Ob eine ausgeglichene Liga dem Sport gut tun würde?
es wurde auf den Fußball hingewiesen. Dort sorgt die recht ausgeglichene Liga zwar für spannende Spiele, aber nicht mehr für eine spannende Meisterschaft und schon gar nicht mehr für internationale Vereinserfolge. Die Ausgeglichenheit hat Mannschaften wie Hoffenheim oder Köln den internationalen Wettbewerb gespült. Diese Mannschaften waren dann dort völlig überfordert. Ergebnis: Die schlechteste Punkteausbeute in der 5-Jahres-Wertung seit sehr langer Zeit. Auch hat sich hinter Bayern München kein Team mehr etabliert. Dortmund oder Leverkusen haben stark nachgelassen und sich vom Verfolger und möglichen Titelaspiranten verabschiedet. Über die Gründe darf spekuliert werden.
Auf der anderen Seite macht gerade die Ausgeglichenheit die Spiele sehr spannend. in keiner anderen Liga gibt es so wenig Kantersiege. Ein 6-0 ist in Deutschland meist nur durch Bayern zu schaffen. Dahinter passiert dies doch sehr selten. Das zieht die taktikaffinen Zuschauer ins Stadion und vor den Fernseher. Dadurch steigen die Werbeeinnahmen seit Jahren. Im Vergleich zu anderen Ligen verdient die Bundesliga mit ihren sehr kompakten Spieltagen noch sehr viel mit den Fernsehrechten. Andere Ligen haben einen durchaus sehr zerstückelten Spieltag. Selbst die Regionalliga mit vielen Traditionsklubs schafft sich im bundesweiten TV zu vermarkten.
Im Handball sieht es anders aus. Dort wurden über Jahre große Fehler in der Vermarktung gemacht. Auch hat die Einseitigkeit der Liga zwar international Ansehen gebracht und sicherlich auch den Ruf als "die stärkste Liga der Welt" geprägt, nur hat dadurch das Interesse der nicht affinen Zuschauern gelitten. Die Nationalmannschaft zieht die Zuschauer millionenfach vor den TV. Aber die Liga? Sie dümpelt vor sich hin. Sie verliert den Anschluss im Vergleich zu Eishockey und Basketball was die TV-Präsenz betrifft. Der aktuelle Vertrag mit Sky ist in meinen Augen ein letztes Aufbäumen, im Spitzensport den zweiten Platz nicht völlig zu verlieren. Die Fans finden den Vertrag in großen Teilen nicht gut. Der zerstückelte Spieltag mag früher sehr nervig gewesen sein, hätte aber als Grundstock für eine bessere TV-Vermarktung in meinen Augen dienen können. Dazu kamen die sehr vielen Insolvenzen von Spitzenklubs, die (inter)nationale Titel einstrichen und dann kurze Zeit später in der Versenkung verschwanden. Dies verschreckte auch potentielle neue Zuschauer.
Und dann die Fehler nach dem WM-Gewinn 2007. Statt auf der Euphorie-Welle voll durchzustarten und aktiv zu sein, dachte die HBL und einige Klubs, dies wird alles ein Selbstläufer. Somit verpuffte die Rakete wieder.
Große Sponsoren, die keinen lokalen Bezug zu einem Handballklub haben, sind selten und meist bei den größeren Klubs mit einer erhöhten TV-Präsenz zu finden. Damit schlage ich den Bogen zur Ausgeglichenheit der Liga zurück: Um Zuschauer zu locken, werden sehr oft nur die großen Namen im TV gezeigt. Ohne diese Präsenz ist es schwer überregionale Partner im Bereich Sponsoring zu finden und entsprechende Einnahmen zu akquirieren. Dadurch vergrößert sich die Schere zwischen großen Klubs und kleinen Klubs. Es wird weiter einseitig bleiben. Dies könnte jedoch wieder zu internationalen Klub-Erfolgen führen. Aber ob es das ist, was der Liga hilft Zweifel ich doch sehr stark an.
Die Fans müssen auch wissen, was sie wollen: Eine Liga, die sich dem TV anpasst und somit höhere Einnahmen bekommen könnte (auf allen Ebenen), oder einen TV-Vertrag, der sich an der Liga orientiert und somit weniger TV-Präsenz und weniger Einnahmen bedeutet, gerade für die kleineren Vereine.
Am Ende ist Handball ein Business. Ein Unternehmen, das Event und Unterhaltung verkaufen muss. Fans sind hier ein Zahnrad im Geschäft. Ohne Fans gibt es keine Sponsoren und keine TV-Präsenz und somit kein Spitzensport. Die Fans müssen wissen, ob sie Spitzensport sehen wollen und die Stars - und somit bereit sein für Kompromisse.