Tabellenführer HBW vor erneuter "englischer" Woche
Das Heimspiel am Samstagabend (20 Uhr) gegen die HSG Gensungen/Felsberg in der Balinger Längenfeldhalle ist für den HBW Balingen-Weilstetten der Auftakt in eine weitere „englische Woche“. Bereits am Mittwoch geht es dann nach Willstätt und zum Abschluss wartet die HG Oftersheim/Schwetzingen auf den Tabellenführer.
Nach der knappen Niederlage gegen den TV Kornwestheim, der sich im Laufe der Woche von seinem Trainer Thomas König getrennt hat, hofft HBW-Trainer Dr. Rolf Brack die kommende Woche mit den „Spielen der Wahrheit“ so unbeschadet wie möglich zu überstehen. Einen Punktverlust oder gar eine Niederlage im Heimspiel gegen Gensungen/Felsberg sollte man sich deshalb in keinem Fall erlauben.
„Das Entscheidende ist jetzt, dass wir nicht irgendwelche panikorientierte Schlussfolgerungen aus einem, mit einem Tor, höchst unglücklich verlorenen Spiel ziehen“, machte der HBW-Coach zum Wochenbeginn deutlich, dass die Niederlage in Kornwestheim alles andere als Anlass für Grabesstimmung ist. Immerhin hat der HBW auf Dormagen, nach Minuspunkten gerechnet, immer noch einen Vorsprung von vier Punkten „und den gilt es solange wie möglich zu verteidigen“, lautet die Vorgabe des Balinger Trainers.
Dass dies gegen die Nordhessen nicht einfach werden dürfte, darüber ist sich Brack sehr wohl im Klaren, denn „einfache Spiele gibt es für uns nicht“. Als Klassenleader ist Rolf Brack mit seiner Mannschaft immer der Gejagte und die gegnerischen Mannschaften haben gegen den HBW nichts zu verlieren. Dementsprechend unbeschwert wird auch Gensungen/Felsberg am Samstagabend ins Spiel gehen. Nach der Niederlage am vergangenen Spieltag beim TV Willstätt ist die Mannschaft von Trainer Dr. Günter Böttcher zwar wieder auf den zwölften Tabellenplatz abgerutscht, aber mit zehn Punkten Vorsprung auf die Absteigerplätze, nach wie vor im gesicherten Mittelfeld. Das allerdings genügt Böttcher nicht. „Ich will noch auf den neunten Tabellenplatz kommen", ist sein Ziel bis zum Saisonende, an dem er die HG Gensungen/Felsberg nach 14jähriger Trainertätigkeit verlassen wird. Um das neu definierte Saisonziel zu verwirklichen, möchten sich die Edertaler in eigener Halle schadlos halten und auswärts noch einige Zähler sammeln. Punkte aus der Längenfeldhalle hat Böttcher dabei in seiner Rechnung sicher nicht einkalkuliert, aber es ist für die Nordhessen das einfachste aller Spiele, weil sie nur gewinnen können. Eine Niederlage würde ihnen niemand krumm nehmen.
Die beiden Trainer, Rolf Brack auf der einen und Günter Böttcher auf der anderen Seite, sind nicht nur befreundet und haben regelmäßig telefonischen Kontakt, sondern sind auch aus ähnlichem Holz geschnitzt. Beide kann man ohne mit der Wimper zu zucken als „handballverrückt im positiven Sinne“ bezeichnen. Dementsprechend breiten sie ihre Mannschaften auf die jeweiligen Spiele vor und man kann beim HBW sicher davon ausgehen, dass Böttcher die Videos der HBW-Spiele gegen Hüttenberg und Kornwestheim eingehend studiert hat. Schon in der Hinspielrunde versuchte er mit Übergängen von Außen und zwei Spielern am Kreis, die HBW-Abwehr zu knacken. Vor heimischer Kulisse hatten die Nordhessen am Ende mit 27:22 zwar das Nachsehen, aber im ersten Durchgang lagen sie zeitweise mit fünf Treffern in Führung. Erst die Variante des siebten Feldspielers und ein überragender Torhüter Milos Slaby brachten den Tabellenführer wieder ins Spiel. Auf Grund der körperlichen Substanz einiger HBW-Akteure darf allerdings in Frage gestellt werden, ob ein ähnlicher Kraftakt zum jetzigen Zeitpunkt auch noch möglich wäre.
„Wir müssen auch für den Rest der Saison unheimlich viel investieren“, ist sich der HBW-Coach darüber im Klaren, dass er mehr und mehr die verloren gegangene Substanz bei den einzelnen Spielern, durch taktische Maßnahmen ausgleichen muss. Kaum auszugleichen wird allerdings das Fehlen seines Spielmachers Alexander Job sein, denn der Denker und Lenker im HBW-Spiel wird wohl in den nächsten Spielen seiner Mannschaft kaum helfen können. Laut Brack ist der Ellbogen des Regisseurs derart in Mitleidenschaft gezogen, dass an einen Einsatz kaum zu denken ist. Seine Aufgabe wird der österreichische Neuzugang Klemens Kainmüller übernehmen müssen. In taktische Hinsicht könnte der HBW-Coach für das Spiel gegen die HSG Gensungen/Felsberg daraus profitieren, dass er die Nordhessen so oft wie keine andere Mannschaft auf Video beobachten konnte. Der Spielplan wollte es nämlich so, dass der HBW immer gegen jene Mannschaft spielte, gegen die der Tabellenzwölfte eine Woche zuvor gespielt hat.
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