Und selbst wenn... Du sagtest, Du hast auch "nur" Ostverwandschaft, also auch keine Einblicke in das Leben in der DDR. Auf dem Bild erkenne ich zumindest nicht, wer dieser Fan ist und schon gar nicht, wie alt derjenige ist, welcher die Fahne hochhält. Und nichtsdestotrotz... auch ich hab nur wenige Kindheitserinnerungen, diese sind allerdings recht schöne, an die DDR. Aus Erzählungen Älterer hört man aber auch, dass abseits des Politischen der Alltag nun auch nicht der allerschlechteste war.
In Oschersleben gibt es beispielsweise eine Ostalgie - Kantine. Die wird von jung und alt gern besucht, auch da hat niemand (politische) Probleme damit, man sieht es augenzwinkernd und nostalgisch. Ich empfehle Dir dort einen Besuch. Hier wird gewertet, ohne zu wissen, es wird gemutmaßt. Und auf Basis dieser Mutmaßungen verurteilt. Man muss das nicht mögen, zweifellos. Aber man braucht es auch nicht zu übertreiben. Einfach mal ein bisschen Gelassenheit zeigen, damit wäre schon geholfen.
Ob ich diejenigen dann als Oberlehrer, Besserwessi oder einfach nur Humorbefreite oder Stocksteife tituliere... es macht dann keinen großen Unterschied mehr. Aber oh weh... dann wiederum wird sich ja empört.
Stört es Dich eigentlich auch so sehr, dass bspw. die DDR - Titel oder Errungenschaften mancher Teams eher stiefmütterlich behandelt werden oder ist dies nicht so von Belang? Denn das würde mich in einem Handballforum - wenn ich es denn so mit der Korrektheit halte - weitaus mehr stören als irgendein einzelner Fan oder Scherzbold, der es tatsächlich wagt, mit einer DDR - Fahne auf das Siegerfoto eines ostdeutschen Clubs zu gelangen. Ich habe glatt das Gefühl, Außenstehende hätten mit der Vergangenheit bzw. der Bewältigung derselben bezüglich der DDR mehr Probleme als die eigentlich Betroffenen.
Ich habe durch diese „Ostverwandtschaft“ doch einige Einblicke in das Leben der DDR. Dieses „Abseits des Politischen war es ja gar nicht so schlecht“-Gerede hört man ja öfter, nicht nur wenn es um die DDR geht, und hat mit einer sachlichen Betrachtung - so verständlich der subjektive Einfluss ist - nichts zu tun. Wenn man auf Linie war, hatte man sicher die Möglichkeit, sich dort ein schönes Leben zu machen, vielleicht in gewissen Punkten auch ein besseres als im Westen. Wie es abseits davon aussah, ist bekannt. Dafür empfehle ich wiederum im Anschluss an den Abstecher nach Oschersleben einen Besuch in Hohenschönhausen.
Zum letzten Absatz: Ja, stört mich, weil Teile der Verwandtschaft da gar nicht so unerfolgreich waren. Hat aber mit dieser Diskussion nüscht zu tun.
Zum letzten Satz: Die „Betroffenen“ der DDR sind ganz sicher nicht diejenigen, die die DDR maximal als Kleinkind erlebt haben und jetzt - mit Augenzwinkern, schon klar - die DDR-Fahne spazieren fahren.