Beiträge von Gondor

    Sehe auch Balenciaga als den großen Unterschied, insgesamt ist die gesamte Mannschaft aber viel abgezockter. Sollte Parrondo hinter diesen ganzen Neuverpflichtungen im Kern stehen und von ihm bestimmte Abgänge ebenso forciert worden sein, dann war er sich scheinbar zu jeder Zeit extrem bewusst, was fehlte und wo die Inbalancen im Team waren.

    Die Geschichte hält vielleicht auch andere Teams mal daran, einem Trainer etwas Zeit einzuräumen, um seine Idee von Handball überhaupt spielen zu können. Das dauert eben, bis man den Kader dann etwas aufgeräumt hat.

    Mein Tipp ist, dass Kühn und Pavlovic keinen neuen Vertrag bekommen werden. Pavlovic ist sicher ein überdurchschnittlicher Spieler aber leider viel zu oft verletzt gewesen. Julius ist entweder noch gehandicapt oder aber er hat sein Shooter Gen verloren.

    Sehe es auch so kommen, dass man die Verträge nicht unbedingt verlängert. Zu Kühn: Der Handball hat sich in den letzten Jahren etwas verändert, klassische Rückraumshooter sind nicht mehr so gefragt, wenn sie zugleich nicht auch extrem ballsicher und agil sind. Auch wenn man sich Ägypten unter Parrondo angeguckt hat, hat er immer auf Spielintelligenz statt brachialer Wucht im RR gesetzt.

    Ich halte das "Mittelfeld" meist ausschlaggebend. Wer dort konstant punktet (auch auswärts), kommt an die Topclubs ran. 2015/16 hat man genau da viele Hürden souverän genommen und hin und wieder auch mal einen Großen geschlagen, seitdem ist man sehr oft gegen Teams wie Leipzig, Hannover, Lemgo, Erlangen usw. baden gegangen. Der Charakter einer guten Mannschaft zeigt sich nicht dadurch, dass man in der Crunchtime gegen Flensburg oder Kiel gewinnt (so schön das auch ist), sondern wie seriös und konzentriert man z.B. in Lemgo oder in Hamburg seinen Stiefel runterspielt oder wie man mal bei einem kampfstarken Aufsteiger an nem eher schlechten Tag trotzdem die Nerven behält.

    Mein Eindruck: Mit der jetzigen Rückraumachse hast du endlich die Ruhe und Abgezocktheit, um in entscheidenden Phasen den Ball eben nicht durch technische Fehler usw. wegzuwerfen.

    Was momentan für die MT spricht ist das Fehlen interner Querelen. Auch vorher hatte man individuelle Qualität zuhauf, jetzt hat man endlich den Fokus darauf gelegt, sich auch als Einheit zu präsentieren. Sportlich ist das Resultat sofort zu sehen: Ein Spielsystem, bei dem keiner so recht ausschert und das Fehlen von Phasen, in der man vom Gegner förmlich überrannt wird. Es ist, als hätte das Team ein Rückgrat entwickelt. Scheinbar wurden auch die Kaderdiven der letzten Jahre aussortiert (dazu zählt ein Häfner aber sicher nicht!). Kompliment an Parrondo, der ein Team geformt hat, bei dem sich erster und zweiter Anzug (bis auf 1-2 Ausnahmen) komplementieren. Zum ersten Mal seit Jahren ist man nicht ausrechenbar.

    Wichtig ist, dass man jetzt realistisch ist und auf dem Teppich bleibt. Bisher war der einzige richtige Gradmesser Kiel, was die Mannschaft mit Bravour gelöst hat. Viel wichtiger als den Tabellenplatz sehe ich als Saisonziel, dass wieder Aufbruchstimmung herrscht. Ein Platz fürs internationale Geschäft wäre dann Zugabe. Ich bin in Kassel und Umgebung aufgewachsen und kenne die Mentalität dort. Die Nordhessen sind durch und durch bodenständig und wollen solide Arbeit statt zwangsläufig nur die große Show mit den großen Namen. Talenten Spielpraxis gewähren und auf Teamplayer setzen, von Spiel zu Spiel denken, wieder Fannähe aufbauen - das ist die Losung der Zeit. Bisher macht man das tadellos :respekt:

    Man muss die Entwicklung abwarten. Der Start war gut, aber die echten Gratmesser kommen erst noch. Bisher hatte man drei Heimspiele. In ein paar Wochen wissen wir schon eher, wo die Reise hingeht. In Kiel kann man ohne Druck aufspielen und sich so teuer wie möglich verkaufen.

    Drei Siege in drei Spielen - makelloser Start! Mit den Neuen scheint man fehlende Puzzleteile gefunden zu haben, auch als Team macht die MT nach außen eine gute Figur bisher. Weiter so, man reibt sich richtig die Augen. So wird der Zuschauerschnitt auch wieder nach oben klettern.

    Die immer gleichen haben hier vor Monaten immer und immer wieder darüber geschrieben, dass ein Kristopans nichts bringen wird, dass ein Sipos niemals für Kalarash hätte kommen dürfen. Vielleicht reflektiert der eine oder andere ja mal, ob es so klug ist, ständig Abgesänge auf Spieler herbeizuschreiben, BEVOR sie überhaupt bei der MT eingestiegen sind. Es ist in der Form eine Unart und vielleicht wartet mancher Schwätzer ja mal mit einem Urteil, bis man irgendwas zu beurteilen hat.

    Also ich sehe Julius Kühn da etwas differenzierter. Er ist sicherlich nicht die Art Handballer, der super grazil alles über die Technik oder Wendigkeit im 1:1 löst, aber er kann (auch nach seinen Verletzungen) auch weiterhin unfassbare Fackeln aus 9-10m abfeuern. Er braucht halt einen Spielmacher, bei dem das Timing und die Abläufe exakt stimmen und ist dann weiterhin eine absolute Waffe. Übersicht hat er ja auch ein wenig, bei ihm war sonst nur immer die Risikoabwägung das Problem. Er hatte früher so Tage, da hat er ohne Verstand geworfen und geworfen.

    Wenn du so einen in ein gutes System integrierst und ihm klar machst, wann man wirft und wann man Situationen eher spielerisch (z.B. über die Außen oder den Kreis) löst, ist er unzweifelhaft ein absoluter Gewinn für jede Mannschaft. Ein klassischer Leader ist er vielleicht nicht, aber mir ist er nie als jemand vorgekommen, der nicht trotzdem alles gibt. Da unterscheiden sich Spieler auch in ihren Naturell. Finde manche Kommentare da zu schwarz/weiß.

    Du der Jonsson hatte wohl auch nicht voll spielen können. An der linken Schulter hat er sich in HZ 1 einen abgeholt. Der Julius muss sich langsam mächtig strecken um seinen Platz auf RL nicht zu verlieren. Dann kann er die EM zuhause abschreiben.

    Bin da voll bei dir. Nur warum riskiert man, dass ein angeschlagener Jonsson noch eine Verletzung davonträgt, wenn man einen Julius auf der Bank hat? Leipzig stand kompakt, das war doch eher ein Spiel für klassische Shooter. Mir gehts halt darum, dass das für einen wie Julius Kühn demoralisierend sein kann.

    Ich wechsel mal in diesen Thread, um ein paar Eindrücke rund um das Spiel gegen Leipzig zu teilen:

    Fand es schon ziemlich krass, wie extrem Parrondo auf Balenciaga, Kristopans und Jonsson gebaut hat. Jonsson hatte im Angriff keinen guten Tag und auch die anderen beiden hätten immer mal wieder sichtlich eine Pause gebraucht. Empfand das schon als deutlichen Fingerzeig. Fast ein bisschen frech, dass dann Julius Kühn noch zum Interview kommen sollte - er stand ja gefühlt kaum mal auf der Platte. Auch Arnasson scheint deutlich nur dritte Wahl am Kreis zu sein - selbst an Tagen, denen sich Moraes kaum in Szene setzen kann. Ich weiß ja nicht, ob man das Team als Ganzes so mitnimmt.

    Es gab mal eine MT Kühn in 17/18 das ist auf Dauer auch nicht gut gegangen. Wir brauchen keine MT Kristopans.

    Genau daran hat es mich auch erinnert. Es ist und bleibt vieles noch Stückwerk und auf den Rückraum ausgelegt. Trotzdem wollen wir nicht meckern: Das Spiel hat man durch Kampf noch gewonnen, was will man mehr. Kopf hoch an Leipzig, fand die heute richtig stark - wären da nicht ein paar überhastete Aktionen gewesen.

    Das Spiel hätte fairerweise unentschieden ausgehen müssen. Wenn überhaupt fand ich Leipzig etwas stärker und strukturierter.

    Was ich ab Minute 40 überhaupt nicht verstanden habe: Warum hat Parrondo Kühn, Martinovic, Ignatow und Arnasson kaum mal gebracht? Fand die heutige erste 7 ab einem bestimmten Zeitpunkt stehend kaputt und ideenlos, warum also nicht auf die Kaderbreite zurückgreifen?

    Das hat jetzt gar nicht explizit etwas mit Darmouls Qualität zu tun, aber es wundert mich etwas, dass man sich mit Balenciaga und ihm zwei ähnliche Spielerprofile auf RM holen möchte. Pavlovics Vertrag läuft 2024 aus und durch seine extreme Verletzungsanfälligkeit kann ich mir vorstellen, dass man es dabei auch belässt.

    Kommenden Sommer laufen auf jeden Fall mehrere Verträge aus (u.a. auch von Julius Kühn). Mal schauen, wie man das Team langfristig gestalten will.

    War ein bisschen überrascht (negativ), wie wenige Zuschauer gestern da waren - ist für den Saisonstart schon ernüchternd. Da ist in den letzten Jahren viel kaputt gegangen.

    Nun hat man aber die Möglichkeit sich selbst da wieder herauszuziehen: Drei Siege zum Start gegen drei Mannschaften aus dem traditionellen Mittelfeld wären eine gute Basis und wenn man dann auch mal mit einem kämpferischen Sieg gegen einen vermeintlich "Großen" nach langer Zeit Begeisterung entfachen sollte, bekommt man die Bude auch sicher wieder voll...der Ball liegt beim Team, gestern wurde ein Anfang gemacht.

    Jonsson ist eigentlich einer der besten Transfers von Geerken gewesen. Habe hier schon mal verwundert drüber geschrieben, warum er so wenig Aufmerksamkeit genießt. Absolut kompletter Handballer: Technisch versiert, kann das Tempo gut variieren, hat ein wirklich gutes Spielverständnis und ist zudem abwehrstark und physisch robust. Für mich seit letzter Saison der Dreh- und Angelpunkt im Spiel.