Studie zeigt: Multifunktionshalle in Gummersbach ist machbar - aber nur bei professionellem Management
(bv/11.12.2007-12:55) Von Bernd Vorländer
Gummersbach - Seit drei Jahren liegt eine Diplomarbeit der Fachhochschule vor, die sich intensiv mit den Realisierungschancen eines Hallenbaus befasst.
René Manz ist Handball-Fan - und Wirtschaftsinformatiker. Schon lange, bevor sich Gummersbacher Stadtspitze, Politik und Vereinsmanagement um eine neue Halle auf dem Steinmüller-Areal bemühten, hat sich der Absolvent der Fachhochschule intensiv mit der Thematik befasst. Auf über 70 Seiten seiner Diplomarbeit aus dem Jahr 2004 ist nachzulesen, dass eine Halle im Herzen der Kreisstadt absolut machbar ist - wenn bestimmte Grundsätze beachtet werden. Auch der Stadt, dem Kreis sowie dem VfL Gummersbach liegt die Arbeit, die seinerzeit mit dem Kienbaum-Förderpreis ausgezeichnet wurde, seit Jahren vor. „Doch bei mir hat sich nie jemand gemeldet“, klingt Manz enttäuscht. Wo die Gummersbacher Stadtverwaltung derzeit noch eine Expertise des Jahres 2007 unter Verschluss hält, in der die Möglichkeiten einer Finanzierung des Hallenbaus beleuchtet werden, hätte ein Blick in die Arbeit des Wirtschaftsinformatikers genügt, um manche Frage zu beantworten.
Manz hält eine Verengung bei der Planung auf eine reine Sportstätte für nicht besonders klug. Dies sei für private Investoren nicht interessant, und bei den späteren Betriebskosten der Halle komme man nicht annähernd in den Bereich einer „Schwarzen Null“, da es nur rund 25 zuschauerträchtige Veranstaltungen im Jahr gebe. Der FH-Absolvent hat in seiner Arbeit drei Hallen-Varianten untersucht und kommt zu dem Schluss, dass sich auch die mit zwölf Millionen Euro teuerste Alternative als Multifunktionshalle für 4.000 bis 5.000 Zuschauer rechnet. „Mit einer neuen Halle könnten viele größere Veranstaltungen der Region nach Gummersbach gelockt werden“, ist Manz überzeugt. Von Parteitagen über Messen bis zu Sammlermärkten sei vieles denkbar.
Die Erstellungskosten der Halle sieht Manz nicht als das eigentliche Problem an. Zum einen seien Zuschüsse im Rahmen der Landesförderung für bedeutende überregionale Sportstätten - auch bei einem Handball-Landesleistungsstützpunkt - denkbar. Zum anderen gebe es die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit der Fachhochschule. Dies habe zwei Vorteile. Die Studenten benötigten in der Nähe Hallenzeiten, um selbst Sport treiben zu können, und schließlich gebe es in diesem Fall auch Bundesmittel des Wissenschaftsministeriums von bis zu 40 Prozent der Gesamtinvestitionen.
Entscheidend für das Wohl und Wehe einer Multifunktionshalle seien jedoch die Betriebskosten. Rund 60 Veranstaltungen im Jahr sieht Manz als ausreichend an, um die Halle Kosten deckend zu betreiben. „Der entscheidende Faktor ist dabei das Managementgeschick. Dessen Qualität bestimmt die endgültigen Baukosten und die späteren Betriebskosten“, glaubt der Verfasser der Diplomarbeit. Nur hohe Kompetenz und Professionalität der handelnden Akteure könnten attraktive Veranstaltungen in die Kreisstadt holen, Kosten durchleuchten und auf ein Minimum senken, und alle verfügbaren Einnahmequellen nutzen, empfiehlt Manz den Stadtvätern bei der Auswahl des Managements größte Sorgfalt walten zu lassen.
(Quelle:http://www.oberberg-aktuell.de)