Ich möchte große Ziele erreichen
Ein erster Ausblick auf die neue Saison mit dem neuen VfL-Trainer Sead Hasanefendic
Sead Hasanefendic ist als Trainer zum VfL Gummersbach zurückgekehrt. Über seine Erwartungen und Ziele sprach er mit Andrea Knitter.
Kam die Anfrage des VfL überraschend für Sie?
Oh ja. Ich war zu einem Kurzurlaub in Kroatien als der Anruf kam. Ich hatte nicht erwartet, dass sich das Trainerkarussell in dieser Form dreht.
Sie haben anschließend aber schnell ihre Zusage gegeben?
Ja, denn wer weiß, ob ich in ein oder zwei Jahren noch einmal ein solches Angebot bekommen hätte. Es war ja nicht so, dass ich Arbeit gesucht hätte. Als Nationaltrainer stand ich mit Tunesien in der WM-Vorbereitung.
Haben Sie denn die ganze Zeit Kontakt mit dem VfL gehabt?
Ich bin ja immer in Gummersbach wohnen geblieben. Und habe alleine schon aus Sympathie Kontakt zum VfL gehalten. Ich hatte Kontakt zu Zouzou Houlet und auch zu Stefan Hecker. Es hat sich ja in der Spitze einiges verändert, seitdem ich Trainer war.
Sie waren zwei Jahre Trainer des VfL, bevor Sie sich in beiderseitigem Einvernehmen getrennt haben. Was hat sich in dieser Zeit in der Bundesliga verändert?
Das lässt sich vor allem am HSV Hamburg festmachen. Der war damals ein Verein unter vielen und gehört heute zur Spitze. Heute gibt es viele Vereine mit großen Wünschen. Dazu gehören Kronau und Flensburg ebenso wie Magdeburg oder Nordhorn, das sich durch den Europapokalsieg neu profiliert hat. Die Spitze ist sehr stark und gut besetzt.
Wo rangiert da der VfL Gummersbach?
Auch der VfL hat Wünsche und die liegen sicher nicht bei Platz sechs, sondern gehen in Richtung Champions League. Es gibt viel zu tun. Dabei kann sich Gummersbach nicht den Weg von Kiel leisten, sondern muss neue Wege gehen. Und da kommt auch die Handball- Akademie ins Spiel.
Haben Sie deren Arbeit in den letzten drei Jahren verfolgt?
Ja, ich war bei einigen Spielen und habe anschließend auch mit den Trainern gesprochen. Mit Jochen Kienbaum hatte ich sehr oft Kontakt. Die Gründung der Handball-Akademie war für den VfL Gummersbach schon nötig.
Sie fangen beim VfL jetzt mit einer ganzen Reihe neuer Spieler an, ist das ein Vorteil?
In den letzten Jahren gab es viele Wechsel beim VfL, und ich glaube, dass man nun erkannt hat, dass es Kontinuität braucht. Stellen Sie sich einfach mal vor, wo Gummersbach mit Yoon, Narcisse und Sigurdsson heute stehen würde. In vielen Vereinen weiß man heute, dass es wichtig ist, langfristig zu planen.
Wie lange gilt Ihr Vertrag?
Ich habe für zwei Jahre unterschrieben, kann mir aber auch vorstellen, länger beim VfL zu bleiben.
Wie schätzen Sie denn die jetzige Mannschaft und vor allem die neuen Spieler ein?
Ich kenne alle Spieler, und der VfL ist gut besetzt. Auf der halbrechten Seite stehen Alvanos und Pfahl, dazu kommt im mit Vukovic ein sehr guter Spieler, ebenso wie Szilagyi. Und auch von Audrey Tuzolana, der auf Linksaußen für Sigurdsson gekommen ist, halte ich sehr viel.
Ist denn noch Geld von der Ablösesumme für Alfred Gislason übrig für neue Spieler?
Nein, ich denke der Kader steht fest.
Was sind Ihre Ziele in der neuen Saison?
Wir werden im EHF-Pokal angreifen, denn ich möchte große Ziele erreichen.
Wann starten Sie in die Saisonvorbereitung?
Wir werden uns am 17. Juli treffen, um dann einen Tag später die ersten Leistungstests an der Sporthochschule in Köln durchzuführen. Anschließend geht es in die Vorbereitung.
Beim Start werden nicht alle Spieler dabei sein, sondern einige mit ihren Teams bei Olympia spielen.
Sicher ist das nur bei Robert Gunnarsson, während Ge- offroy Kranz und Drago Vukovic noch nicht fest zum Kader ihrer Teams gehören. Bei Vedran Zrnic glaube ich nicht, dass er spielt. Es wäre ein zu großes Risiko, da er ja fit für die Saison sein möchte. Wer fehlt, den werde ich mit jungen Spielern aus der Handballakademie ersetzen.
Dann wünsche ich Ihnen noch weiterhin einen schönen Urlaub.
Den brauche ich auch, denn jetzt kommt ja einiges auf mich zu.
(Aus OVZ-Printausgabe vom 03.07.2008)