Du magst mit deiner Einschätzung recht haben, dass die Hannoveraner es die 20 Minuten vorher selbst in der Hand hatten. Trotzdem liegst du mit deinem "NICHT ENTSCHEIDEND" daneben. Denn es geht hier einzig und allein um das Regelwerk. Und da haben die Regelersteller und die Gerichte selbst Messlatten gesetzt, indem sie einerseits Vorgaben machen, Aktionen in den letzten 30 Sekunden anders zu bewerten als in den 59 Minuten und 30 Sekunden vorher und auch einräumen, dass durch Schiedsrichter begangene Regelverstöße gegen Ende des Spiels anders zu bewerten sind als zu Beginn.
Wenn die Schiedsrichter im Sinne einer Tatsachenentscheidung festgestellt haben, dass der Spieler die Freiwurfausführung behindert hat, dann ist das unanfechtbar. Es liegt dann auch kein spielentscheidender Regelverstoß vor, da sie ja die Regeln als Folge ihrer Wahrnehmung korrekt angewendet haben. Entsprechend sehe ich nicht, dass ein Einspruch Chancen auf Erfolg hätte.
Bei der Bewertung der Szene kann ich mich den Verteidigern der Schiedsrichter aber nicht anschließen. Der Spieler läuft in den Passweg, mit dem erklärten Ziel, den Ball abzufangen, und ist beim ersten Pfiff mit Ball schon in der vollen Vorwärtsbewegung.
Der Pfiff des Schiedsrichters erfolgt klar ersichtlich ohne Handzeichen. Wenn ich jetzt mal ganz penibel sein möchte, dann frage ich, welche Regel vorschreibt, dass bei einem Pfiff alle Spieler unverzüglich zu Salzsäulen zu erstarren haben? Es gibt nicht einmal eine Regel im Sinne von "ein Pfiff unterbricht das Spiel", oder?
Dem Spieler muss die Möglichkeit eingeräumt werden, klar zu erkennen, was der Schiedsrichter möchte. Und dazu gehört dann auch das entsprechende Handzeichen für den Freiwurf.