Freudentaumel oder Faustschlag?
Blick in die Zukunft und zwei Szenarien: Wie es bei der SG Wallau/Massenheim weitergehen könnte
Vom 25.05.2005
hku. DORTMUND/WALLAU Stille. Schweigen. Kein Kommentar. Ob eine Entscheidung gefallen ist, ob die Lizenz für die erste Liga erteilt wurde oder nicht, will an diesem, für den Handball-Bundesligisten SG Wallau/Massenheim so wichtigen Dienstagabend keiner verraten. Derweil die Welt im Dunkeln tappt, wagen wir einen Blick in die ungewisse Zukunft - was könnte passieren, was wäre wenn...
Eine halbe Ewigkeit hat man diese Männer nicht mehr so herzhaft lachen sehen. Doch eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Tages ist: Sie können es noch. Vor wenigen Stunden haben die Wallauer die Botschaft aus Dortmund erhalten. Inhalt: Wallau bleibt drin, bleibt erstklassig, die Auflagen spielen zunächst nicht die Geige. Voller Erleichterung lässt die Geschäftsstellenbesatzung die Sektkorken knallen. Ihr Job ist gesichert. "Und das war für uns mit der wichtigste Aspekt", sagt Martin Schwalb, "ich bin in den vergangenen Tagen um gefühlte 150 Jahre gealtert". Dafür sieht der Handballtrainer verdammt gut aus. Und er ist verdammt gut gelaunt. Aber wer ist das heute nicht. Die Welt ist wieder in Ordnung, das Wörtchen Insolvenz verbannt. Nun übernimmt die neue Sportbetriebs-GmbH. Alle Uhren werden auf Null gestellt.
Null ist ein gutes Stichwort. Obwohl nun alles geregelt erscheint, ist vom Handballteam anno 2004/05, das in Bestbesetzung sicher für einen Europacupplatz in Frage gekommen wäre, nicht viel übrig geblieben. Lawrow, Grimm, Immel, Makowka, Behrends, Tiedtke - sie alle verlassen die SG. Darob ist in der Stunde der Rettung an Erholung nicht zu denken. Urlaub wird es in den nächsten Wochen nicht geben. Ein fast neues Team muss zusammen gestellt werden. Eines, das in der Bundesliga bestehen kann - um die Stützen Rominger, Rastner, Linder, Klein und Jonsson herum. Den Isländer auf Rechtsaußen wollen sie unbedingt im Ländchen halten. Wenn möglich auch Keeper Djordjic. Das wäre das Gerüst. Dazu ein paar Jungs aus dem eigenen Unterbau. "Und natürlich schauen wir, was sich auf dem Spielermarkt tut und was unser Etat hergibt." Große Sprünge sind kaum möglich, die neue Saison werde eher ein Überlebenskampf. Aus den Fehlern der Vergangenheit wollen sie gelernt haben, alte Fehden sollen beendet werden. Alles startet bei Null und die nächste Rettung kommt bestimmt. Eine rein sportliche.
Das war sie also, die Nachricht aus Dortmund. Kurz und schmerzlos, wobei schmerzlos gar nicht den Punkt der Sache trifft, weil die Mitteilung eher die Wucht eines Klitschko-Faustschlags hat. Bumm, der saß. Der Ligaausschuss der Handball-Bundesliga (HBL) hat sich entschieden, der SG Wallau/Massenheim keine Lizenz für die Erste Liga zu genehmigen. Die vom hessischen Traditionsklub eingereichten Unterlagen sind schlussendlich doch nicht als ausreichend bewertet worden. Letzte Bemühungen der Gesellschafter, die am Tag vor der Entscheidung guten Wind bei der HBL machen wollten, vergebens. Kiel, Flensburg, Magdeburg - das hat sich vorerst einmal erledigt. Wallau ist abgestiegen aus dem großen Handball-Zirkus. Aber wohin?
Das wissen die Herren, die nun wie versteinert im Vereinsheim des TV Wallau sitzen und nach Erklärungen suchen, auch nicht so recht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für den nächsten Schritt. Erstens: Sie akzeptieren die Entscheidung der HBL nicht, versuchen nun, auf juristischem Weg, die Erstliga-Lizenz zu erstreiten. Das kann dauern und trotzdem erfolglos enden. Zweitens: Sie akzeptieren die Entscheidung, stellen sogleich Antrag für ein Spielrecht in der zweiten Liga. Möglich ist es. Drittens: Sie akzeptieren die Entscheidung und werten sie als Chance, alle Altlasten abzulegen und etwas Neues aufbauen zu können. Die Rückstufung in die Handball-Regionalliga als reinigendes Gewitter. Der Neustart. Back to the roots, zurück zu den Wurzeln.
Heimspiele in der proppenvollen Wallauer Ländcheshalle gegen Mannschaften, mit der sich in den vergangenen Jahren die zweite SG-Auswahl messen musste: TV Nieder-Olm, VTZ Saarpfalz, Irmenach. Ein bekannter Mäzen hat nicht vergessen, dass die SG Wallau/Massenheim in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einer Marke geworden ist, unterstützt den ehemaligen Deutschen Meister und lässt sich wahrlich nicht lumpen. Mit den paar Euro können immerhin die in der Region beruflich gebundenen Marcus Rominger und Andreas Rastner gehalten werden. Um sie herum kein Spieler über 25. Das Comeback der "jungen Wilden". Mancher von ihnen hat mal in der Bundesliga ´reinschnuppern dürfen und seine Sache gut gemacht. Nun haben sie nur ein Ziel: Zurück in die Bundesliga. So schnell wie irgendwie möglich.
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