Steinar Ege im Interview: "Die WM wird ein Riesen-Handballfest"
Neun Jahre spielte Norwegens Nationaltorhüter Steinar Ege in Deutschland für den VfL Gummersbach (1997-1999 und 2003-2006) und den THW Kiel(1999-2003) . Nach einem Abstecher beim spanischen Club Garalda hütet der sympathische Skandinavier seit dieser Saison das Tor des dänischen Spitzenclubs FC Kopenhagen. Kurz vor dem WM-Start in Deutschland nahm sich Ege viel Zeit für ein Interview mit handball-world.com, sprach über seinen neuen Club und die Unterschiede im dänischen Handball, sowie über die WM in Deutschland.
Hallo Steinar , wie geht es Ihnen in Kopenhagen, haben Sie sich mit Ihrer Familie eingelebt?
Steinar Ege:
Ja, wir finden Kopenhagen sehr schön und haben uns gut eingelebt. Unsere Tochter Lotte ist jetzt sieben und hat an der Schule angefangen, am 15. Dezember letzten Jahres wurde zudem unser Sohn Jonas geboren. Das Leben könnte nicht besser ein.
Wie läuft es sportlich in Dänemark?
Steinar Ege:
Es läuft gut, wir spielen weniger als in Deutschland und das tut dem Körper natürlich gut. So habe ich jetzt auch mehr Zeit für meine Familie.
Sind sie zufrieden mit der bisherigen Saison des FCK?
Steinar Ege:
Sehr sogar, wir stehen an der Tabellenspitze und spielen noch im EHF Pokal. Leider treffen wir dort auf den SC Magdeburg, eine sehr schwere Aufgabe.
Was ist diese Saison noch möglich mit dem FC Kopenhagen?
Steinar Ege:
Wenn wir unter die besten vier Mannschaften der Liga kommen spielen wir am Ende um den Titel. Im EHF Pokal ist Magdeburg natürlich der große Favorit, nicht nur gegen uns, sondern auch auf den Gesamtsieg. Aber in zwei Spielen kann im Europapokal immer viel passieren.
Sie haben lange in der Bundesliga gespielt, nun in Dänemark. Was sind die größten Unterschiede, Dänemark gilt vor allem für den Frauenhandball als das Land Nr. 1.
Steinar Ege:
Handball bekommt in Dänemark allgemein eine große Beachtung. Durch das Fernsehen stehen die Frauen natürlich viel mehr im Blickpunkt als in Deutschland. Was die Männer angeht, wir spielen nur ein Spiel in der Woche und die Busreisen sind viel kürzer als in Deutschland. Den größten Unterschied gibt es natürlich bei den Zuschauern, wir spielen durchschnittlich vor 800 Zuschauern zu Hause in Kopenhagen, in der Köln-Arena hatte Gummersbach schon 18.000 Zuschauer. Die Stimmung von den Fans ist in Deutschland so natürlich auch viel besser als in Dänemark, genau wie das Niveau der Liga, obwohl die dänische Liga hier in den letzten Jahren eine gute Entwicklung genommen hat, viele Spieler, die früher in Deutschland gespielt haben, spielen nun in Dänemark. Das tut der Liga gut.
Verfolgen Sie noch die Bundesliga?
Steinar Ege:
Oh ja, ich hänge noch am Handball in Deutschland. Ich hab diese Saison zwar noch kein Spiel live gesehen, aber ich erkundige mich natürlich nach den Resultaten. Ich habe noch viele Freunde in Deutschland, das macht es einfach sich zu informieren.
Am Freitag startet die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland, freuen Sie sich zurückzukommen?
Steinar Ege:
Ich freue mich sehr wieder in Kiel zu spielen (Vorrundenspielort von Norwegen, d. Red). Was die WM angeht freue ich mich auf die Beste Weltmeisterschaft alle Zeiten, sowohl was die Zuschauer wie auch die Organisation angeht. Unsere Mannschaft werden viele Norweger in Kiel unterstützen, die WM wird ein riesen Handballfest.
Was ist für Norwegen bei der WM möglich?
Steinar Ege:
Unser Ziel ist die Hauptrunde. Unsere Vorrundengruppe ist sehr ausgeglichen, ich glaube hier entscheiden am Ende Kleinigkeiten wer gewinnt und am Ende weiterkommt. Wir sind aber gut genug, auch wenn die letzten Vorbereitungsspiele nicht so positiv verlaufen sind, uns für die Hauptrunde zu qualifizieren.
Wenn Sie ihre Nationalmannschaft beschreiben müssten, was ist typisch für Norwegens Kader, wo sind Ihre Stärken?
Steinar Ege:
Die Stimmung und Moral in unserer Mannschaft ist unheimlich gut. Auf dem Feld sehe ich unsere Abwehr als unsere Stärke, zudem spielen wir immer mit vollem körperlichen Einsatz.
Verraten Sie uns eine Schwäche von Norwegen?
Steinar Ege:
Nein, das tue ich nicht (lacht). Aber vor der WM hatten wir mit vielen Verletzten zu kämpfen, waren selten komplett und konnten uns nicht einspielen. Aber wir reisen ja immer mit Physiotherapeuten und unserem Arzt, die haben wirklich viel zu tun bei so alten Männern wie mir (lacht).
In der Vorrunde trifft Norwegen in Kiel auf Dänemark, ein besonderes Spiel um die Vormacht im skandinavischen Handball, oder ein Spiel wie jedes andere auch?
Steinar Ege:
Nein, das ist ein ganz normales Spiel. Wichtig ist für uns am Ende die Hauptrunde zu erreichen.
Wer ist für Steinar Ege der WM Favorit?
Steinar Ege:
Frankreich ist für mich der klare Favorit. Sie kommen als Europameister und haben die beste Mannschaft.
Was trauen Sie Deutschland bei der WM zu?
Steinar Ege:
Das ist schwer zu sagen. Bei der Fußball WM hat man Deutschland auch nichts zugetraut, am Ende hat sich die Mannschaft in einem Rausch bis ins Halbfinale gespielt. Die DHB Auswahl wird eine wahnsinnige Unterstützung der Fans erfahren, das kann beflügeln.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der WM.
Quelle: handball-world.com