Ziel: Pokalgewinn und neue VfL-Halle
Marc Schroeder wurde als Mitglied des Business-Clubs in den Aufsichtsrat des VfL berufen
Seit der neuen Saison gehört Marc Schroeder als Vertreter des Business-Clubs dem Aufsichtsrat des VfL Gummersbach an. Mit dem Unternehmer aus Mittelagger sprach Andrea Knitter.
Wie kam es zu Ihrem Engagement bei den Bundesliga-Handballern?
Als gebürtiger Gummersbacher bin ich langjähriger Fan und Dauerkarteninhaber. Vor drei oder vier Jahren wurde ich dann von VfL-Geschäftsführer Stefan Hecker für den Business-Club geworben, den es damals seit einem Jahr gab.
Im Laufe der Jahre hat der Business-Club immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Ja, mittlerweile haben wir rund 150 Mitglieder, die insgesamt 1,5 Millionen Euro aufbringen und damit ein Drittel des Etats stellen. Daher kam wohl auch die Idee, dass jemand die Interessen des Business-Clubs im Aufsichtsrat vertritt. Nach Vorgesprächen hat mich Jochen Kienbaum als Kandidat vorgeschlagen.
Wie hat sich denn der Zusammenhalt im Business-Club entwickelt? Zu Beginn gab es immer wieder Kritik, dass für die Unternehmer keine Möglichkeit zum Austausch gab.
Mittlerweile gibt es einen Stammtisch. Zum letzten Treffen für die Unternehmer gab es über 100 Zusagen. Den Stammtisch organisiere ich zusammen mit Jürgen Berg, Werner Lettgen, Andreas Linneboden und Christian Canisius. Anwesend sind auch Funktionäre oder Spieler des VfL Gummersbach. Abgelehnt haben wir dagegen die Anfrage eines Unternehmens, das sich an einem solchen Abend präsentieren wollte. Der Stammtisch soll keine Werbeveranstaltung sein, sondern dem Austausch der Unternehmer dienen.
Es sind ganz unterschiedliche Unternehmen, die den VfL unterstützen.
Ja. Vom Einzelunternehmer bis zum großen, mittelständischen Unternehmen ist alles vertreten. Das finanzielle Engagement reicht von knapp 4000 bis 60 000 Euro. Wir brauchen jeden einzelnen. Außerdem würde ich es begrüßen, wenn noch mehr Premiumsponsoren aus Oberberg wie die Firmen Bohle oder Voss sich engagieren würden.
Im Business-Club sind in der Mehrheit oberbergische Unternehmen. Wie stehen die denn zum Umzug in die Kölnarena?
Grundsätzlich würden die meisten oberbergischen Unternehmer Gummersbach als Austragungsort bevorzugen. Die Eugen-Haas-Halle kann für Business-Partner aber keine angemessene Plattform mehr bieten. Die Kölnarena bietet da ein ganz anderes Ambiente und auch Platzangebote ganz andere Plattform. Als Gummersbacher hoffe ich natürlich, dass der VfL hier eine neue Halle bekommt.
Wie groß schätzen Sie denn die Chancen für eine Halle ein?
Es wird schwierig, in Gummersbach eine neue Halle zu realisieren. Angedacht ist, dass der VfL mit der Wirtschaft zusammen bis zu 3 Millionen Euro aufbringt, um damit dann auf die Stadt und das Land zuzugehen. Dazu werden im Moment Konzepte ausgearbeitet, wie sich die Unternehmen beteiligen können. Eine Überlegung war beispielsweise, über den langfristigen Verkauf von Business-Seats Mittel zu sichern.
Sie nutzen die Kölnarena als Plattform, da kann es Sie nicht glücklich machen, dass im Moment viele Plätze leer bleiben.
Nein. Keiner ist glücklich, dass die Halle teilweise nur zu 30 Prozent belegt ist. Wir haben im Aufsichtsrat aber auch die klare Entscheidung gefällt, keine Freitickets mehr zu verteilen. Natürlich laden wir auch weiterhin Schulklassen oder Handballvereine ein. Dass aber allein in Gummersbach bis 3000 Tickets verschenkt wurden, die man anschließend bei Ebay kaufen konnte, oder die einem von Schwarzhändlern vor der Arena angeboten wurden, das wird es nicht mehr geben. Es war sicher sinnvoll, in den ersten Jahren mit Freikarten zu werben, heute geht es aber auch um den Schutz der Besucher, die regulär für ihre Ticket bezahlen.
Im Aufsichtsrat hat es einige Veränderungen gegeben.
Ja, der Aufsichtsrat wurde von bisher vier auf sieben Mitglieder aufgestockt, und mit Claus Horstmann haben wir einen erfahrenen Profi an der Spitze. In den vergangenen Monaten ist es uns gelungen, mit der Firma Moeller als Hauptsponsor und neuen Premiumsponsoren den Verein wieder auf eine solide Basis zu stellen. Nur für die Verlängerung des Vertrags von Gudjon Valur Sigurdsson hat es nicht gereicht. Da können wir mit Vereinen wie Kronau oder Hamburg, die einen Großsponsor im Rücken haben, nicht mithalten. Dennoch sind wir optimistisch, schon zur neuen Saison eine starke Mannschaft präsentieren zu können.
Was wollen Sie ändern, damit wieder mehr Zuschauer in die Kölnarena kommen?
Wir planen ab der neuen Saison mit einem professionellen Vermarkter zusammen zu arbeiten, der neue Werbekonzepte entwickeln soll.
Weil die Kölnarena besetzt ist, weichen Sie mit dem Champions-League-Spiel gegen Montpellier im März sogar wieder in die Eugen-Haas-Halle aus.
Und da hoffen wir auf viele Zuschauer. Immerhin geht es auch darum zu zeigen, dass wir in Gummersbach eine neue Halle wollen. Sportlich wird es ein interessantes Spiel, weil die Gruppe sicher noch nicht entschieden sein wird, denn das Rückspiel bei den favorisierten Spaniern von Ciudad Real findet erst danach statt.
Sie sind für fünf Jahre gewählt. Was wünschen Sie sich für diese Zeit?
Dass der VfL wieder einmal einen Pokal hochhält, wäre schon schön. Ich denke, die Qualifikation für die Teilnahme am EHF-Pokal ist ein realistisches Ziel. Auch in der Champions League ist noch alles drin. Auch wenn das Losglück bisher selten auf unserer Seite war.
Und was haben Sie sich organisatorisch vorgenommen?
Der VfL könnte sich noch anders in der Öffentlichkeit präsentieren als in der Vergangenheit. Was die Bewerbung der Spiele oder die Vermarktung der Partien angeht, gibt es noch Potenzial. Die Füchse Berlin haben beispielsweise Karten für ein Spiel über eine Supermarktkette angeboten und haben damit 12 000 Zuschauer angezogen.
Wo spielt der VfL in fünf Jahren?
Die Topspiele finden in Köln statt, die anderen Partien in einer neuen Halle in Gummersbach.
Zurück in die Gegenwart: Sie planen ein Benefizspiel für ein tödlich verunglücktes Business-Mitglied?
In der Vorbereitung auf die neue Saison planen wir ein Benefizspiel, dessen Erlös an die Familie von Florian Benjamino gehen soll. Als Gegner ist TuSEM Essen im Gespräch.
(Quelle:OVZ-Print vom 02.02.2008)