Ein treffender Kommentar in der Kölnischen Rundschau vom 26.01.2011:
KOMMENTAR
Charakterlos
von JOACHIM SCHMIDT zum Debakel der Handballer
Fassungslosigkeit, wohin man schaute bei der deutschen
Handball-Nationalmannschaft. Angetreten mit dem Ziel, ins Halbfinale
einzuziehen und um die WM-Medaillen zu spielen, finden sich die
Weltmeister von vor vier Jahren jetzt in der Bedeutungslosigkeit einer
zweistelligen Endplatzierung wieder.
Eine Charakterfrage? Tatsache ist, dass die vermeintlichen
Führungsspieler diesem Anspruch nicht gerecht geworden sind. In
Gesprächen vor und nach den Spielen leierten sie meist wie einstudiert
Allgemeinplätze herunter. Nach Erfolgen hatten sie den Teamgeist
gefunden, nach Niederlagen ihn mit zerknirschten Mienen eingefordert.
Leidtun konnte einem - neben den meist starken Torhütern, die
gestern allerdings von ihren desolat agierenden Vorderleuten mit in den
Abwärtssog gezogen wurden - nur einer: Heiner Brand. Der Bundestrainer
stand am Ende konsterniert an der Seitenlinie, nachdem er lange Zeit
wort- und gestenreich versucht hatte, seine Spieler aus ihrer
Schwerfälligkeit aufzurütteln.
Die Enden des buschigen Schnäuzers der Gummersbacher
Handballinstitution hingen gefühlt noch tiefer als auf Halbmast, als er
gestand, dass dies das Negativerlebnis schlechthin seiner 14-jährigen
Bundestrainerkarriere sei. Konsequenzen, also vorzeitig aus dem Vertrag,
den er 2013 ohnehin nicht verlängern wollte, auszusteigen, sind seit
gestern denkbar. Es wäre nur allzu verständlich, würde er den Bettel
hinschmeißen.
Denn die Spieler, vor die sich Heiner Brand stets schützend gestellt
hatte, und die er selbst in seiner sportlich schwersten Stunde nicht
abstrafte, ließen ihn sträflich im Stich. Sie sollten sich öffentlich
bei ihrem Trainer entschuldigen, ihn so im Regen stehen gelassen und den
deutschen Handball in Misskredit gebracht zu haben. Alles andere wäre
charakterlos.