Nachwuchs kommt früher als geplant
VfL Gummersbach erteilt Bennet Wiegert die Freigabe und bangt um Vedran Zrnic
von ANDREA KNITTER
GUMMERSBACH. Dem VfL Gummersbach gehen die Spieler aus. Nach Jörg Lützelberger, der Mitte der Ferien zum TBV Lemgo wechselte, bat nun auch Bennet Wiegert um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags. Gestern mittag unterschrieb der Linksaußenspieler einen Zweijahresvertrag beim SC Magdeburg, bei dem Verein mit der er einst in die Bundesliga kam. "Allein private Gründe sind für meinen Wechsel verantwortlich", sagt der 25-Jährige.
"Es war für beide Seiten nicht leicht"
Er habe seit Monaten familiäre Probleme und die zunächst hinten an gestellt, erklärt Wiegert weiter. Doch irgendwann habe das nicht mehr funktioniert, und er habe den VfL um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Erst als der VfL dem zugestimmt habe, sei er beim SC Magdeburg vorstellig geworden. Er sei den Gummersbachern sehr dankbar, dass sie zugestimmt hätten. "Das war sehr menschlich, was da abgelaufen ist. Einen so fairen Verein werde ich wohl nicht noch einmal finden." Der VfL habe schon um ihn gekämpft. "Es war für beide Seiten nicht leicht."
Der Abschied sei ihm sehr schwer gefallen, denn er verlasse eine wunderbare und intakte Mannschaft, so Wiegert. Auch wenn er in der vergangenen Saison nicht zu den Leistungsträgern gehört habe, sei er sehr zufrieden gewesen. "Dass es sich um eine rein persönliche Entscheidung handelt, zeigt doch auch, dass ich einen Verein verlasse, der in der Champions League spielt."
"Wir haben lange geredet und wollten, dass Bennet bei uns bleibt", bestätigt Gummersbachs Geschäftsführer Sport, Francois-Xavier Houlet. Und Trainer Alfred Gislason sagt: "Dass Bennet gehen will, ist schade. Er ist ein guter Junge mit dem wir gerne weiter geplant hätten." So war er bei Trainingsbeginn vor zwei Wochen schon sehr überrascht, dass Wiegert um die Vertragsauflösung bat. "Dabei hatte ich auf eine gute Saison für ihn gehofft."
Durch den Weggang von Bennet Wiegert erhält mit Robin Teppich nach Torwart Stanislaw Gorobtschuk ein weiterer Spieler aus der Handballakademie des VfL Gummersbach eine Chance. Teppich soll langfristig als Perspektivspieler hinter Gudjon Valur Sigurdsson aufgebaut werden. Genauso habe er auch einmal angefangen, gibt Wiegert seinem 18-jährigen Nachfolger mit auf den Weg. "Wir werden auf die Schnelle keinen neuen Spieler für die Linksaußenposition verpflichten", sagt Gislason.
Linksaußen ist aber nicht die einzige unerwartete "Baustelle" vor der der Trainer steht: Denn mit Vedran Zrnic droht einer der Leistungsträger auszufallen. "Wir warten auf die Diagnose", sagt Gislason. Nach Beginn der Saisonvorbereitung waren bei Zrnic erneut die Schmerzen im Unterschenkel aufgetreten, ein Problem, mit dem der Rechtsaußen schon die gesamte Rückrunde zu kämpfen hatte. "Wenn er operiert werden muss, dann soll das sofort geschehen", so Gislason.
Kevin Jahn fiel ins kalte Wasser
Dazu kam der Wechsel von Jörg Lützelberger, durch den Neuzugang Kevin Jahn "ins kalte Wasser geworfen" wird. Denn eigentlich hatte sein Trainer erst im nächsten Jahr fest mit ihm geplant, solange sollte der Kreisläufer mit dem Leichlinger TV in der Regionalliga antreten. Jetzt fährt Gislason gleich mit drei Jugendlichen ins Trainingslager. Neben Robin Teppich sind das Rechtsaußen Adrian Rother und Rückraumspieler Ole Rahmel. "Wir müssen den Jungs ein bisschen Zeit lassen, zwar haben sie bereits Trainingseinheiten mit uns absolviert, doch ab sofort gleich zweimal am Tag mit uns zu trainieren, daran müssen sie sich schon gewöhnen." Im Gegensatz zu Jahn und Gorobtschuk werden sie aber nicht in Leichlingen spielen, sondern weiter für die VfL-Reserve.
Dass es so schnell gehen würde, dass seine Jungs von der Bundesliga gefordert würden, daran hätte Akademie-Leiter Axel Renner nicht gedacht: "Wir haben mit fünf bis acht Jahren gerechnet, jetzt geht nach zwei." Bei Robin Teppich sei es die logische Konsequenz der Entwicklung, die er in den letzten beiden Jahren genommen habe. In der vergangenen Saison sei er maßgeblich am Aufstieg der VfL-Reserve in die Verbandsliga beteiligt gewesen. "Ich bin sehr optimistisch, dass er die Erwartungen erfüllt."
Trotz der unerwarteten Wendungen und des Wechsels von Daniel Narcisse bleibt Alfred Gislason "Berufsoptimist" und gibt als Saisonziel den erneuten Einzug des VfL in die Champions League aus. Seit gestern trainiert die Mannschaft auch wieder in der Halle und freut sich auf das erste lockere Freundschaftsspiel, das am Mittwoch in Hemer gegen den westfälischen Landesligisten HTV Sundwig/Hemer stattfindet.
(Quelle:OVZ-Print vom31.07.2007)