Original von Stuttgarter Nachrichten vom 12.07.2007
Handball in der Porsche-Arena vor dem Aus
Zweitligist SVK Stuttgart drücken 360000 Euro Schulden - Insolvenz unvermeidlich
Stuttgart - Handball-Zweitligist SVK Salamander Stuttgart wird am heutigen Donnerstag Insolvenz beantragen. Der Spielbetrieb in der Porsche-Arena ist damit akut gefährdet, den Verein drücken Schulden in Höhe von 360 000 Euro.
VON STEFAN KLINGER
Am morgigen Freitag tagen die Vertreter der Stadt und des Vereins. Der Insolvenzantrag der TVK Marketing & Management GmbH & Co. KG liegt dann bereits auf dem Tisch. Es blieb kein anderer Ausweg. Man wollte sich nicht dem Verdacht der Insolvenzverschleppung aussetzen.
Schon am gestrigen Mittwoch hatte Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann im Gespräch mit unserer Zeitung unmissverständlich klargestellt, dass die Stadt den finanziellen Engpass der SVK-Handballer nicht beheben werde. "Wir werden auf keinen Fall für das Minus der vergangenen Saison aufkommen", sagte sie - und zerschlug die Hoffnungen der Vereinsverantwortlichen auf eine schnelle Rettung. Am Abend reagierte der SVK mit einer Pressemitteilung, in welcher der Gang zum Insolvenzrichter für den heutigen Donnerstag angekündigt wurde. Was bedeutet: Noch vor dem Anpfiff des ersten Regelspielbetriebs in der Porsche-Arena droht das jähe Ende.
Das in der vergangenen Saison entstandene Minus in Höhe von 360 000 Euro schwebte zuletzt über dem Verein wie ein Damokles-Schwert. Angehäuft hatte sich der Fehlbetrag durch einen Irrtum der Vereinsfunktionäre. Im Frühjahr 2006 waren die Verantwortlichen der damals neu gegründeten Spielgemeinschaft HBR Ludwigsburg davon ausgegangen, dass die langfristigen Sponsorenverträge der Stammvereine TSG Oßweil und TV Kornwestheim ihre Gültigkeit nicht verlieren. Ein Fehler. Sponsoren stiegen aus, die HBR schloss die Saison mit einem Etatdefizit ab - das dem neuen Club, dem SVK Salamander Stuttgart, nun die Luft abschnürt. Zwar hatten die SVK-Chefs mittlerweile einen möglichen Finanzier für den Fehlbetrag gefunden, er wollte aber sein Geld so schnell wie möglich zurück. Daher forderten der mögliche Kreditgeber und die Vereinsfunktionäre in einem unserer Redaktion vorliegenden Vertragsentwurf von der Stadt Stuttgart die Zusage, das Etatdefizit aus der vergangenen Saison bis zum Jahresende zu kompensieren.
Eisenmann schloss eine Unterschrift unter das von den SVK-Handballern aufgesetzte Schreiben aus. "Dafür gibt es überhaupt keine Grundlage", sagte die Sportbürgermeisterin. Die Vereinsverantwortlichen, die sich am Mittwoch nicht öffentlich äußern wollten, schätzen die Situation anders ein. In ihren Augen hat es Absichtserklärungen und Zusagen seitens der Stadt gegeben, ein etwaiges Etatdefizit auszugleichen.
Eine Aussage, der Susanne Eisenmann energisch widersprach. Beim Vertragsabschluss zwischen den Handballern und der Stadt über einen Regelspielbetrieb in der Porsche-Arena am 27. Dezember sei von einem Fehlbetrag von maximal 100 000 Euro die Rede gewesen. Ein Betrag, von dem es damals hieß, dass er bis zum Saisonende abgearbeitet werde. Es ist nicht der einzige Punkt, der sich aus Sicht der Stadt Stuttgart seit der Vertragsunterzeichnung kurz vor dem Jahreswechsel überraschend verändert hat. So habe es beispielsweise längst Veränderungen der Gesellschafterverhältnisse gegeben, über welche die Stadt nicht hinreichend informiert worden sei. "Wir fühlen uns nicht korrekt behandelt", sagt Susanne Eisenmann, "da gibt es dringenden Gesprächsbedarf."
Dem dürfte inzwischen niemand mehr widersprechen. Die Insolvenz wird heute beantragt. Nun suchen Stadt und Verein verzweifelt nach einer vernünftigen Lösung. Viel Zeit bleibt nicht. Und nur wenn sie überzeugend ausfällt, werden die bisherigen Sponsoren ihr Engagement nicht überdenken.