Die Handballregeln sind ein in sich geschlossenes Regelwerk in dem gleichwertige Regeln im Allgemeinen nebeneinander zeitgleich Gültigkeit besitzen und nicht einander ausser Kraft setzen. Ausnahmen von diesem Grundsatz werden in den Handballregeln explizit aufgeführt. Das bedeutet der Wortlaut einer Regel impliziert (wenn nicht explizit eine Ausnahme formuliert wird), dass gleichzeitig alle übrigen Handballregeln gelten und sich daraus ergebende Konstellationen nicht in jeder einzelnen Regel aufs Neue durchgespielt werden müssen. Man kann in Gedanken an jede Regel den Nebensatz ",sofern dies nicht im Widerspruch zu einer anderen Regel steht." ergänzen.
Das ist völlig korrekt so
In der hier diskutierten Situation kommen zwei Regeln zum Tragen, die gleichrangig Teil der Handballregeln sind:
Und das ist nicht ganz korrekt unser Beispiel betreffend.
Vielleicht waren einige meiner Formulierungen bisher missverständlich daher versuche ich jetzt ein letztes mal die Ausgangssituation aus #1 und #2 aufzudröseln.
Vorwarnzeichen durch erhobene Hand aktiv => Hinweis an angreifende Mannschaft A auf 7:12 Spielweise zu ändern, Entscheidung nach 7:11 wegen der Regelwidrigkeit passives Spiel steht bevor.
Innerhalb der Vorwarnphase Zuspruch eines Freiwurfes für A, Ausführung des Freiwurfes erfolgte korrekt, da Freiwürfe im Normalfall nach 13:6 ohne Anpfiff ausgeführt werden.
=> erneute Passfolge mit erneuter Freiwurfentscheidung für A (Vorwarnzeichen ist nach wie vor aktiv) => Schiedsrichter entscheiden auf sofortigen Anpfiff des FW, auch dies wäre korrekt da durch das Vorwarnzeichen zum passiven Spiel der Hinweis auf eine Abweichung zum Normalfall vorliegt.
Aus dieser Konstellation heraus ergeben sich zwei Entscheidungsmöglichkeiten, da pro handball in #1 eins der wichtigsten Kriterien (Ausführungszeitraum) zur Beurteilung nicht benannt hat.
An dieser Stelle kommt jetzt der Einwurf von rocksinger ins Argumentationsspiel mit den folgenden Varianten.
Variante A: Die benannte Nichtausführung des gewährten Freiwurfes spielt sich innerhalb von 3 sec bis zur tatsächlichen Dochausführung ab => dann wird mit dem Spiel für A fortgefahren mit der möglichen Entscheidungsfindung auf passives Spiel gegen A auch ggf. bereits beim 5.Pass nach 17:11
Variante B: Es erfolgt tatsächlich keine Wurfausführung innerhalb der 3 sec (wohlgemerkt nach Anpfiff und bei bestehendem Vorwarnzeichen) so kommt 7:2 zum tragen da diese Regel die Freiwurfausführung nicht explizit ausnimmt.
Heißt auf deutsch, jeder gewährte Freiwurf der nach Einnahme der korrekten Wurfposition nach 13:6 in der Ausführung länger als 3 sec braucht wird abgepfiffen, da die ballbesitzende Mannschaft eine Regelwirdrigkeit begeht die nach 13:1 a zwingend zum Ballverlust für die ballbesitzende Mannschaft führen muss.
Das gilt erst recht bei angepfiffenen Freiwürfen , da der SR mit dem Pfiff die korrekte Ausgangsposition nach 13:6 dem Ausführenden signalisiert.
Da passives Spiel und gleichzeitig ein längeres Halten des Balles als 3 sec eine Regelwidrigkeit bei der Ausführung des Freiwurfes selbst darstellen, muss es zwangsläufig zum Ballverlust für die angreifende Mannschaft nach 13:1a führen. Den Zeitpunkt dafür bestimmen die SR.
Die dann hier im Diskussionsverlauf ins Spiel gebrachte Regel 15:7 spricht im übrigen von Fehlern bei der Ausführung und nicht von Regelwidrigkeiten bei der Ausführung.
Ein Fehler bspw. ist es das ein Torwart nicht erkennt ob FW oder Abwurf und jeweilig das entgegengesetzte ausführen will. Die falsche Ausführungsörtlichkeit ist auch ein Fehler, bspw. den FW 10m nach vorn verlagern beim Gegenstoß. Diese Dinge sind selbstverständlich zu korrigieren.
Sollten also SR einen klaren Regelverstoß der ballbesitzenden Mannschaft bspw. durch Korrektur des Freiwurfes nach längerem Halten als 3 sec beeinflussen, begehen diese dann einen Regelverstoß .
Und 13:3 heißt eigentlich übersetzt alle Regelwidrigkeiten die nach einer erfolgten Spielunterbrechung erfolgen ( also dem tatsächliche Pfiff zur Spielunterbrechung und Gewährung des Freiwurfs) sind irrelevant in der weiteren Abfolge, ausgenommen die Strafprogression im Zusammenhang. Beispiel. Feldschiedsrichter entscheidet auf Freiwurf wegen Stürmerfouls und gibt Signal welches durch den Torschiedsrichter nicht wahrgenommen wird der in derselben Abfolge 2 sec später auf 7m gegen die abwehrende Mannschaft unmittelbar nach dem Signal des Feldschiedsrichters. Geht dann mit FW für die abwehrende Mannschaft weiter wo der Ball sich bei Unterbrechung durch Stürmerfoul befand.
Ich hoffe mal die Gesamtheit ist jetzt, ggf. auch die Begriffsklärung zu Fehler und Regelwidrigkeit, deutlicher klar geworden.
Einen schönen Tag noch