Weinheimer Nachrichten vom 01.03.2007
Artikel Weinheimer Nachrichten vom 01.03.2007
Umbruchstimmung beim TV Hemsbach
(AT) Frank Eppelmann wird als Trainer des TV Hemsbach aufhören. Das ist die schlechte Nachricht.
Doch die gute folgt gleich hinterher: Der Regionalligist hat nur drei Tage, nachdem Eppelmann den Verein über das Ende seines Engagements zum Saisonende aus beruflichen Gründen informiert hatte, einen Nachfolger gefunden. Jörg Kunze, 80-facher ehemaliger Nationalspieler, wird in der Saison 2007/08 an der Seitenlinie stehen und zusammen mit "Co" Carsten Klavehn die sportlichen Geschicke des Drittligisten leiten.
2. Liga und Nachwuchs im Blick
Ein echter Knaller also, der zeigen soll, wohin der Weg beim TV Hemsbach führen soll - nach oben. "Zwar nicht kurzfristig, aber natürlich haben wir das Ziel 2. Bundesliga im Blick", setzt Alexander Kral, zusammen mit Volker Gölz Geschäftsführer der in Bälde entstehenden "Handball an der Bergstraße GmbH", gleich eine Duftmarke. "Der TV Hemsbach soll raus aus dem Klischee der ,grauen Maus" und dazu zählt nicht nur die erste Mannschaft", ergänzt Gölz. Co-Trainer Carsten Klavehn soll als Jugendkoordinator ein neues Konzept erstellen, das die - im männlichen Bereich teilweise brach liegende - Nachwuchsarbeit forciert und auf gesunde Beine stellt. Außerdem will man mit der zweiten Herrenmannschaft in die Landesliga. Und das so bald als möglich.
"Dieses Konzept hat mich relativ schnell überzeugt, so dass ich nicht lange überlegen musste", freut sich Jörg Kunze, der 20 Jahre lang in der Bundesliga spielte, auf sein erstes Engagement als Trainer. Zuletzt hatte sich der 38-jährige Linkshänder als verlängerter Arm von Dr. Rolf Brack, Trainer des Erstliga-Aufsteigers HBW Balingen-Weil-stetten, an den Trainerjob herangetastet. Eine Knieverletzung zwang Kunze, der mit seiner Frau in Weiher lebt, im September 2006 zum Aufhören. "Diese schöpferische Pause hat mir gutgetan, sowohl in geistiger, wie auch körperlicher Hinsicht", freut sich der Mann, der das Handball-ABC bei der SG Leutershausen gelernt hat, jetzt auf seine neue Herausforderung. "Es juckt wieder in den Fingern."
Eventuell sogar Spielertrainer
Eine Aussage, die den Schluss zulässt, dass der Mann, für den die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney das herausragende Ereignis seiner Karriere war, vielleicht doch noch einmal aktiv werden könnte. Schließlich sucht man in Hemsbach noch nach einem Linkshänder für den Rückraum. "Da besteht Handlungsbedarf und wir wollen die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Jörg aufs Parkett zurückkehrt", bestätigte Volker Gölz. Der kennt den B-Schein-Inhaber aus seiner Zeit als Torwart beim Erstligisten TV Großwallstadt. "Wir haben sogar zusammen in einer WG gewohnt, von daher weiß ich, wie man Jörg einschätzen kann."
"Teamwork ist das Wichtigste"
Man kennt sich also in der neuen Führungsriege, das war neben der sportlichen Attraktivität auch für Kunze ein Entscheidungskriterium. Zusammen mit seinem Co-Trainer Carsten Klavehn spielte er vier Jahre klang in Leutershausen. "Teamwork ist mir das Wichtigste - egal ob auf oder neben dem Feld. Außerdem sollen Talente wieder eine Chance bekommen. Da fahren wir echt auf einer Wellenlänge." Kunze weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er diesen Weg in seiner Karriere selbst gegangen. 1987 wurde er mit der SG Leutershausen Deutscher A-Jugend-Meister, ehe ihm die Chance geboten wurde, sich mit den Teufeln in der 1. Bundesliga zu etablieren. "Ich habe dem Verein viel zu verdanken, speziell Jürgen Hahn hat mich geformt."
Der Mann, für seinen speziell kreierten Hüftschlagwurf berüchtigt, spielte nach seiner Leutershausener Zeit sieben Jahre lang für den TV Großwallstadt, zwei Spielzeiten bei der SG Flensburg/Handewitt und zuletzt für die HBW Balingen-Weil-stetten in Deutschlands höchster Spielklasse. 1998/99 wollte er mit der SGL noch einmal den Aufstieg in die 1. Liga versuchen, die Bergsträßer scheiterten damals - unter anderem wegen großen Verletzungspechs - nur knapp.
Rückblickend würde Jörg Kunze, der aus Wilhelmsfeld stammt, wo seine Eltern und seine erste Frau Tatjana samt Töchtern noch wohnen, alles noch einmal so machen. "Ich bereue nichts. Außerdem schlafe ich ohne Handball schlecht." Ein Glücksfall also für Hemsbach, dass der 1,91-Meter-Mann gerade auf dem Markt war, vom Handball träumt und sich zurzeit ausschließlich seinem Sport verschrieben hat.
Dank an Frank Eppelmann
"Vielleicht können wir nächste Woche schon die zukünftige Mannschaft vermelden", gehen die Geschäftsführer Gölz und Kral davon aus, dass das Gros des jetzigen Teams bleiben und verstärkt werden wird. Natürlich plant man in Hemsbach auch weiter für die Regionalliga - zur Sicherheit hat das Trainerduo aber auch für den Abstiegsfall zugesagt.
Frank Eppelmann wird der GmbH als Gesellschafter erhalten bleiben, bedauerte aber auch, dass er das sportliche Amt zum Ende der Saison abgeben wird. "Ich muss mich voll und ganz auf die Tätigkeit meiner neuen Firma Globalspeed in Mannheim konzentrieren und mag mich nicht mehr verzetteln." Der Dank des TV Hemsbach, den er in einer schwierigen Situation im letzten Jahr übernommen hat, ist ihm jedenfalls sicher. Volker Gölz: "Er hat uns in der letzten Runde vor dem Abstieg bewahrt. Hemsbach hat Frank Eppelmann viel zu verdanken." Kommentar auf dieser Seite