Beiträge von Pro Handball

    Du vermischst hier sehr viele Dinge und suggerierst zudem das Recht und Gesetz mehr oder weniger Realität bedeuten und alles was nicht darüber abschliessend beurteilt ist oder beurteilbar ist, nicht gilt. Ich glaube das würden die meisten Richter und Anwälte anders sehen, ist aber wohl leider keine seltene Meinung.

    Mit Glauben kommst du im Recht nicht weiter, glauben heisst nicht wissen. Es geht hier um die Ermittlung eines Sachverhalts, aufgrund dessen eine Bewertung erfolgt, ob und in welcher Form ein Verstoß gegen Normen vorliegt. Und das sieht kein Richter oder Anwalt anders, denn so funktioniert Recht. Und ein bewertbarer, rechtskonform ermittelter Sachverhalt liegt nicht vor.

    Wenn ich was ändern will, muss ich auch das Risiko eingehen, das es nicht klappt. Dazu gehört der Mut, sich der Öffentlichkeit zu stellen und die Vorfälle in nachvollziehbarer Weise darzustellen. Und diesen Mut hatten weder die Spielerinnen noch die Kommission. Und wenn sie sich nicht sicher sind, dann sollten sie es bleiben lassen. Psychische Gewalt ist justiziabel, ich habe aber bisher nirgendwo gelesen, dass die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung und Nötigung ermittelt. Wenn die Vorwürfe gegen Fuhr begründet sind, dann mögen sich die Spielerinnen bitte direkt äußern, dann kann in einem ordentlichen Verfahren festgestellt werden, ob es so war. Nochmal, der Anwalt von Fuhr macht seinen Job, er vertritt die Interessen seines Mandanten und das mit erlaubten Mitteln.

    Vor dem Hintergrund des Falles Gisèle Pelicot und dem Mut, den diese Frau aufgebracht hat, ist das Versteckspiel durch die Aufarbeitungskommission als peinlich zu bezeichnen. Die Frau hat definitiv mehr durchlitten und trotzdem macht sie das der Öffentlichkeit mit allen Einzelheiten bekannt. Einen solchen Mut würde ich mir auch von den Spielerinnen und der Aufarbeitungskommission wünschen.

    Arcosh

    Auch der Spiegel kennt nur eine Sicht der Dinge und, da er Auflage braucht, bereitet diese medial so auf, dass er auch gekauft und gelesen wird. Der Verdacht ist ja da, nur ein Interview reicht als Beweis nicht aus. Die Vorwürfe sollten schon von einer unabhängigen und neutralen Instanz geprüft werden.

    Der DHB ist nicht der einzige Verband, der in diesem Bereich mit Rechtsunsicherheiten kämpft, Regularien zum Umgang mit Gewalt im Sport haben nur sehr wenige, insoweit herrscht nun Klarheit, dass man sich diesem Thema auch normativ genauer widmen muss.

    Ich weiß ja bis heute nicht, was genau Fuhr im Einzelnen vorgeworfen wird, in den Medien wird ja nur mit allgemeinen Ausdrücken wie Machtmißbrauch etc gearbeitet, was das genau gewesen sein soll, steht nirgendwo. Wenn sich 50 Spielerinnen beschweren, liegt der Verdacht nahe, dass da was im Argen liegt, dann muss das aber auch genau benannt werden, schuldig bei Verdacht geht nicht.

    Bleibt nur zu hoffen, dass im Disziplinarverfahren die Vorwürfe aufgeklärt werden, denn erst wenn bekannt ist, was genau vorgefallen ist, kann man auch an die Ursachen gehen. Nicht mehr und nicht weniger hat das Gericht entschieden.

    a. Das mit den Gelben Karten gilt nur bis zur Regionalliga, unten drunter nicht. Verbindliche Anweisung des DHB speziell für den oberen Leistungs- und Profibereich, im Amateurbereich auch nicht sinnvoll.

    b. Gelb ist nach wie vor ein sinnvolles Instrument um gerade in den Anfangsminuten die Grenzen aufzuzeigen. Clevere Mannschaften verstehen das.

    c. Ob und wann welche Progression notwendig ist, hängt vom Spielverlauf ab. Musst Du direkt mit Zeitstrafen anfangen wegen der Härte, sehen gelbe Karten später einfach unglaubwürdig aus, hast Du so ein dynamisches Gruppenkuscheln ist auch gegen gelb in der 45.Minute nichts einzuwenden.

    d. Die SR sind auf der Höhe der Zeit, was das Regelwerk angeht, da sie regelmäßig zum Lehrgang müssen und Regeltests absolvieren. Trainer und Spieler stehen meistens noch auf dem Stand der Regeln von 1995, weil einmal Trainerschein gemacht, nie wieder Regelkunde. Beispiele: falsche Anwürfe, 0-Schritt nach eigenem Anprellen, Fußfehler, falsche Sperre am Kreis etc.

    Regelanwendung in den oberen Ligen und im Amateurbereich erfolgt nicht einheitlich, leider.

    Ich hab mir gestern Blomberg gegen Bensheim auf Eurosport angesehen. Die Torhüterin von Blomberg ist cool, ich hab noch nie eine Torhüterin mit kurzen Hosen gesehen, Krischa Hannawald lässt grüßen. Mega waren jedoch die Auszeitansprachen, dieses geile Deutsch-Englisch-Gemisch vom Blomberger Trainer hat mich an Günter Oettinger erinnert und bei der Anprache von der Bensheimer Trainerin dachte ich, ich wäre im Montessori-Kindergarten. Ist das normal in der HBF?

    Für einen Treffer im Unterleib von der Seite gegen den im Sprung befindlichen Spieler ohne Bezug zum Ball und ohne erkennbare Intention den Ball spielen zu wollen soll es keine Disqualifikation mit Bericht geben? Wow.

    Wann denn dann? Der Abwehrspieler weiß genau, wo er seine Flossen hat und er weiß auch genau, dass sie dort nichts zu suchen haben, das ist von einem BL-Spieler zu erwarten.

    Da kann es gar keine andere Entscheidung geben, denn alleine der Angriff reicht aus, es muss nicht zu einem Erfolg kommen.

    Jede Wette, wenn es den Spieler der eigenen Mannschaft getroffen hätte, wäre jeder mit der Entscheidung einverstanden gewesen.

    Arcosh

    Sowohl TW als auch SR haben natürlich erkannt, dass der Ball nicht exakt parallel zur Torauslinie Richtung Spielfeld rollte, sondern in einem Winkel, so dass der Ball ins Toraus gegangen wäre, bevor er die Torraumlinie vollständig passiert hätte. Damit hat er sich in Richtung Toraus bewegt und es war alles richtig, also eine genial antizipierte Entscheidung.

    Ich hoffe die Ironie ist erkennbar.

    und danacg interessiert es keinen mehr.

    Während des Spiels ist die Sicht des Trainers aber auch irrelevant. Es geht nur darum, die SR zu beeinflussen bzw. den Frust über die eigene Leistung abzulassen. Wenn jemand nach dem Spiel zu mir kommt, um was loszuwerden, frage ich immer als erstes, ob tatsächlich eine regeltechnische Erklärung gewünscht wird oder ob es nur darum geht, mir mitzuteilen, dass die Entscheidung falsch war. In 90 % aller Fälle ist das Gespräch nach dieser Frage beendet.

    Jetzt noch eine Regelklarstellung/änderung für wieder eine einzelne Spielsituation?

    Man ist als SR doch jetzt schon genug am überlegen, ob es für eine Spielsituation eine besondere Auslegung gibt, man guckt ja nur noch, ob eine bestimmte Situation vorliegt, die einer bestimmten Regel unterliegt. Kopftreffer TW direkt oder indirekt, Angreifer frei oder in Bedrängnis, tatsächlicher Kontakt oder Theatralik, leeres Tor oder nicht, Korridor beim Anwurf gekreuzt oder nicht, und und und...

    Durch diese ganzen kleinteiligen Regelungen wird das Spiel immer schwerer nachvollziehbar, da tut sich der Handball keinen Gefallen mit.

    Also

    a. hat man als SR meist gar keine Zeit während des laufenden Spiels irgend etwas zu erklären, dafür ist da viel zu viel Dynamik im Spiel, ich mach das immer während Unterbrechungen, das funktioniert ziemlich gut.

    b. wenn ein Trainer laufend Erklärungen haben möchte, würde ich an seiner Regelkompetenz zweifeln, das ist nur ein Mittel, um die SR zu beeinflussen, ich beschränke solche Erklärungen auf wirklich knifflige Regelsachen oder unübersichtliche Situationen, davon gibts genug.

    Auf dem Feld sind 14 aufgeregte Spieler, da hat man als SR genug zu tun, die im Auge zu behalten.

    Da gibt das Regelwerk nichts her. Hat der Angreifer etwas regelwidriges getan? Nein, er darf in den Kreis springen, um ein Tor zu werfen. Kopftreffer ist regeltechnisch verankert und der TW darf seinen Gegenspieler bei der Abwehr auch nicht gefährden, z.B. Knie anwinkeln oder mit beiden Füßen voraus in Richtung Kreisläufer, aber der Rest fällt unter sporttypisches Risiko. Solange da nichts anderes geregelt wird, ist da nix mit Strafe.

    Bislang gibts ja zu den neuen Regel"klarstellungen" noch keine Thread, daher mache ich mal einen auf.

    "Klarstellungen" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil diese zeigen, dass auf der Ebene der Regelwächter jede Menge Leute sitzen, die jede Menge Zeit haben und diese "Klarstellungen" eine einzige Katastrophe sind:

    - Kopftreffer bei direktem Freiwurf: Wird nur noch mit Rot bestraft, wenn dieser FW nach Halbzeitsignal oder Spielende ausgeführt wird. Passiert das während des Spiels, z.B. beim Versuch eines Überraschnungswurfs hat das keine Konsequenzen. Ist für mich nicht logisch, zumal eine rote Karte nach Spielende nur Sinn macht, wenn es danach noch eine Verlängerung oder ein 7m-Werfen gibt, ansonsten ist das reine Symbolik.

    - Wechselfehler: Wechselfehler ist es nur noch nach dem "2-Fuß-System", also zusätzlicher Spieler muss 2 Füsse im Feld haben oder auswechselnder Spieler 1 Fuß im Geld und einwechselnder Spieler 1 Fuß im Feld oder einwechselnder Spieler 2 Füsse außerhalb der Wechselmarke. Gehts noch? Wer soll denn das kontrollieren und bei der Dynamik des Spiels muss man sich schon sehr sicher sein.

    - Passiv erst, wenn der 5.Pass gefangen: Neue taktische Variante, der Empfänger des 4.Passes guckt und feuert den Ball dann irgendwo hin, am besten noch in die eigene Hälfte. Da gehen mindestens 5 Sekunden von der Uhr, Das ist nicht richtig zu Ende gedacht, das ist ein Nachteil für die abwehrende Mannschaft.

    - Regel 8:11 Ergänzung um 7m gem. Regel 8:9: Es gibt keinen, nicht mal theoretisch möglichen Fall, indem eine Rote Karte nach Regel 8:9 zu einem 7m führen könnte, denn bei Regel 8:9 ist entweder der Ball aus dem Spiel oder es liegt ein Vergehen der angreifenden Mannschaft vor.

    Da wird wieder das Regelwerk unnötig kompliziert, weil noch mal kleinteiliger und je nach Spielzeit und Situation unterschiedlich entschieden werden muss.

    Für den geneigten Betrachter wird das Spiel noch unübersichtlicher und als SR ist man bei jeder Situation am Überlegen, ob es dafür eine eigene Regelauslegung gibt.

    Für mich insgesamt voll daneben, Setzen Sechs!