"Haben zu wenig für die Werbung getan"
Geschäftsführer Stefan Hecker über Veränderungen, die die Zuschauerzahlen steigern sollen
Auch wenn der Einzug in den EHF-Pokal versöhnlich stimmte, zufrieden war keiner beim VfL Gummersbach. Was sich ändert, darüber sprach Andrea Knitter mit Geschäftsführer Stefan Hecker.
Was für ein Resümee ziehen Sie für die abgelaufene Saison?
Die Saison ist nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Das lag auf der einen Seite am katastrophalen Spielplan, auf der anderen Seite am Verletzungspech. Beides haben wir wie einen Rattenschwanz durch die gesamte Saison hinter uns hergezogen.
Haben Sie geglaubt, dass der Umzug in die Kölnarena ein Selbstläufer wird?
Wir haben sicher viel zu wenig für die Werbung getan. Außerdem wurden keine Karten mehr verschenkt, sondern nur noch verkauft. Und die vielen Mittwochspiele trugen auch nicht unbedingt dazu bei, dass die Zuschauer kamen.
Was wird sich in der kommenden Saison ändern?
Wir werden deutlich mehr werben. Ströer-Stadtwerbung wird uns bei drei Aktionen wie vor dem letzten Saisonspiel gegen den SC Magdeburg wieder Werbetafeln zur Verfügung stellen. Der Vorstandsvorsitzende Udo Müller ist ein Ex-Spieler der Füchse Berlin. Wir werden vor der Saison flächendeckend auf Plakaten vertreten sein ebenso während der WM-Pause und vor den letzten Spielen. Dazu werden wir wie der FC und die Haie ein eigenes Magazin auf den Kölner Fernsehsender Center TV bekommen. Hinzu kommt der neue Spielplan mit nur noch drei Mittwochsspielen, von denen zwei gegen Hamburg und Flensburg sind. Außerdem überlegen wir, Spiele am Freitagabend stattfinden zu lassen.
Wie lange läuft der Vertrag mit der Kölnarena noch?
Noch ein Jahr. Und in dieser Zeit wollen wir die Zuschauerzahlen deutlich steigern. Darin sehen wir das größte Potential. Die Ideallösung bleibt, eine Halle in Gummersbach und die Topspiele in Köln. Ich glaube, wir sind auf einem richtigen Weg. Vor einigen Tagen haben wir wieder zusammen gesessen. Die Stadt und der VfL Gummersbach sitzen im selben Boot, und es gibt in Gummersbach mittlerweile Unternehmer, die sich den Bau der Halle auf die Fahne geschrieben haben.
Wie hat sich bisher die Zusammenarbeit mit dem Sportvermarkter IMG ausgezahlt?
Wir sind der erste Handballverein, der mit IMG zusammenarbeitet und die Zusammenarbeit ist absolut top. Die Art der Präsentation ist einfach klasse, das erlebe ich immer wieder in den Gesprächen mit Sponsoren. Mit der vollen Belegschaft wird IMG aber erst nach der Fußball-Europameisterschaft arbeiten. Auch dieses Ergebnis wird von IMG betreut.
Wird es in der neuen Saison wieder ein Rahmenprogramm in der Kölnarena geben?
Wir werden sicher neue Wege gehen. Wir wollen das Programm rund ums Spiel attraktiver machen, da lief ja zum Schluss so gut wie gar nichts mehr.
Steht die Mannschaft für die kommende Saison oder wird es noch Veränderungen geben?
Nein, die Verpflichtungen sind abgeschlossen.
Wie schwer wiegt der Wechsel von Gudjon Valur Sigurdsson, der in Gummersbach ein Pubikumsliebling war?
Der Weggang ist natürlich schade, gerade für mich, der ihn damals aus Essen geholt hat. Letztendlich haben wir für ihn aber auch eine gute Ablösesumme bekommen. Sportlich wird ihn Audrey Tuzolana aber halbwegs ersetzen. An Typen haben wir ja auch noch Roman Pungartnik oder Momir Ilic, dazu kommen Viktor Szilagyi und Drago Vukovic. Wir sind eben wirtschaftlich noch nicht so weit, uns einen Glandorf oder Heinevetter leisten zu können.
Dazu kam die schallende Ohrfeige der Handball-Bundesliga die schallende Ohrfeige, dass der VfL die Lizenz nur unter der Erfüllung einer Bedingung bekommt. Was vermuten Sie hinter dieser offene Drohung?
Das ist aus unserer Sicht sehr unglücklich gelaufen. Es geht um Dinge aus der Vergangenheit. Warum die HBL so drastisch reagierte, ist mir nicht ganz klar. Es ist wichtig, dass die Vereine vernünftig wirtschaften und das tun wir auch. Wir haben in dieser Saison schwarze Zahlen geschrieben und werden auch die Bedingungen der HBL erfüllen. Das ist kein Thema.
Mitte letzter Saison hatten Sie die Kündigung schon unterschrieben. Warum hat sich das Bleiben gelohnt?
Ich hänge sehr am VfL. Dazu kam die Verpflichtung von Claus Horstmann als Aufsichtsratsvorsitzender, der ungeheure Professionalität in den VfL gebracht hat. Daraufhin hat Alfred Gislason seinen Vertrag frühzeitig verlängert. Beides war extrem wichtig.
Wie wird der VfL die nächste Saison beenden?
Besser als in diesem Jahr.
(Quelle:OVZ-Printausgabe vom 29.05.2008)