oder whatever ist. Ich glaube aber, an dem Punkt sind wir leider noch nicht. Die Frage ist doch auch vielmehr, warum sollte es normal sein? Noch bis 1994 war Homosexualität in Deutschland strafbar. Veränderungen passieren nicht einfach so, sondern brauchen (An)treiber, Kämpfer, Menschen, die das Thema in die Köpfe der Gesellschaft und Politiker bringen, dazu zwingen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, zu reflektieren. Menschen, die sich nicht existente Rechte erkämpfen, waren immer wichtig. Das war vor hundert Jahren das gleiche mit dem Frauenwahlrecht. Jede einzelne Demo, jeder CSD usw. haben ihren Teil zur ‘Legalisierung’ von Homosexualität beigetragen. Jeder einzelne Politiker, Musiker, Schauspieler, der sich geoutet hat, jede weitere Demo der damaligen LGB-Bewegung (heute LGBTQIA+) hat Homosexualität ein Gesicht und eine Stimme gegeben und wiederum ihren Teil zu der weiteren Entwicklung, nämlich der gleichgeschlechtlichen Ehe, beigetragen. Diese ist in Deutschland gerade mal seit 5 Jahren erlaubt. Wir sind also noch lange nicht an dem Punkt, wo Homosexualität ‚normal‘ ist. In Deutschland sind wir da glücklicherweise weiter als woanders, siehe bspw. USA. Deswegen ist es richtig und wichtig, weiterhin laut zu sein, präsent zu sein, Homosexualität ein Gesicht zu geben. Die Mittel und Wege, die uns zum aktuellen Status Quo geführt hat, ist nicht plötzlich schlecht oder überflüssig.