Original von Reutlinger Generalanzeiger
VfL Pfullingen - Torwart Hoffmann springt nicht ein:
»Ein harmonisches Miteinander ist nicht möglich«
Der Stachel sitzt ungeheuer tief
VON MICHAEL GRIMM
PFULLINGEN. Im ersten Spiel der vergangenen Saison war's, da trat der
Handball-Bundesligist Pfullingen beim Namensvetter in Gummersbach an.
Der kleine VfL verlor die Partie zwar, doch mit einer sensationellen Leistung hatte
Michael Hoffmann, der anstelle des verletzten Tobias Heger im Tor stand, den
selbst ernannten Titelkandidaten fast zur Verzweiflung getrieben.
Nach Hoffmans insgesamt 18. Parade vergab anschließend Vladimir Temelkov
die Chance zum Ausgleich. Im Gegenzug fiel noch das 25:23 für Gummersbach.
Am Mittwoch spielen die Pfullinger wieder in Gummersbach, und auch Tobias Heger
fällt wie damals aus. Aber Michael Hoffmann wird dieses Mal nicht das Pfullinger
Tor hüten. Klar ist, dass Kai Hüter an die erste Stelle rückt, schließlich hatte
Hoffmann mit Saisonende seine Karriere beendet.
Lage äußerst angespannt
So weit, so gut. Aber: Hinter den Kulissen kam es anscheinend zu einem bedeutsamen
Zwischenfall, der Hoffmann schockiert hat. Die Folge: Der 29-Jährige, der immer erklärt
hatte, er werde im Notfall aushelfen und deshalb auch schon nach Bekanntwerden von
Hegers Verletzung wieder im Team mittrainiert hat, wird trotz der prekären Situation
vorerst nicht zum VfL zurückkehren.
Die Lage im Pfullinger Lager ist äußerst angespannt, wie den Worten des Ex-Torwarts
zu entnehmen ist. »Eine Zusammenarbeit zwischen Michael Hoffmann und einzelnen
Personen im Management kann zurzeit nicht stattfinden. Ein harmonisches Miteinander
ist nicht möglich«, sagte »Hoffe«. Anscheinend sind Sätze gefallen, die für ihn auch
beleidigend waren. Namen wollte Hoffmann nicht nennen, »weil ich kein Öl ins Feuer
gießen oder jemanden anklagen möchte und damit nicht so sein will wie andere. Aber
es hat Äußerungen und Aussagen gegeben, die nicht zu begreifen sind und auch nicht
schön waren«. Der Stachel in diesem Zerwürfnis sitzt ungeheuer tief, denn Hoffmann will
sogar nicht mal mehr als Zuschauer bei Heimspielen dabei sein: »Ich möchte einfach
manchen Leuten nicht begegnen.«
Hoffmann weist weit von sich, möglicherweise in einer Überreaktion zu handeln.
»Ich hätte herzlich gern der Mannschaft geholfen, aber das Umfeld stimmt nicht«,
betonte der Kaufmann und entgegnet damit auch Spekulationen, wonach er und der
VfL sich finanziell nicht einig wurden.
Fall erinnert an Beirat-Rücktritte
Der aktuelle Vorgang erinnert unweigerlich an die Rücktritte von Heinz Schwörer und
Eberhard Schwarz, die Anfang Oktober als VfL-Beiräte überraschend zurückgetreten
waren. Ihr Begründung lautete: »Andauernde Uneinigkeiten im internen Management
und persönliche Differenzen.« Michael Hoffmann ist der Schwiegersohn von Schwörer.
Zu diesem internen Management dürfen momentan die beiden Handball-GmbH-Geschäfts-
führer Alfred Mayer und Utz Bächi sowie Teammanager Gottfried Staiger gezählt werden.
»Ich werde diese Sache nicht kommentieren«, sagte Eckard Nothdurft am Sonntag. Der
VfL-Trainer bestätigte allerdings, dass »wir fieberhaft dabei sind, das Problem zu lösen,
die Fühler nach allen Seiten offen sind« und angestrebt wird, kurzfristig einen weiteren
Torwart zu verpflichten. Das Hauptproblem dabei ist die schwierige finanzielle Situation,
in die sich der VfL aufs Neue befindet. Der Saisonetat von einer knappen Million Euro ist
nämlich noch längst nicht gedeckt. (GEA)