Asiatische Olympia-Quali war manipuliert
19.11.2007
Im Korruptionsskandal, der seit Monaten den Welthandball in seinen Grundfesten erschüttert, hat sich erstmals die in Basel ansässige Internationale Handball-Föderation (IHF) zu Wort gemeldet - und dabei eingeräumt, dass die asiatische Olympia-Qualifikation, die Anfang September im japanischen Toyota-Stadt ausgetragen wurde, manipuliert worden ist.
Im NDR-Fernsehen versicherte der Generalsekretär der IHF, Peter Mühlematter, er werde alles tun, um das Qualifikationsturnier unter regulären Bedingungen wiederholen zu lassen. "Wir wollen im Handball faire Qualifikationen haben. Ich setze mich dafür ein, dass das geklärt wird", versprach der Schweizer Handballfunktionär in der Sendung "Sportclub", die Ausschnitte des Skandalsspiels zwischen Kuwait und Südkorea (28:20) zeigte. Mühlematter gehört als Generalsekretär auch der IHF-Exekutive an, dem zweithöchsten Gremium des Weltverbandes. "Wehret den Anfängen, der Verband ist jetzt gefragt."
In der betreffenden Partie hatten die beiden jordanischen Schiedsrichter Alshobali/Hirzallach den hohen Favoriten Südkorea, der mit vier Profis aus der Schweiz und Deutschland angetreten war, mit zahlreichen Fehlentscheidungen krass benachteiligt - und so Kuwait das Ticket für die Olympischen Spiele 2008 in Peking zugeschanzt. "Sogar der THW Kiel hätte bei diesen Entscheidungen verloren", klagte danach der südkoreanische Profi Chi-Hyo Cho (Balingen). Hintergrund sind schon traditionelle finstere Machenschaften im Asiatischen Handballverband (AHF), der präsidiert wird vom kuwaitischen Ölminister Scheich Ahmad El-Fahad Al-Sabah.
Die AHF hatte kurz vor Anpfiff dafür gesorgt, dass nicht, wie von der IHF schriftlich angekündigt, die eigens nach Japan angereisten deutschen Spitzenschiedsrichter Lemme/Ullrich das delikate Spiel leiteten, sondern die Jordanier. "Wir sind nicht mal sicher, ob die Schiedsrichter IHF-Status hatten", erklärte Mühlematter dem NDR. Nach Informationen der HANDBALLWOCHE besaßen die Jordanier, die sich anschließend krank meldeten, diesen nötigen Status nicht; schon deshalb verlief das Spiel irregulär. HSV-Star Kyung-Shin Yoon hatte schon vor Anpfiff ein mulmiges Gefühl: "Vor dem Spiel sind unsere Fingernägel kontrolliert worden, das war komisch. Ich dachte, die wollen uns einschüchtern."
Die beiden deutschen Schiedsrichter, die dem Spiel als Augenzeuge verfolgten, bestätigten im NDR-Fernsehen ebenfalls die Schiebung, die auch IHF-Supervisor Alexander Kozhukow schwer in Rage gebracht hatte; der Russe drohte mehrfach mit Abbruch. "Es war beschämend zu sehen, aber wir konnten nichts machen, sondern nur zusehen", sagte Frank Lemme, der mit seinem Partner Bernd Ullrich 2005 das WM-Finale geleitet hatte und zu den besten Schiedsrichtern der Welt zählt.
Freilich gehört Korruption schon seit Jahren zum Alltag in einigen Kontinentalverbänden. 2003, als in Angola das Olympiaticket für Athen vergeben wurde, gab es von der IHF bestätigte Fälle von Schiedsrichterbestechung. Und auch bei den asiatischen Qualifikationen für die WM 2003 in Portugal und die WM 2007 waren der IHF derartige Manipulationen bekannt geworden. Bislang ohne Folgen. Der ägyptische IHF-Präsident Hassan Moustafa soll alle Bemühungen innerhalb der IHF, die Korruption energisch zu ahnden, im Keim erstickt haben. Moustafa gilt als enger Verbündeter der arabischen Handballfunktionäre, die mit ihren unerschöpflichen Petro-Dollars über einen enormen Einfluss in der internationalen Handballszene verfügen.
Nun gerät IHF-Chef Moustafa schwer unter Druck. Nach Informationen der HANDBALLWOCHE nämlich liegt das Video mit dem Skandalspiel dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne bereits vor- und mehrere hochrangige IOC-Funktionäre haben sofortige Konsequenzen aus den Vorgängen gefordert. "Wir beobachten, was im Handball passiert", warnte bereits der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Der olympische Status der Sportart, der eminent wichtig ist für den Handball (bis London 2012 ist dieser Status indes gesichert), steht in Lausanne bereits in Rede.
Wichtige deutsche Funktionäre unterstützen das IOC beim Kampf gegen die Korruption. Von "mafiösen Strukturen" bei der IHF hatte bereits vor Wochen Balingens Manager Günter Kirschbaum gesprochen. "Das ist eine Riesensauerei, was in Japan passiert ist. Ich finde es gut, wenn das IOC endlich eingreift. Es geht hier schließlich um sauberen Sport", sagt Uwe Schwenker, Manager des Champions League-Siegers THW Kiel. Der Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, Fynn Holpert, wird noch deutlicher: "Wir werden nur ein globaler Sport, wenn wir nach fairen Regeln spielen. Deshalb bin ich froh, dass es mit dem IOC einen großen Ankläger gibt. Das sind Drohgebärden, die wir unbedingt brauchen."
Autor: Erik Egger
(Quelle:http://www.handballwoche.de)