Wenn man das hier seitenweise liest, dann sind hier mal wieder die selbsternannten Moralapostel unterwegs, diejenigen, die sich die Realität gerne so malen würden, dass sie ihrer kleinen Wohlfühlwelt entspricht. Was soll der Unfug? Der Handball in Deutschland ist keinen Deut besser oder schlechter als der Rest der Gesellschaft. Das gibt es bodenständige Unternehmen, die tatsächlich nicht mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Und es gibt die Hallodris, die Schaumschläger, die unseriöser mit dem Mammon umgehen. Alles völlig normal - und ja, das gibt es auch im Handball. Warum also die ganze Aufregung? 
Hört auf rumzujammern. Ich bin persönlich völlig unverdächtig, HSV-Fan zu sein. Aber: Der HSV Hamburg hat ein Einspruch-Verfahren durchlaufen, das die Statuten der HBL so vorsehen. Er hat im dritten Anlauf die Lizenz bekommen. Balingen hat sich - aus deren Sicht völlig zu Recht - per einstweiliger Verfügung in die Liga gebracht. Es ist so wie es ist. Die Liga spielt mit 19 Clubs, und gut ist. Man wird sehen, ob der HSV zu einer seriösen Finanzierung komm, wenn nicht, wird es eine Neuauflage der Geschehnisse der vergangenen Wochen geben.
Was mich nur aufregt, ist dieses Hamburg-Bashing von Fans anderer Vereine, die zum einen das juristisch einwandfreie Verfahren nicht nachvollziehen wollen (oder können), zum anderen offenbar fest davon überzeugt sind, dass so etwas dem eigenen Verein niemals passieren kann. Wenn man sich da mal nur nicht täuscht. 
Muss ich, weil es diese unhaltbaren Bedingungen auch in der realen Wirtschaft gibt, diese im Handball deswegen automatisch gut finden und kommentarlos hinnehmen?
Ich behaupte nein. Und von einem lupenreinen Schiedsgerichtverfahren zu sprechen, bei dem das Schiedsgericht ganz offensichtlich über seine Kompetenzen hinaus Dinge beschlossen hat (Bedingungen für den HSV zur Lizenzerlangung zu formulieren), vergessen hier manche pro-HSVH und pro-"ist ja alles gar nicht so schlimm" Argumentierer. Die HBL hätte auch dem ganz offenbar nicht den Statuten entsprechenden Schiedsgerichtspruch ablehnen können und was dann? Stattdessen wurde 8 Stunden gemauschelt und heraus kam eine Farce, die an Lächerlichkeit für den deutschen Handball kaum zu überbieten ist.
Bei diesen Umständen davon zu sprechen, dass das doch alles gar nicht so schlimm ist und man ja weiter machen soll, wie bisher, zeugt von absoluter Naivität. Wenn nicht wir Fans aufstehen und Zeichen setzten, dann werden die Herren der HBL und vor allem die Familie Rudolph immer und immer und immer weiter so machen und damit potentielle Sponsoren, zukünftige TV-Verträge und neue Handballfans kontinuierlich vertreiben. Wieso sind denn die wirklich großen Unternehmen aus Hamburg nicht beim HSVH eingestiegen? Obwohl der HSVH doch eine so große Strahlkraft hat und doch so beliebt bei den Fans ist und vor allem - selbst soooooo viele Fans hat?
Ganz klar, weil die wirtschaftliche Lage, die Abhängigkeit von Rudolph, die peinliche Art und Weise diesen Verein zu führen und das peinliche Auftreten in den Medien schlicht jeden vernünftig und seriös wirtschaftenden Unternehmer davon abhält, sein Firmenlogo auf dem Trikot oder der Bande eines solchen Witzvereins zu zeigen. Und das völlig verständlich und zu Recht.
Ein Wunder, dass dei AOK nun die Nationalmannschaft sponsert. Kein Wunder, dass es außer der AOK sonst keiner macht. Wo bleibt zum Beispiel auch ein neuer Sponsor für das Final4 Turnier in Hamburg? Wo bleiben rechtskräftig belastbare Lizenzierungsrichtlinien für die Liga? Und wieso bekommt der HSVH, obwohl ich mich erinnern kann, dass Patronatserklärungen nicht mehr akzeptiert werden sollten, durch eine solche nun doch die Lizenz, obwohl dieser Verein schlicht nicht erstligatauglich ist?
Wenn ihr trotz alle dem den deutschen Handball als gesund und normal anseht und der Meinung seid, dass das doch alles normal und ok so ist, dann gut. Dann freut euch über einen unseriös wirtschaftenden, den Handball immer wieder negativ in dei Schlagzeilen bringenden HSVH in der ersten Liga, über einen nun noch verzerrteren Spielplan, über noch mehr Belastung für die Spieler und über garantiert wegbleibende Fans, wenn vielleicht auch nicht in einem so großen Ausmaß, wie von manchem hier befürchtet.
Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass der HSVH aus seinen Fehlern lernt, auf die Lizenz verzichtet und vernünftig und mit einer soliden Basis in der 3. Liga neu startet. Das wäre für den HSVH, die HBL und den Handball als Ganzes die absolut und mit Abstand beste Lösung gewesen. Das, was hier nun am Ende herausgekommen ist, ist dagegen tatsächlich ein Tiefpunkt, da diese Schlagzeilen jeden geneigten Sportfan doch die Tränen in die Augen treibt - vom vielen Lachen! Da schaut sich doch kein allgemein sportbegeisterter Mensch mehr freiwillig eine solche Possenliga an, in die man trotz nicht erfüllter Lizenzbedingungen weiterspielen darf usw. Und genau geht es mit den Sponsoren und den TV Anstalten.
Aber hey, ist doch alles super und toll.
PS: Wenn die HBL schon vor Jahren ohne Gemauschel ausgekommen wäre und seine eigenen Lizenzbedigungen geachtet hätte, wäre uns diese Peinlichkeit sowie so erspart geblieben (Bezug auf den VFL und den HSVH)!