Original vonReutlinger Generalanzeiger
Keine bundesligataugliche Halle, also auch kein Geld: Auf Dauer kann der VfL so nicht
existieren. Für immer nach Stuttgart oder wieder in die zweite Liga?
Der Abschied naht
von Michael Grimm
PFULLINGEN. Es ist schon eine Krux mit diesen Finanzen und nach Stand der Dinge
auch ein Teufelskreis, der in absehbarer Zeit nicht durchbrochen werden kann.
Die Folgen sind deutlich abzusehen, und es ist keine Fata Morgana: Die Tage des
Handball-Bundesligisten VfL Pfullingen in der altehrwürdigen, aber nicht erstligataug-
lichen Kurt-AppHalle sind gezählt.
Keine gescheite Halle bedeutet keine Moneten. Kein Geld heißt auf Dauer: nicht
überlebensfähig sein in der weltbesten Liga. Hopp oder top. Dazwischen gibt es nichts.
Dem VfL wird als Bundesligist, will er konkurrenzfähig sein, nichts anderes übrig bleiben,
als nach Stuttgart auszuwandern, wo neben der Hanns-Martin Schleyerhalle eine neue
Ballspiel-Arena gebaut wird. Die einzige Alternative dazu lautet: Abschied nehmen und
verschwinden ins sportliche Niemandsland der zweiten Liga.
In der vergangen Saison ist der Klub mit der kleinsten Halle und dem kleinsten Kader
finanziell nur über die Runden gekommen, weil die Mannschaft auf Geld verzichtet hat.
Nur weil die Spieler bei zwei Monatsgehältern Abstriche gemacht haben, konnte der
Kollaps abgewendet werden. Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass die Spieler dem
Verein durch Verzicht unter die Arme gegriffen haben. Andere Spieler, in anderen
Mannschaften, wären schon längst von Bord gegangen.
»Unsere finanzielle Situation hat sich nicht entscheidend verbessert«, sagt Utz Bächi,
Geschäftsführer der Pfullinger Handball GmbH. Der Saisonetat für 2004/ 2005 wurde
gegenüber der vorigen Runde um etwa elf Prozent auf eine Million Euro abgespeckt, so
dass sich der VfL Pfullingen zurzeit als nicht mehr als ein Skelett präsentiert. Zumal das
Budget noch längst nicht gedeckt ist und die Mannschaft, darunter Familienväter,
bereits jetzt wieder um ihre Gehälter zittern müssen. »Wir können die Bundesliga nur
über vermehrte Sponsorengelder halten«, betont Bächi. Oder den Standort wechseln,
weil weder eine neue Spielstätte noch der Ausbau der App-Halle in absehbarer Zeit in
Pfullingen anscheinend ein Thema sein werden. Obwohl allein schon der Schulsport
nach mehr Möglichkeiten geradezu schreit.
Der Vfl ist zum Handeln gezwungen, will er verantwortungsvoll die sportliche Zukunft
meistern. Ihm bleibt auch gar nichts anderes übrig, denn der Handball-Dachverband
(HBL) schaut mit Argusaugen ans Echazufer und hat bereits mit einer Strafe gedroht,
falls sich die Bedingungen nicht ändern. Irgendwann werden die Lichter in der App-Halle
für den Erstliga-Handball ausgemacht. Eine Halle, in der nicht einmal ein fernsehtaug-
licher Spielboden für Live-Spiele verlegt werden kann, weil die Eingänge - sapperlott -
zu klein sind. Und wer keine Live-Spiele erhält, dem bleiben die Vermarktungschancen
von vornherein versagt.
Ein Ausweichen in die neue Tübinger Halle, die hauptsächlich für die in einer vergleich-
baren Situation steckenden Basketballer gebaut wurde, wäre prinzipiell möglich. Ein
Boden könnte für 2 500 Euro von Frisch Auf Göppingen ausgeliehen werden. Doch die
Zuschauerränge müssten jedes Mal umgebaut werden; außerdem müsste der VfL stets
Hallenmiete bezahlen. »Aber Tübingen wäre nur eine Alternative zu Stuttgart. Ein
dritter Spielort kommt nicht in Fage«, sagt Bächi. Aus gutem Grund: Denn dafür, dass
der Vfl, einige Spiele in der Schleyer-Halle bestreitet, erhält der Verein Geld. Geld, das
dringend benötigt wird, um überhaupt über die Runden zu kommen. Friss oder stirb.
(GEA)