Der amerikanische Traum
Eine Story wie für das Kino gemacht: die Karriere des von Will Smith verkörperten Börsen-Millionärs Chris Gardner.
Seinen Schreibtisch hat sich Chris Gardner aus dem Seitenruder einer DC-10 bauen lassen: Mehr als dreieinhalb Meter misst das Ungetüm, das keinerlei Zweifel daran lässt, wer bei dem Börsenmaklerunternehmen Gardner Rich LLC in Chicago der Chef ist.
Chris Gardner, 52, beweist der Welt gern, dass er es geschafft hat - gegen alle Wahrscheinlichkeit. Als unehelicher Sohn einer schwarzen Wohlfahrtsempfängerin wuchs er im Mittleren Westen der USA auf, seinen Vater kannte er nicht, und der Stiefvater verprügelte ihn bei jeder Gelegenheit. Doch dem fast schon vorgezeichneten Lebensweg - Gangs, Waffen, Drogen, Kriminalität, Knast - entzog sich der 18-jährige Chris, indem er zur Marine ging.
"Ich wollte nicht bloß Zahl in einer traurigen Statistik werden", sagt der hochgewachsene Mann im Maßanzug, der mit seinem wuchtig dröhnenden Bass jeden Raum beherrschen kann. Stattdessen wurde der Underdog Gardner ein millionenschwerer Unternehmer - und inzwischen auch fast ein Star: Seine unglaubliche Lebensgeschichte hat er vor Jahren zunächst in einem Fernsehbeitrag erzählt, dann in einer Autobiografie - und jetzt wurde sie mit Will Smith in der Hauptrolle verfilmt.
Anfang der Achtziger erkämpfte sich Gardner, fast wie der Film es schildert, einen Ausbildungsplatz in einer Börsenmaklerfirma. Als seine Ex-Frau eines Tages den zweijährigen Sohn bei ihm ablud, nahm er ihn auf, fest entschlossen, Chris junior ein besserer Vater zu sein, als er ihn gehabt hatte. Ein Jahr waren die beiden obdachlos, der Lohn reichte gerade für Windeln und Hortplatz.
"Selbst damals wusste ich, dass ich immer Kontrolle über mein Leben hatte", sagt Gardner. In der Tat: Heute fährt er, der 1987 seine eigene Maklerfirma gegründet hat, einen Bentley, trägt an jedem Handgelenk eine 10 000 Dollar teure Uhr, stiftet viel Geld für wohltätige Zwecke und predigt gern, dass es nicht auf Rasse und nicht auf Klasse ankommt in Amerika, sondern nur darauf, seinen eigenen Traum unbeirrt zu verfolgen.