Böttcher bereitet Ausstieg vor: In Gensungen geht eine Ära zu Ende – Sieg gegen Leutershausen
Dr. Günther Böttcher verlässt die HSG Gensungen/Felsberg zu Saisonende
Mit dem 35:30 Erfolg gegen die SG Leutershausen konnte die HSG Gensungen/Felsberg den ersten Sieg seit fünf Spielen landen. In einem Spiel, welches von vielen Fehlern auf beiden Seiten geprägt war, setzten sich die Hausherren letztlich deutlicher, als es das Ergebnis vermuten lässt, gegen die Gäste von der Bergstraße durch. Das beherrschende Thema nach dem Spiel war allerdings die Abkündigung von Trainer Dr. Günther Böttcher, zum Saisonende zurückzutreten.
Seit 12 Jahren ist Dr. Günter Böttcher Trainer der HSG. Unter seiner Regie schaffte der Verein in der Saison 1996/97 den Aufstieg in die zweite Bundesliga, in der die Nordhessen seitdem spielen. Dr. Böttcher ist an der Uni Kassel im Fachbereich Sport tätig und gilt als anerkannter Fachmann in Sachen Handball – an der Seitenlinie eilt dem emotionalen und impulsiven Coach allerdings auch der Ruf voraus, manchmal über die Grenzen des Erlaubten hinweg zu gehen. Dr. Günter Böttcher ließ in seiner emotionalen Analyse keinen Zweifel daran, dass er absolut hinter seiner Mannschaft steht. „Ich werde alle sportlichen Kräfte einsetzen, die mir zur Verfügung stehen, um meinem Nachfolger eine intakte Mannschaft mit Perspektive zu hinterlassen.“ Seinen Appell an die Zuschauer: „Unterstützt diese Truppe!“ verband er gleich mit der Kampfansage fürs kommende Wochenende: “Wir haben heute wichtige Punkte geholt und müssen jetzt diesen Weg weitergehen – dann können wir vielleicht auch in Eisenach bestehen.“ Auf Seiten der HSG Gensungen/Felsberg bedauerte man den Rücktritt von Dr. Günter Böttcher. Der Wunsch des Trainers, sich in Zukunft neue Herausforderungen zu suchen, wurde allerdings vom Verein akzeptiert. „Mein sportliches Herz schlägt für die HSG“, bekannte Dr. Böttcher in seiner Ansprache – man darf gespannt sein, ob es in Zukunft nicht zu neuen und andersartigen Formen der Zusammenarbeit mit dem Trainer kommt. Der neue Mann steht noch nicht fest. In Gensungen/Felsberg will man nichts überstürzen und im Laufe des kommenden Monats einen Trainer möglichst mit regionalem Bezug verpflichten.
Leutershausen verwirft zu viele Chancen
In der Begegnung gegen die SG Leutershausen konnten die Hausherren schnell eine beruhigende Führung herausarbeiten. Gensungen/Felsberg startete mit einer aggressiven 3:2:1 Deckung mit Meinl im Tor, Untermann, Ochmann, Eidam, Viehmann, Duketis und Negovan. Leutershausen startete mit einer eher defensiv ausgerichteten 6:0 Defensive. Trainer Uwe Rahn beorderte anfangs Sowden ins Tor und dazu Hrachovec, Maksimovich, Volk, Glock - für den Otterbeck in der Abwehr kam – sowie Sulc und Zahn aufs Feld. Die Führungstreffer der Gäste von Zahn zum 0:1 und Maksimovich zum 1:2 konterte der starke Michael Viehmann zur ersten Führung der Hausherren (3:2, 6.). Frank Eidam bediente den Kreisläufer der HSG mustergültig. Das Spiel ging schnell hin und her, die Fehlerquote auf beiden Seiten war allerdings nicht zweitligawürdig. Beide Seiten ließen eine Vielzahl von Chancen aus. Insbesondere Hannes Volk verwarf zum Teil ganz freie Bälle vom Kreis. Seine Mitspieler machten es allerdings nicht viel besser. Die SGL leistete sich eine Vielzahl von technischen Fehlern. Letzten Endes zu viele, um die kämpferisch überzeugenden Gastgeber ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Gensungen/Felsberg sah einige Male schlecht im Abwehrzentrum aus. Florian Ochmann, der in Vertretung von Marco und Carsten Göbel den Hinten-Mitte der Abwehr spielte, kam mehrfach gegen den Kreisspieler der Gäste zu spät. „Unsere Halbverteidiger waren oft weit sehr vorne, da kann man dann den Kreis nur noch schwer abschirmen“ stellte Michael Viehmann nach dem Spiel fest. Leutershausen konnte diese Defizite allerdings kaum ausnutzen und vergab einige hochkarätige Einwurfmöglichkeiten. Timo Meinl, der der beste Mann auf dem Platz war, trug sein Scherflein zum deutlichen 18:11 Halbzeitführung der HSG bei.
Leutershausen mit Steigerung in Halbzeit zwei
„Wir haben die erste Hälfte komplett verschlafen“ sagte Thomas Zahn nach dem Spiel. Tatsächlich „gewann“ die SG den zweiten Durchgang mit 17:19. Nicht genug, um insgesamt erfolgreich zu sein. Sein Gegenspieler Michael Viehmann brachte einen Aspekt lakonisch auf den Punkt: “Immer wenn wir ein Tor kassiert haben, haben wir vorne auch eins gemacht.“ Tatsächlich ließ die Abwehrarbeit auf beiden Seiten im zweiten Durchgang sehr zu wünschen übrig. Gästetrainer Uwe Rahn versuchte es mal mit einer kurzen Deckung gegen den rechten Rückraum der Gastgeber, allerdings ohne großen Erfolg. Sein Team leistete sich weiterhin technische Fehler en Masse. Bezeichnend auch der Siebenmeter von Frantisek Sulc in der 36., den der Rückraumlinke neben das Tor warf. Gensungen/Felsberg behauptete zunächst die eigene Führung, was Trainer Günter Böttcher die Gelegenheit gab, Youngster Benedikt Hütt ins Spiel zu bringen. Dessen Mitspieler taten es dann allerdings den Gästen im Auslassen von besten Chancen nach, der Vorsprung der Hausherren schmolz ab, Leutershausen arbeitete sich Stück für Stück an die HSG heran: In der 49. markierte Deniz Maksimovich das 27:23, Thomas Zahn verkürzte in der 57. auf drei Tore und in der 58. konnte Maksimovich mit seinem vierten Treffer die Distanz auf zwei Tore verringern. Anstatt nun zum Schlussspurt anzusetzen, verspielte die SG ganz schnell alle Chancen auf einen möglichen Punktgewinn. Leutershausen nahm den gesamten Rückraum der Gastgeber in kurze Deckung – Gensungen/Felsberg löste diese Situation allerdings bestens und konnte einen Siebenmeter ziehen, den Michael Viehmann zum 33:30 nutzte. Felix Otterbeck kassierte unmittelbar darauf eine Zeitstrafe wegen Meckerns und wiederum Michael Viehmann erzielte da 34:30. Das Spiel war entschieden, trotzdem leistete sich Hannes Volk in den letzten Sekunden noch ein Frustfoul gegen Duketis, welches die Schiedsrichter mit einer Disqualifikation sanktionierten.
Böttcher lobt Moral
„Die letzte Minute war symptomatisch. Wir wollten kompakt, aber kämpferisch, in der Schlussphase stehen – stattdessen kassieren wir eine Zeitstrafe und einen Siebenmeter.“ Uwe Rahn, der Trainer der „roten Teufel“ haderte vor allem mit der Chancenauswertung seiner Mannschaft, die zu viele „glasklare Chancen“ ausgelassen habe: „Natürlich sind wir unzufrieden. Wir wollten etwas Zählbares mitnehmen. Vor dem Spiel hatten wir uns vorgenommen, uns von der Hektik der HSG-Abwehr nicht anstecken zu lassen.“ Einen weiteren Grund für die Schlappe verortete Rahn in die Abwehr seiner Mannschaft: “Wir haben in Felix Otterbeck nur einen echten Abwehrspieler. Wir spielen zwar einen schönen Ball, haben aber in der Abwehr keine Kompaktheit und keine Konstanz.“ Sein Gegenüber lobte vor allem die Einstellung seiner Mannschaft: “Ich hätte heute meine ganze Mannschaft neben mir auf die Pressekonferenz mitbringen können. Uns haben heute die Göbel-Brüder gefehlt, Michael Viehmann spielte mit einer schmerzhaften Schienbeinprellung, Roland Serfel und Dino Duketis waren krank. Ich bin sprachlos über die Leistung meiner Jungs.“ Thomas Zahn wählte drastische Worte in Bezug auf die Leistung seines Teams: „Wir haben versagt. Wir waren in der ersten Halbzeit überhaupt nicht auf dem Platz.“ Zumindest die zweite Hälfte sei besser gewesen: „Wir haben uns zurückgekämpft – wenn wir die gleiche Leistung in der ersten Halbzeit gebracht hätten, wäre es eng geworden.“ Michael Viehmann bedankte sich nach dem Spiel insbesondere bei seinem Torwart und ordnete den Sieg ein: “Das war ein ganz wichtiger Sieg für uns. Wir müssen jetzt eigentlich alle unsere Heimspiele gewinnen.“
HSG Gensungen/Felsberg – SG Leutershausen 35:30 (18:11)
HSG Gensungen/Felsberg:
Meinl (18 Paraden), Stahl (n.e.);
Eidam (3), Ochmann (6), Untermann (4), Schröder (1), Negovan (4), Viehmann (8/2), Duketis (3), Serfel (3), Pasaribu (3)
SG Leutershausen:
Sowden (1. – 30., 2 Paraden), Johann (31. – 60., 12 Paraden);
Otterbeck (3), Sulc (4), Schmitt (1), Zahn (7), Volk (8 ), Pankofer (1), Maksimovitch (4), Hrachovec (2)
Zeitstrafen: 3 (Schröder, Negovan, Duketis) – 3 (Otterbeck, Sulc, Schmitt)
Disqualifikationen: Volk (SGL / 60. Foulspiel)
Siebenmeter: 2 – 2 (Sulc neben Tor, Meinl hält gegen Pankofer)
Schiedsrichter: Knapp/Puchinger