Melsungen zum Abstiegskampf zu Gast in Düsseldorf
Durch das zuletzt vergeigte Heimspiel gegen Tabellennachbar Minden fährt die Mannschaft von Trainer Rastislav Trtik nun unter großem psychologischem Druck ins Rheinland. Dort wartet mit der HSG Düsseldorf nämlich schon wieder ein Kontrahent, der - genau wie Melsungen - wichtige Punkte zum Klassenerhalt benötigt (Sonntag, 17.12., 16:00 Uhr, Burgwächter-Castello). Beide Teams weisen 6:22 Zähler auf - Melsungen, Tabellenzwölfter, rangiert nur wegen des um drei Treffer besseren Torverhältnisses einen Platz vor Düsseldorf.
Der alles andere als einkalkulierte 26:27-Fauxpas gegen Minden hat das Melsunger-Team in eine verzwickte Lage gebracht. "Sechs Punkte aus den fünf Spielen im Dezember, dem Monat der Wahrheit, müssen wir holen", hatte Melsungens Sportchef Alexander Fölker vor gut zwei Wochen als Parole ausgegeben. Dabei hatte er besonders die Partien gegen Balingen, Minden, Düsseldorf und Hildesheim im Hinterkopf. Vor allem auch deshalb, weil in den beiden abschließenden Auswärtsspielen in Wilhelmshaven (27.12.) und Magdeburg (30.12.) die Trauben äußerst hoch hängen.
Die Verunsicherung der Melsunger dürfte durch die Nackenschläge im Laufe der Woche kaum abgenommen haben: Die Vorbereitung auf dieses enorm wichtige Spiel konnte Trainer Trtik nämlich nur mit reduziertem Kader betreiben. Torwart Zoran Djordjic, die beiden Rechtsaussen Michal Kraus und Sead Kurtagic sowie Rückraum-Shooter Grigorios Sanikis mussten sich unter der Woche verletzungsbedingt bzw. aus familiären Gründen streckenweise vom Trainingsbetrieb abmelden.
Deshalb bittet Rastislav Trtik seine Schützlinge sogar am Tag vor dem Spiel nochmal zum Training - in der Hoffnung, wenigstens einmal den Kader komplett zu haben. Zum Wochenende zeichnet sich nun ab, dass bis auf Sanikis alle einsetzbar sein werden. "Otto", wie der Grieche von seinen Teamkameraden gerufen wird, laboriert an einer Knöchelverletzung, will aber gegen Düsseldorf unbedingt auflaufen: "Er ist heiss und es wäre wichtig, dass er spielt. Seine Tore haben uns gegen Minden eindeutig gefehlt", bangt Sportchef Alexander Fölker um das Mitwirken des wurfgewaltigen Halblinken.
Über mangelnde Unterstützung von aussen wird sich das MT-Team am Sonntag im Burgwächter-Castello nicht beklagen können. Die beiden MT-Fanclubs machen sich gleich mit drei Bussen auf den Weg in die nordrheinwestfälische Landeshauptstadt. Diese Unterstützung tut Not. Nicht nur wegen der aktuellen Drucksituation, die auf der Mannschaft lastet. Denn auch der Blick zurück zeigt, warum sie die Rückenstärkung in Düsseldorf dringend braucht: In der letzten Saison verschlief Melsungen nämlich die zweite Hälfte des Spiels und musste mit 29:36 geschlagen die Heimreise antreten. Zuhause klappte es dann besser - Melsungen revanchierte sich mit 31:20.
Düsseldorf hat unterdessen auf das große Melsunger Fanaufkommen reagiert und hat die Düsseldorfer Sportfans zur UNterstützung aufgerufen. "Wir brauchen die Zuschauer als siebten Mann. Ohne Zuschauer geht es einfach nicht", so HSG-Torjäger Alexandros Vasilakis. Wer im Trikot oder mit Schal eines Düsseldorfer Sportklubs oder der Ratinger Ice Aliens zum Heimspiel der HSG gegen die MT Melsungen (Sonntag, 17. Dezember 2006, 16 Uhr, Burg-Wächter Castello, Karl-Hohmann-Straße 1, Düsseldorf-Reisholz) kommt, erhält an der Kasse eine Ermäßigung von 6,00 € und zahlt nur 12,00 €.
"Auf dem Papier und von der Mannschaft her ist die MT Melsungen Favorit", erklärt unterdessen Düsseldorfs Coach Nils Lehmann. Manager Frank Flatten warnt vor der MT Melsungen: "Die Truppe von Coach Trtik ist nach der Niederlage gegen Minden angeschlagen und will diesen Fauxpas wiedergutmachen." Personell plagen den HSG-Coach noch einige Sorgen. Almantas Savonis musste zu Beginn der Woche zwei Tage pausieren, nachdem sich der litauische Nationaltorhüter bei der Küchenarbeit in den Finger geschnitten hatte, wird aber spielen können. Die Düsseldorfer bangen aber noch um Spielmacher Jens Sieberger und Torjäger Alexandros Vasilakis, die sich beide am Freitag telephonisch bei Trainer Lehmann abmeldeten.
Jens Sieberger informierte seinen Coach über hohes Fieber und den Besuch von Mannschaftsarzt Dr. Thomas Lowinski. Lowinski, früher selbst für TURU Düsseldorf in der Handball-Bundesliga aktiv, teilte Lehmann mit, dass bei Jens Sieberger der Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung besteht. "Der Einsatz von Jens am Sonntag ist fraglich", so Lehmann. Kurze Zeit später ereilte den Coach Anruf Nummer zwei: Torjäger Alexandros Vasilakis meldete sich aufgrund einer schweren Mandelentzündung vom Training ab. "Der Einsatz von Alex ist äußerst unwahrscheinlich", erklärte Lehmann kurz. "Wenn beide ausfallen sollten, haben die Spieler aus der zweiten Reihe die Chance, sich am Sonntag zu präsentieren und zu zeigen, was sie drauf haben", sagte Lehmann.
Zum ersten Mal treffen am Sonntagnachmittag dabei gleich fünf Griechen in der Handball-Bundesliga aufeinander. Alexandros Vasilakis und Nikos Kokolodimitrakis auf Seiten der HSG, Grigorios Sanikis, Giorgos Chalkidis und Spyros Balomenos auf Seiten der MT. "Natürlich spielen zwei gegen drei Griechen, aber es spielt Düsseldorf gegen Melsungen und wir müssen das Spiel für uns entscheiden. Wir sind nach der Niederlage in Wetzlar und müssen zwei Punkte einfahren. Alles andere ist egal", sagt Alexandros Vasilakis. Auch Nikos Kokolodimitrakis freut sich auf seine Landsleute: "Natürlich freue ich mich darauf, sie alle wieder zu sehen, schließlich kennen wir uns seit Jahren aus der Nationalmannschaft. Aber klar ist auch, dass diese Freundschaft in den 60 Minuten am Sonntag ruhen wird. Wir wollen und werden die Partie gewinnen." Kokolodimitrakis ist vor allem eng mit dem griechischen Rechtshänder Spyros Balomenos befreundet. "Mit ihm teile ich mir seit fünf Jahren das Zimmer bei der griechischen Nationalmannschaft, zudem haben wir früher gemeinsam bei Ionikos Athen gespielt."
Quelle: handball-world.com