Beiträge von Löwenherz

    Das der THC gegen die FAG Damen verliert, damit hat wohl niemand im ernst gerechnet.


    Mich hat das nicht sonderlich überrascht. Der THC hat sich gegen FAG oft sehr schwer getan und die Spiele mitunter erst kurz vor Schluss gedreht. Das hat diesmal nicht geklappt. Ohne Luzumova und mit einer nur formal einsatzfähigen Buceschi ist der THC eben zurzeit kaum mehr als die Hälfte wert - trotz einer deutlich wiedererstarkten Scheffknecht. In starkem Kontrast dazu stehen Müllers jüngste Lobeshymnen auf die Mannschaft (wie nach dem sehr mittelmäßigen Spiel gegen Celle), die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Der THC spielt extrem wechselhaft - so stark schwankend von Spiel zu Spiel habe ich die Mannschaft noch nie erlebt, seit Müller dort Trainer ist.

    Knesevic sagte heute lt. "handballwelt", "dass wir noch nicht ganz gerettet sind, weil es unter bestimmten Bedingungen drei Absteiger aus der HBF geben könnte". Wie ist das zu verstehen? Welche Bedingungen wären das?

    Ich meine, man ist letztlich mit den eigenen Ansprüchen nicht klar gekommen. Mitunter war ja sogar vom "Titelaspiranten" die Rede. Alles in allem fehlt da doch noch etwas an spielerischer Qualität. Die Abwehr steht meist sehr gut, aber das Angriffsspiel ist recht durchschaubar. Wenn dann noch Nadgornaja kurz genommen wird, kommt zu wenig Druck auf die gegnerische Abwehr. Z. B. waren 17 Tore zu Hause gegen Buxte, 18 Tore in Leipzig (gegen einen an diesem Tag schwachen HCL) oder heute 22 gegen den THC einfach zu wenig, um vorn mitspielen zu können.

    Naja, auch in den Diskussionen bei ihrer Neuverpflichtung wurde schon nicht berücksichtigt, das Deroin im September 2014 eine sehr schwere Knieverletzung erlitten hatte (Kreuzband und Innenbänder im rechten Knie):


    Das dürfte nicht das Problem gewesen sein, den physisch machte sie einen recht fitten Eindruck. Sie hat nur einfach das Tor nicht getroffen bzw. kaum einen Ball an den Torfrauen vorbei gebracht. Die Probleme lagen wohl eher im Arm und im Kopf als im Knie.

    Schon, aber trotzdem ist capitanos Aussage besser, denn sie zeigt Ursache und Wirkung. Eine schlechte Entwicklung könnte nämlich auch das Resultat einer schlechten Förderung sein - trotz guter Einstellung


    Ich höre immer nur Förderung ... Meines Erachtens geht es aber vor allem um Forderung. Da wird noch viel zu viel Zucker in den Arsch geblasen, anstatt den Spielerinnen klar aufzuzeigen, wo der Hammer hängt. Wie sind denn Neagu oder Pineau schon mit Anfang Zwanzig Welthandballerinnen geworden? Die wussten einfach, wo es lang geht, nicht wegen einer besonderen Förderung.

    Metzingen hat ein großartiges Spiel gemacht! Sie wussten, dass sie aggressiv decken müssen und haben dafür auch die Zeitstrafen inkauf genommen (Meines Erachtens gingen die fast alle in Ordnung, nur die letzte gegen Beddies war übertrieben; allerdings hätte in dieser Szene Loseth eine Strafe bekommen müssen.). Metzingen hat von allen deutschen Frauenmannschaften die mit Abstand beste Spielanlage, das hat man heute wieder überzeugend demonstriert. So sieht eine klare Trainerhandschrift aus! Und Konkoly hat bewiesen, dass es möglich ist, so etwas in wenigen Monaten umzusetzen.

    Sieben Spielerinnen, die 2009 den WM-Titel der Juniorinnen gewonnen haben, stehen im Kader oder erweiterten Kader des aktuellen Teams.

    Die Frage ist aber, wie sich diese seitdem weiterentwickelt haben, und das ist doch sehr unterschiedlich. Diese Truppe hätte direkt in eine B-Nationalmannschaft überführt werden sollen (ergänzt um einige andere Spielerinnen). Spiele gegen starke Mannschaften hätten ihnen gezeigt, wo sie mit Blick auf die internationale Spitze bei den Frauen stehen, bzw. dass sie sich noch mächtig anstregen müssten, um dorthin zu kommen. So aber wurden einige in ihren Clubs gefeiert und waren schon die Größten. Das hat mancher Spielerin nicht gutgetan.

    Jetzt muss er zeigen, was er kann! Halbfinale bei der WM ist der erklärte Maßstab. Gelingt dies, war die Entscheidung richtig. Dazu muss aber viel passieren: ein modernes und von den Spielerinnen umsetzbares Spielsystem, teilweise andere Spielerinnen, Selbstvertrauen und Spielsicherheit in der Mannschaft ... - eine Herkulesaufgabe in der kurzen Zeit.

    Außerdem wäre ich für die Wiedereinführung der B-Nationalmannschaft mit so vielen (auch internationalen) Spielen, wie es der Kalender irgendwie zulässt. Dies könnte jungen Spielerinnen die Chance geben, über ausreichend Spielzeit in einen angemessenen Umfeld zu reifen und sich zu zeigen. Die Alibis für einen angeblichen Generationswechsel durch das Mitschleppen von Spielerinnen zu Qualis und Meisterschaften, die dafür bei weitem noch nicht reif genug sind (wie z. B. Eckerle, Schmelzer, Rode) und dementsprechend auch kaum Einsatzzeiten bekommen, könnten dann der Vergangenheit angehören.

    Bin gespannt, ob wir jemals erfahren werden, was dort außer "deutschsprachig" noch drin steht. Wenn es Biegler wird, kann "Hervorragende Kenntnis des nationalen und internationalen Frauenhandballs" ebensowenig dazugehören wie "Erfahrungen mit dem Training von Frauenmannschaften".

    Wenn Hanning sagt, Vestergaard sei "von Anfang an alleine gelassen worden", dann frage ich mich doch, von wem? Offenbar vor allem von DHB selbst. Doch auf eine Erklärung, wie er das meint, werden wir wohl vergeblich warten.

    Bei Heine Jensen hat es ja mit dem Wegloben zur Nationalmannschaft schon mal für den HCL geklappt.(Für die Nationalmannschaft dann schon weniger)

    Ist eine interessante Frage ob das KSH mit N.Rentsch nochmal versuchen würde.
    Ich denke aber, der DHB ist ja inzwischen nicht mehr der alte und wahrscheinlich klüger.Er wird dem HCL da wohl nicht entgegenkommen.

    Aus dieser Bemerkung lese ich eine gewissse Unzufriedenheit mit der Arbeit von N. Rentsch beim HCL. Für mich als Außenstehenden wäre das durchaus nachvollziehbar. Denn wenn eine Mannschaft mich solchen Spielerinnen das Potential nicht annähernd auf die Platte bringt (wie auch wieder am Samstag - trotz des Sieges - gegen den BVB. Das Spiel war so schlecht, dass ich nach 45 min. gegangen bin.), dann hat das mit Sicherheit auch etwas mit dem Trainer zu tun.

    Also: Rentsch als Nationaltrainer - das wäre das nächste Ding, was in die Hose ginge ...

    Gehen wir doch mal der Reihe nach:

    1. Was fordert der DHB: Strategisch ausgerichteten Neuaufbau mit Generationswechsel, zugleich aber schnellen Erfolg (WM 2017).
    Vestergaard hat beides nicht ansatzweise hinbekommen. Wem könnte dies gelingen, was schon fast an die Quadratur des Kreises grenzt?

    2. Nach den Erfahrungen mit Vestergaard dürften folgende Anforderungen hinzugekommen sein: Kenntnis der Situation (d. h. auch der Funktionsmechanismen) des Handballs in Deutschland, Motivationsfähigkeit, mehr Emotionalität, ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache. Damit dürften fachlich geeignete Kandidaten wie Helle Thomsen ausscheiden (wobei man ihr Motivationsfähigkeit und Emotionalität nicht absprechen kann).

    3. Der DHB steht unter Zeitdruck. In gut 8 Wochen muss jemand auf der Bank sitzen. Deshalb wird der DHB kaum ein völlig neues Auswahlverfahren schaffen, sondern zunächst versuchen, auf jemanden zurückzugreifen, der schon auf der Liste stand. Ich gehe davon aus, dass bereits Gespräche stattgefunden haben und nach einer Schamfrist (die Gründlichkeit bei der Suche vortäuschen soll) bald der neue Trainer präsentiert wird.

    Wenn man dieser Logik folgt (wobei ich nicht unbedingt den Eindruck habe, dass Logik eine Stärke des DHB ist), kann man ja einige der damaligen Kandidaten mal durchspielen:

    - Wolf und Leun hatten mit der Begründung abgesagt, ihren Vereinen die Treue halten zu wollen. Wenn sie es sich nach einem Jahr plötzlich anders überlegen würden, wäre dies nicht gut für ihre Glaubwürdigkeit. Deshalb scheiden sie meines Erachtens aus.

    - Müller steht in Doppelfunktion, außerdem hatte ihm der THC damals klipp und klar die Freigabe verweigert. Das wäre jetzt gewiss nicht anders.

    - Fuhr hatte sich beworben und war sehr traurig, dass man sich gegen ihn entschieden hatte. Er ist sicher ein absoluter Spitzenmann hinsichtlich der Arbeit mit jungen Spielerinnen. Doch durch seine Art (sowohl im Umgang mit der Mannschaft als auch in seinem Auftreten nach außen) polarisiert er sehr stark. Blomberg war jahrelang nicht von ungefähr der Verein mit der weitaus stärksten Fluktuation in der Liga. Für die kommende Saison bleibt nun erstmals der größte Teil der Truppe zusammen. Das spricht sicher auch für eine gewachsene Reife von Fuhr.

    - Petkovic fühlte sich durch die Anfrage geehrt, hatte prinzipiell Interesse an dem Job bekundet und nur deshalb abgelehnt, weil er gerade in Eisenach unterschrieben hatte. Petkovic hat gezeigt, dass er sowohl strategisch-konzeptionell (mit längerem zeitlichen Vorhaltewinkel) arbeiten und dabei gut junge Leute integrieren (z. B. in Wetzlar), aber auch eine Mannschaft schnell nach vorn bringen kann (z. B. Aufstiegssensation in Eisenach im letzten Jahr).

    So, darauf kann sich nun jeder seinen Reim machen.

    Das ist schon bemerkenswert: Außer Ironie und Spott keine Reaktionen hier zum gestrigen Spiel!

    Genauso erschütternd wie den Zweckoptimismus des Nationaltrainers vor beiden Spielen finde ich seine pauschale, undifferenzierte Kritik an der Mannschaft ("Wir haben in allen Bereichen schlecht gespielt ..."). Die Abwehr stand doch streckenweise gar nicht so schlecht - 25 Tore gegen Frankreich sind keine Schande, zumal viele davon unserem Angriff zuzurechnen sind. Im Positionsangriff haben sich die Französinnen gegen unsere Abwehr mitunter ziemlich schwer getan. Aber lediglich 40 eigene Tore in zwei Spielen sind ein Armutszeugnis und nicht zuletzt die Quittung dafür, dass die beiden besten Feldtorschützinnen der Liga zu Hause gelassen wurden.

    Ein Spielsystem ist nach wie vor nicht zu erkennen. Oder um es in Abwandlung eines Wortes von Karl Kraus zu sagen: Es genügt nicht, nur keine Strategie zu haben, man muss auch unfähig sein, sie umzusetzen.

    Dank einer überragenden K. Kramarczyk und viel Glück nur minus drei. Bei den Schiedsrichterinnen brauchen wir uns auch überhaupt nicht zu beklagen (z. B. war Kleins Kopftreffer für mich glatt Rot; wenn sie als Co-Kommentatorin arbeitete war übrigens einer ihrer Lieblingssprüche sinngemäß, man müsse der gegnerischen Torhüterin auch mal Angst machen.). Unseren Angreiferinnen hätten durchaus auch ein halbes Dutzend Stürmerfouls weggepfiffen werden können. Frankreichs Abwehr stand hervorragend, insbesondere in der 1. Hz.

    Larissa ist ein Kampftier, kommt über die Körperkraft. Manchmal wirkt sie etwas ungestüm, will mit dem Kopf durch die Wand. Vor einem Jahr hatte sie eine Knieoperation, ist aber gut zurückgekommen. In den Nachwuchsnationalmannschaften war sie meines Wissens immer nur Reserve. Mir war klar, dass Mainz für sie nur eine Durchgangsstation ist. Sie hat das Potential, mittelfristig zur Stammkraft in eimem Erstligateam zu werden.