Wallau passt den Etat an
Noch kein Angebot für Immel
Hofheim · 21. Februar · jh · Gestern Abend wurde bei Handball-Bundesligist SG Wallau/Massenheim auf einer außerordentlichen Gesellschaftsversammlung, die nach Redaktionsschluss noch andauerte, Tacheles geredet. Bereits vor der Sitzung der neun Gesellschafter war klar gewesen, dass der Zwei-Millionen-Euro-Etat künftig nach unten gefahren werden muss. "Wir müssen eine Anpassung vornehmen, weil das uns vorgelegte Sponsorengeld und die echten Zahlen nicht mehr zusammenpassen", sagte Ralf Jahncke. Dies dürfte die Position des geschäftsführenden Managers Bülent Aksen weiter schwächen. Auf die Frage, ob sich die wirtschaftlich schwer angeschlagene SG einen Rauswurf des Deutsch-Türken, dessen Vertrag im Sommer bis 2007 verlängert worden war, leisten kann, antwortete der mit zwölf Prozent Anteilen zweitgrößte Gesellschafter an der Spielbetriebs GmbH nur mit "kein Kommentar". Jahncke gab aber zu, "dass ein großer Kreis der Gesellschafter nicht einverstanden ist mit dem, was in den letzten Wochen passiert ist. Das war ein Kasperltheater, und beim Kasperltheater geht es immer um Köpfe."
In der Mannschaft und bei Trainer Martin Schwalb stößt Aksen mittlerweile wegen seiner leeren Versprechungen auf Ablehnung. Es soll sogar Spieler geben, die seine Ablösung fordern. Jahnckes Aussage, "dass die schlimmste PR die Ankündigungs-PR ist, die ich hasse", lässt jedenfalls für Aksen, der darin Meister ist, nichts Gutes erahnen. Wie ernst dessen Aussagen zu nehmen sind, zeigt der Fall Jan-Olaf Immel. Bis gestern Abend hatte der Nationalspieler, den die SG trotz Vertragskündigung vor einer Woche, so Aksen, "langfristig halten will", noch immer kein "konkretes Angebot" vorliegen, von dem der 39-Jährige ständig fabuliert. "Davon weiß ich nichts", sagte Immel, der in den vergangenen Tagen deshalb mehrfach versuchte, Hauptgesellschafter Volkmar Rohr, der Aksen noch die Treue hält, zu erreichen, ohne eine Reaktion zu erhalten. "Ich kann nicht allzu lange warten, denn andere Vereine, die Interesse an mir haben, wollen zügig ihre Planungen abschließen", so der Nationalspieler, dessen Aussage zeigt, wie bei der SG gearbeitet wird. Immel hofft, heute ein Signal zu bekommen, während Jahncke glaubt, dass die SG noch vor dem heutigen Spiel (20 Uhr, Ballsporthalle) gegen Magdeburg Neues auf einer Pressekonferenz zu verkünden hat. "Vielleicht gibt es ja im Sinne der Mannschaft einen Befreiungsschlag, so dass die Spieler richtig motiviert sind", so Jahncke.
Pressekonferenz ausgefallen
Die Frage, ob die Akteure, die wegen der ausstehenden Gehälter einen Anwalt konsultiert haben und von denen die Kapitäne Andreas Rastner und Igor Lawrow sowie Mannschaftsratsmitglied Marcus Rominger an der Gesellschafterversammlung teilnahmen, wegen der existenzbedrohenden Situation der SpielbetriebsGmbH zu einem Gehaltsverzicht aufgefordert werden, beantwortete Jahncke ebenfalls mit "kein Kommentar". Obwohl Rohr rund 70 Prozent der Anteile hält, könne dieser, so Jahncke, aufgrund eines Gesellschafterbeschlusses die Zukunft der SG nicht alleine bestimmen, "weil wichtige Entscheidungen gemeinsam zu beschließen sind". Dass die vor Heimspielen obligatorische Pressekonferenz gestern ausfiel, zeigt, wie groß das Chaos ist. "Bei einigen Spielern ist wegen der schwierigen finanziellen Situation der Akku leer", gibt Schwalb zu, was für das Spiel gegen Magdeburg nichts Gutes erahnen lässt.