Der "Tag des Handballs" war eine Enttäuschung auf ganzer Linie! Für den großartigen Sport Handball war dieses Event sicherlich alles andere als eine optimale Werbung, auch wenn manche hier das aus mir nicht ersichtlichen Gründen anders sehen.
Es gibt einige Punkte, die gegen eine Wiederholung des Events in dieser gestrigen Form sprechen:
1. Die Ticketpreise
Die Ticketpreise waren viel zu hoch angesetzt. Speziell in den ersten Reihen hat man vom Spielfeld und damit den Spielen so gut wie nichts gesehen. Dafür bis zu 40€ bezahlen zu müssen, ist ein Skandal, da einem nicht einmal gesagt wurde, dass es sichtbehindert ist. Und es war definitiv SICHTBEHINDERT, wenn man in Reihe 2 saß und durch die Geländer der Absperrung sehen musste.
2. Drumherum
Sorry, das was am Tag des Handballs drumherum geboten wurde war lächerlich. Was gab es denn für Stände? Einen Stand des großen Hauptsponsors Goldgas, einen von VELUX, einen für die WM in Quatar, einen der Sporthilfe, diverse Sportbekleidungsstände und ansonsten Stände für Speis und Trank. OK, das klingt erst einmal gut - für ein DKB HBL Topspiel vielleicht!
Wo war ein Stand des DHB, wo z.B. die Jugendarbeit vorgestellt wird (vllt habe ich den auch übersehen, lass mir da gerne helfen)? Wo gab es Autogramme der Legenden, vllt sogar gewürzt mit kurzen Interviews? Wo konnten sich die Teilnehmer des Jugendturniers mit ihren Vorbildern treffen? Wieso gab es keine Stände der anderen HBL Clubs - hieß ja immerhin "Tag des Handballs" und nicht "Tag der Retortenclubs H$V und RNL"? Wieso gab es nicht auch - dem Leistungssport gerecht - z.B. eine sommerliche Fruchtbar zur Erfrischung (und vor allem zu humanen Preisen)?
Kurz gesagt: Es war wenig vorhanden und vieles fehlte, was das Drumherum wesentlich attraktiver gemacht hätte. Einen Handball"fremden" hat dieser Tag garantiert nicht dazu animiert, in Zukunft mal zu einem Spiel der RNL oder irgendeines anderen HBL-Vereins zu gehen. Vor allem wenn er davon ausgeht, in diesen Hallen für eine ebenso schlechte Sicht genauso viel Geld bezahlen zu müssen!
3. Preise allgemein
Die Preise für Bratwürste usw. lass ich mir noch gefallen. Aber was dort für Getränke verlangt wurde, grenzt an Wucher. Ich weiß, in der Lanxess-Arena in Köln ist es kaum günstiger, aber da bekommt man Drumherum auch mehr geboten.
4. Das Stadion
Ich war schon beim bisherige deutschen Zuschauerrekord auf Schalke dabei. Dort hat man das Problem des viel kleineren Spielfeldes elegant gelöst, indem man nur das halbe Stadionoval genutzt hat und eine große Zusatztribüne in der Mitte des Fußballfeldes aufgebaut wurde. So passten zwar keine 51.000 Zuschauer rein, aber alle konnten vergleichsweise gut das Spiel verfolgen. Gestern in Frankfurt (so schön das Stadion als solches ist), war die Lösung dieses Problems auf gut Deutsch schlicht beschi***n gelöst! Wie gesagt, wer Plätze auf den normalen Rängen in den ersten Reihen hatte, hat nichts richtig gesehen. Dazu kam die schlechte Akustik der Lautsprecher(des Mikros) - man hat auf jeden Fall wenig verstanden von dem, was der Stadionsprecher gesagt hat (beim Legendenspiel). Beim Bulispiel ging es dann.
5. Show
Die Show rund um das Promispiel war - bescheiden! Das lag einerseits daran, dass man als zahlender Zuschauer im Stadion von den Interviews, welche Sport1 zwar während des Spiels geführt hat und die man auch auf der Leinwand sehen konnte, im Stadion nichts gehört hat. Man hat also, wenn man viel Geld für teure Tickets ausgegeben hat, weil man davon ausging, so näher am Geschehen zu sein letztlich nichts aber auch gar nichts mitbekommen. Enttäuschung herrscht bei mir da auch gegenüber Kretsche vor. Klar sah er es auch als Revange an, aber einem "Weltrekord"Publikum muss ich auch etwas Show bieten. Wo waren die Kempas, Trickwürfe, "Fouls", Späße usw.? Bis zur Einwechslung von Elton, Paul Panzer oder Pocher war davon nichts zu sehen. Schade!
6. Einlaufzeremonie
Wieso stellte man da nicht jeden Spieler des Promispiels einzeln vor? Ich meine, da waren wirklich hochkarätige Handballstars alter Tage dabei?! WM der letzten 15 Jahre und gewürdigt wurden davon eigentlich keiner. Das kann ja wohl nicht sein. Das bisschen Feuer dazu und schon wars das? Chance vertan, den Handball in Form seiner Legenden spektakulär zu präsentieren.
7. Möglichkeiten seine Stars zu sehen/treffen/Autogramme zu holen
Wie schon erwähnt, ich finde es ziemlich traurig, dass man beim großen "Tag des Handballs" von seinen Vorbildern/Idolen eigentlich nichts mitbekommen hat. Das, was Handball eigentlich ausmacht, die Nähe zu seinen Stars, die Möglichkeit, sich mit seinen Stars fotografieren zu lassen, kurz zu plaudern oder einfach nur ein Autogramm zu holen, war praktisch so gut wie nicht gegeben.
8. Marketing rund um das Event
Das Marketing bestand doch eigentlich ausschließlich (wenn man nicht in Mannheim oder Frankfurt lebt), aus Frank Buschmann und Stefan Kretschmann, die von Talkshow zu Talkshow getingelt sind, bei SPort1 Werbung gemacht haben und durch gegenseitiges Sticheln auf FB und Twitter ihre Fans mobilisiert haben. Von Seiten der RNL, des H$V, des DHB oder gar der HBL kam ehrlich gesagt rein gar nichts! Weder Plakatwerbung in den Städten der HBL Clubs, noch Werbung in Zeitungen, im Fernsehen oder wenigstens mal im Radio außerhalb der beteiligten Städte. Ein Wunder, dass überhaupt über 30.000 Karten verkauft wurden. Und die Strahlkraft des Handballs wurde somit erneut in keinster Weise ausgebaut.
9. Spiel der RNL vs H$V
Mal davon abgesehen, dass es zwei der unbeliebtesten Clubs der HBL waren, die da gegeneinander gespielt haben (wobei ich den RNL zugestehe, dass sie sich in den letzten 1,5 bis 2 Jahren zum positiven gemausert haben), war das Spiel in der ersten HZ einseitig, was ich aber niemanden vorwerfen will und in der zweiten HZ keine Werbung für die RNL, höchsten für den H$V. Insgesamt ok, aber definitiv kein hochklassiges Handballspiel.
10. Stimmung
Die Stimmung war, wie nicht anders zu erwarten, schlecht. Schon beim Legendenspiel war kaum Stimmung im Stadion und beim HBL Spiel, trotz der Mühen des RNL Fanclubs, ebenso wenig. Da hat man wieder gesehen, dass Handball in Fußballstadien nicht funktioniert. Handball gehört in kleine Hallen bis maximal 7500 Plätze. Alles was drüber geht, wird bereits schwer bzgl. guter Stimmung. Die Lanxess-Arena in Köln klammere ich mal aus, da ist die Stimmung einfach super.
11. Weltrekord
Sorry, das war niemals ein Weltrekord!!! Ich war 2004 beim Spiel TBV Lemgo vs. THW Kiel auf Schalke dabei und da hatte ich mehr Gänsehaut, als gestern. Das Stadion in Frankfurt war maximal zu 2/3 gefüllt (= 34.000 Zuschauer). Wie die Veranstalter zu der Annahme kommen, 44.189 Zuschauer im Stadion gezählt zu haben, würde mich mal interessieren. Kein Wunder also, dass eher vom deutschen Rekord gesprochen wird. Wie gesagt, ein Weltrekord war das nicht und falls doch, glaube ich es erst, wenn es auch so im Guinessbuch der Rekorde steht. Ansonsten kann das ja jeder behaupten, der ein Handballspiel in ein Stadion verlegt.
Fazit:
Mein Fazit fällt damit eindeutig negativ aus. Die Idee ist sicherlich gut gemeint, aber miserabel umgesetzt. Und wenn ich dann noch einen Bohmann sehe, ist es eigentlich ein Wunder, dass es Handball überhaupt noch gibt in Deutschland.
Da muss neues Personal her. Der Handball hat dieses Schattendasein nicht verdient. In den Medien hat doch kein Hahn nach dem "Tag des Handballs" gekräht. Nur in der FAZ stand gestern Abend kurz mal was von dem Event. Selbst heute findet man diesen Artikel aber nur noch, wenn man direkt danach sucht. Und ob die anderen großen Tageszeitungen darüber berichten werden (in ihren Printausgaben), wage ich zu bezweifeln. Ebenso, wie das der Tag des Handballs im Laufe der Woche noch einmal irgendwo außerhalb von Sport1 erwähnt wird. Marketingeffekt des ganzen ist also gleich null.
Spätestens wenn rauskommt, dass es tatsächlich kein regulärer Weltrekord war (weil man z.B. x-tausend Tickets verschenkt hat (was gleichzeitig noch ein Skandal gegenüber dem horend zahlenden Publikum wäre)), ist der erhoffte positiv-Effekt dann endgültig verpufft.
Kurz gesagt, da haben die Verantwortlichen noch sehr, sehr viel zu lernen und es das nächste Mal (wenn es denn ein nächstes Mal geben wird) immens viel wesentlich besser zu machen. Nochmal so ein "Tag des Handballs" wäre ansonsten eine riesen Blamage für unseren Sport und vor allem für unsere eh unfähigen Funktionäre.