Uwe Schwenker im Interview
Uwe Schwenker war richtig sauer. Am Wochenende verletzte sich sein Spieler Nikola Karabatic beim erfolgreichen Champions-League-Auftritt des THW Kiel in Montpellier (34:32) so schwer, dass er gleich für einige Wochen ausfallen wird. Das Üble daran: Kiels Manager vermutet, dass das Foul mit Vorsatz begangen worden sein könnte. HBL-Mitarbeiter Arnulf Beckmann unterhielt sich mit ihm.
Frage: Der Auftaktsieg in der Champions League in Montpellier war teuer erkauft. Zu teuer?
Uwe Schwenker: "Absolut zu teuer. Es war schon vorher klar, dass die Franzosen mit der entsprechenden Härte zu Wege gehen würden. Kein Wunder, dass es acht Jahre keine Mannschaft im Europacup gab, die dort gewinnen konnte. Im Nachhinein wäre es mir lieber gewesen – auch in Anbetracht der noch jungen Saison – wir hätten verloren und wären mit einer gesunden Mannschaft zurückgekehrt."
Frage: Wie geht es Ihrem Spieler Nikola Karabatic denn?
Uwe Schwenker: "Nicht so gut natürlich. Die Diagnose offenbarte zwar ein wenig Glück in dem ganzen Unglück. Doch auch diese isolierte Schulter-Eckgelenksverletzung, bei der auch die Bänder in Mitleidenschaft gezogen wurden und bei der Einblutungen im Muskel festgestellt wurden, wird Nikola sicher für einige Wochen aus dem Verkehr ziehen."
Frage: Nehmen Sie das Foul seinem Gegenspieler, dem Tunesier Issam Tej, richtig übel? Immerhin sah das verdächtig nach Absicht aus.
Uwe Schwenker: "Es gab schon im Vorfeld ein paar Merkwürdigkeiten. Der Trainer von Montpellier hatte die Bilder unserer Franzosen in der Kabine – von Zielscheiben hinterlegt – an die Wand hängen lassen. So etwas will ich nicht verstehen. Da muss sich doch ein Coach seiner Verantwortung bewusst sein."
Frage: War das Foul Absicht?
Uwe Schwenker: "Sagen wir es so: Tej hat es billigend in Kauf genommen, dass sich Karabatic schwer verletzt. Nikola war im Sprung und kam durch die absichtliche Berührung in eine instabile Lage. Und dann hast du beim Fallen plötzlich einfach keine Kontrolle mehr. Es gab aber auch noch ein paar andere Merkwürdigkeiten: Angeblich hatte Montpellier in der Halle keine Schulterschlinge zum Stabilisieren des verletzten Gelenks. Erst Anquetil, ein ehemaliger Vereinskollege, sorgte später dafür, dass Nikola entsprechend versorgt werden konnte."
Frage: Wie hat Karabatic darauf reagiert? Immerhin hat er einige Jahre für Montpellier gespielt.
Uwe Schwenker: "Karabatic war völlig geschockt. Der verstand die Welt nicht mehr. Er war sich auch sicher, dass das Foul mit voller Absicht begangen wurde."
Frage: Nach Filip Jicha und Christian Zeitz fällt nun bereits der dritte Stammspieler aus. Droht der THW, seine Dominanz einzubüßen?
Uwe Schwenker: "In der Champions League – da bin ich sicher – werden wir die nächste Runde erreichen. Aber was in der Liga wird, weiß ich noch nicht. Wir spielen am Mittwoch in Gummersbach und in vier Wochen in Hamburg. Da werden uns Jicha und Karabatic ganz sicher noch fehlen."
Frage: Nach der Niederlage in Flensburg finden sich die Zebras erst einmal in der Verfolgerrolle wieder. Möglicherweise sind Sie gar nicht so unglücklich darüber.
Uwe Schwenker: "In Flensburg kann man durchaus ein Spiel verlieren. Aber wir haben bei den Rhein-Neckar Löwen gewonnen, wo andere ganz sicher noch Punkte lassen werden. Von daher ist bis heute alles im grünen Bereich."
Frage: Doch eine weitere Niederlage in Gummersbach am heutigen Abend können Sie sich allerdings nicht mehr erlauben, oder?
Uwe Schwenker: "Das werden wir sehen. Es wird sicherlich sehr schwer, ohne unsere drei Stammkräfte dort zu bestehen."
Frage: Darf man denn mit einer Aktion a la Tschepkin rechnen, den Sie in der vergangenen Saison in größter Personalnot als Aushilfe verpflichteten?
Uwe Schwenker: "Warten wir doch einfach ab, welche Mannschaft am Mittwochabend in Köln auflaufen wird."
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann.
(Quelle:http://www.toyota-handball-bundesliga.de)