Beiträge von Löwenherz

    Das Spiel ist so schnell geworden in den letzten Jahren und dann noch die Änderung mit dem siebten Feldspieler und trotzdem endeten bei diesem Turnier schon diverse Spiele mit unter 45 Gesamttoren. Sind die Torhüter jetzt so stark geworden oder leidet unter dem hohen Tempo und der erhöhten Spielkomplexität die Konzentration der Spieler?


    Ich meine, da komme mehrere Dinge zusammen. Erstens gibt es zurzeit wirklich viele sehr gute Torfrauen (Eckerle heute übrigens bei 46% und damit noch besser als Navarro!). Zweitens (und vielleicht am wichtigsten) hat sich das Abwehrspiel bei vielen Mannschaften bedeutend verbessert (Jahrelang war Norwegen mit seiner sehr guten Abwehr allein auf weiter Flur, heute haben andere Mannschaften nachgezogen - allen voran Frankreich, aber nicht zuletzt auch Deutschland.). Drittens passieren bei dem schneller gewordenen Spiel auch mehr Fehler im Angriff (Ich kann es nicht statistisch belegen, aber meinem Gefühl nach gibt es heute mehr Turnovers als früher - selbst bei guten Mannschaften.). Und viertens wird öfter Stürmerfoul gepfiffen als früher (meines Erachtens mitunter zu oft). Alles zusammen wirkt sich auf die Anzahl der Tore aus.

    Nach diesem Spiel drängt sich noch stärker die Frage auf, warum Rasmussen gegen Dänemark die Torfrau nicht gewechselt hat (zur Erinnerung: Kiss 18%), wenn er noch so ein Juwel wie Janurik auf der Bank hat. Hatte er das Spiel gegen Dänemark schon abgeschrieben und die Mannschaft richtig ins Messer laufen lassen, damit sie mit ordentlicher Wut im Bauch in das entscheidende Spiel gegen Montenegro gehen? Klingt ketzerisch, aber mehr fällt mir dazu nicht ein.

    Ich habe beide Spiele der Polinnen gesehen und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir gegen Polen verlieren.


    Mitunter kann man sich tatsächlich nicht vorstellen, wie schlecht eine Mannschaft spielen kann. Es war ganz nah dran an der Niederlage ... Was mich am meisten gewundert hat: Unsere Mannschaft hatte heute über weite Strecken keinen Biss, die Polen waren viel bissiger, vor allem in der Abwehr. Unser Glück war, dass sie noch mehr Fehler gemacht haben als unsere Mannschaft.

    Aber nicht nur Deutschland hatte zwischen den Spielen große Niveauschwankungen: Slowenien schlägt Schweden und lässt sich von den vorher sieglosen und enttäuschenden Spanierinnen abschießen. Auch Tschechien war im 2.Spiel nicht wiederzuerkennen. An solche gravierenden Leistungsschwankungen bei einer größeren Zahl von Mannschaften kann ich mich bei früheren Meisterschaften nicht erinnern.

    Sturzflug nach unten


    Das sehe ich generell auch so. Aber zum gestrigen Spiel: Warum hat der Trainer die Torfrau nicht gewechselt? Kiss hatte in der 1. Hz gerade 2 Bälle gehalten und am Ende eine Quote von 18%. Damit kann man bei einer EM kein Spiel gewinnen. Und warum ist Szikora nicht für die EM nominiert worden? Ist sie verletzt?

    1/4 von Karolius ist ziemlich schwach. 1/4 bzw., 1/6 von Bölk und Hubinger auch nicht schön, die waren aber meistens Versuche aus dem Rückraum ohne guten Chancen.


    Ja, die Trefferquoten der meisten unserer Spielerinnen waren unbefriedigend. Du hast recht, oft mussten sie sich Würfe aus schlechten Postionen nehmen, weil die französische Abwehr so gut stand. Allerdings ist auch die Quote von 50 % bei Glauser bemerkenswert, wobei es sich natürlich hinter einer aggressiven Abwehr leichter halten lässt. Doch ich meine, mit relativ schwachen Trefferquoten bei unseren Angreiferinnen werden wir auch in Zukunft öfter leben müssen - das ist nun mal deren Qualität (die hoffentlich bis zur WM noch etwas besser wird). Die Spiele können nur über die Abwehr gewonnen werden - und davon ausgehend über Gegenstöße (in die wir gestern gar nicht gekommen sind). Eigentlich ist dies das klassische norwegische Modell, und das war ja ziemlich erfolgreich.

    Vor ein paar Jahren hat man mal im ersten Spiel gegen das damals heilige Norwegen gewonnen


    ... und dann den President´s Cup gewonnen, während Norwegen Weltmeister wurde! Es kann noch viel passieren in dieser EM: Serbien und Slowenien sind wesentlich stärker geworden - das werden keine Selbstläufer. Und auch gegen Polen muss erst einmal gewonnen werden. Wenn es nicht gelingt, Wojtas und Achruk offensiv anzunehmen, kann es ein böses Erwachen geben, Auch die Torfrau (die bisher teilweise spektakulär gehalten hat) darf man gar nicht erst heiß werfen.

    Ansonsten sehe ich das genauso wie Fridulin:

    Ich halte das nicht für grenzenlosen Optimismus sondern mehr für Erleichterung, dass sich bestimmte Befürchtungen nicht bewahrheitet haben.

    Ich finde die Performance der Nationalmannschaft schon fast unheimlich.


    Meines Erachtens gibt es vor allem vier Erfolgsfaktoren in der Arbeit von Biegler:
    1. Die konsequente Konzentration auf die Stärkung der Abwehr (Die war in den Spielen unter Vestergaard oft wie ein Hühnerhaufen, in die ein Stein geworfen wurde.).
    2. Die Stärkung der Ahtletik. Ich war nicht sicher, ob es richtig ist, nach dem Sommerlehrgang auch jetzt in der unmittelbaren Vorbereitung in dieser Hinsicht nochmals richtig "draufzuhauen", aber nun zeigt sich, dass unsere Spielerinnen in den letzten Spielminuten noch ein paar "Körner" mehr haben als die Gegnerinnen.
    3. Die individuelle Ansprache jeder einzelnen Spielerin: Jede kennt genau ihre Aufgabe - sowohl generell als auch in jedem Spiel. Damit kann sich jede Spielerin besser fokussieren, und die Ergebnisse können in Bezug auf die Aufgabenstellung konkret ausgewertet werden. Das fördert die Entwicklung enorm.
    4. Die Motivation der Mannschaft über das Bewusstmachen der eigenen Stärken (auch in jeder Auszeitansprache) und die Förderung der Spielfreude.

    Das ist alles kein Zauberwerk, sondern er hat einfach die richtigen Punkte gefunden, an denen er ansetzen kann und muss. Genau das zeichnet einen guten Trainer aus.

    Man will u.a. volle Hallen produzieren und hilft da eben etwas nach. Ist ja nicht zum ersten Mal so bei der EHF.


    Bisher hat man damit aber wenig Erfolg. Bis auf das offensichtlich ausverkaufte Spiel der Schwedinnen waren die Hallen erschreckend leer. Ich hoffe, dass wird bei der Heim-WM im nächsten Jahr anders sein. Jedenfalls habe ich mir schon das Komplettpaket für die Spiele in Leipzig und das Finalwochenende in Hamburg besorgt. ;)

    Es ist schon jetzt nicht mehr mit anzusehen, wie alle 3 skandinavischen Mannschaften (die mich spielerisch sämtlich nicht restlos überzeugt haben) von den Schiedsrichtern bevorteilt werden. Am krassesten fand ich das bei Norwegen. Schon beim Halbfinale der letzten WM ist Rumänien im Spiel gegen Norwegen extrem benachteiligt worden.

    Und dann wird auch noch Mörk als beste Spielerin geehrt, obwohl sie in der 2. Hz komplett abgetaucht ist (wie der gute Reporter sehr treffend bemerkte).

    Tschechien so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr: Überzeugender Sieg gegen Ungarn, obwohl Luzumova zwar die Abwehr gut organisiert hat, jedoch im Angriff ein kompletter Ausfall war (0 von 8). Aber das ist kein Wunder, denn sie steckt ja schon seit etlichen Wochen im Formtief. Dass dennoch Ungarn geschlagen wurde zeigt, dass die Mannschaft in der Breite gut aufgestellt ist.

    Fakt ist aber, dass das Team sogar deutlich älter im Schnitt ist als zur WM im letzten Jahr. Sollte Eckerle es aufgrund der Verletzung nicht in den 16er Kader schaffen, liegt der Alterschnitt bei 27,9 Jahren.


    Ich finde es gut, dass Biegler nicht dem Verjüngungswahn unterliegt. Er hat schrittweise eine Strategie entwickelt, dazu immer wieder Spielerinnen getest, die Strategie nachjustiert, wieder getestet ... Herausgekommen ist ein Spielsystem, das die Abwehr in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt (was auch gar nicht anders geht, wenn man keine Angreiferinnen in der Qualität von Neagu, Mörk & Co. hat). Vorrangig danach hat er die Spielerinnen ausgewählt. Und Abwehr hat nun mal viel mit Erfahrung zu tun. Deshalb spielen Frauen wie Klein, Karolius und Lang bei ihm eine Rolle, und die meisten jüngeren Kandidatinnen (die vielleicht 2017 eine Chance bekommen werden, wenn sie sich gut weiterentwickeln) wurden wieder aussortiert (teilweise schon im Vorfeld, teilweise jetzt).

    Außerdem: Ein großes Problem dieser Mannschaft ist die Leistungsstabilität (So etwas wie die 1. Hz im Sonntagsspiel gegen Schweden darf man sich bei der EM nicht leisten.). Und wie die Erfahrung zeigt, haben ältere Spielerinnen meist geringere Leistungsschwankungen als ganz junge. Auch deshalb ist die von Biegler getroffene Auswahl für mich nachvollziehbar.

    Dieser Kader war weitgehend vorhersehbar. Allerdings halte ich es für riskant, nur mit einer echten LA in die EM zu gehen. Dabei ist natürlich klar: Die beste deutsche LA ist Lang, auch wenn sie offiziell als RL nominiert wurde. Aus dieser Sicht ist die Entscheidung vertretbar, wobei es mir für Kiedrowski leid tut. Ich finde sie nicht schlechter als Fischer. Für Fischer spricht allerdings die größere internationale Erfahrung.

    was das Tor betrifft, würde ich allerdings noch einmal auf das Duo Woltering / Kramarczyk setzen. Bei einer EM kommt es auch auf die Erfahrung an, und da hat Katja der natürlich grandiosen, aber noch sehr jungen Dinah Eckerle doch einiges voraus.


    So habe ich vor nicht langer Zeit auch noch gedacht, aber mittlerweile geht die Schere der Leistungen so weit auseinander, dass ich mich nicht nur klar für Eckerle entscheiden würde, sondern mir sogar noch drei oder vier andere Torfrauen einfallen, die bei der EM wahrscheinlich eine bessere Figur machen würden als Kramarczyk (z. B. Gronemann, Krause, Lenz, Monz). Erfahrung ist für eine Torfrau wichtig, nutzt aber überhaupt nix, wenn sie diese nicht auf die Platte bringen kann. Und hinsichtlich der Erfahrung von Eckerle bin ich auch dieser Meinung:

    Dinah spielt jetzt über Jahre CL mit guten bis sehr guten Leistungen ,kennt von vielen auf die,die Deutschen treffen die Wurfbilder .

    Einige Gedanken zur Situation nach den beiden Spielen:

    - Die Mannschaft hat in beiden Spielen Charakter gezeigt und gekämpft bis zum Schluss. Das allein wird jedoch bei der EM nicht reichen. Da muss auf jeden Fall noch mehr Stabiltät einziehen.

    - Die Abwehr steht mit Klein-Karolius/Behnke-Naidzinavicius-Lang im Zentrum am besten. Deshalb wird Biegler wohl Klein und Lang mitnehmen (die anderen Drei ohnehin). Karolius bekommt viele Zeitstrafen, steht aber relativ sicher; Behnke hingegen irrt mitunter irgendwo im Niemandsland herum und hinterlässt hinten eine Lücke. Dennoch sehe ich zu beiden in der Abwehr gegenwärtig keine Alternative.

    - Kramarczyk stand heute völlig neben sich (wenn ich richtig gesehen habe, hat sie gerade mal 1 Ball gehalten). Für Eckerle war es das bisher mit Abstand beste Länderspiel. Falls Biegler nur 2 Torfrauen mitnimmt, sollte sich nun doch die Waage zu ihren Gunsten neigen.

    - Im Angriff zeigt sich an den vielen Fehlern und Stockungen, dass die Mannschaft noch nicht genügend eingespielt ist. Daran wird sich bis zur EM auch nicht mehr so viel ändern lassen. Hoffentlich gelingt es wenigstens, die Fehlerzahl noch etwas zu reduzieren. Ich bin kein ausgesprochener Fan von Lang, muss aber annerkennen, dass sie (mit ihrem konsequenten Zug zum Tor) zurzeit unsere druckvollste Angreiferin ist. Biegler sollte sie auch im Angriff mehr spielen lassen.

    - Wenn man sich die Einsatzzeiten (bzw. Nicht-Einsatzzeiten) anschaut, werden wohl Rode (Das war heute nix!), Schmelzer und Müller (beide ohne Spielzeit in beiden Spielen) zu Hause bleiben. Vermutlich wird Biegler auf den Halbpostionen je 3 Spielerinnen mitnehmen, zumal einige davon (Naidzinavicius, Lang, Klein) auf mehreren Positionen spielen können. Bei den Außen hat mir Kramer besser gefallen als Schirmer (Huber ist ohnehin gesetzt) - aber diese Entscheidung wird Biegler wohl nicht leicht fallen. Alles andere scheint ziemlich klar zu sein.

    Zurück zum THC: Mir ist nicht klar was Herr Müller mit beiden großen linkshänden machen will, warum er sie eigentlich verpflichtet hat.


    Es ist doch immer die Frage, was man sich leisten kann. Außerdem muss man die Dinge in ihrem zeitlichen Ablauf sehen: Angesichts des beschränkten Budgets hatte van de Wiel relativ zeitig die Zusage, dass sie bleiben kann. Dann kam die Chance mit Planeta (da war an die Verpflichtung von Aquilar noch nicht zu denken). Müller kauft gern junge, noch bezahlbare Spielerinnen ein, die er für entwicklungsfähig hält. Namen wie Snelder, Nadgornaja, Frey, Smeets oder Schmelzer mögen dafür stellvertretend stehen. Bei den meisten hat es auch mit der Entwicklung geklappt, andere sind erst woanders gut herausgekommen (z. B. Gros - auch wenn sie am Samstag schwach war). Van de Wiel war in der letzten Saison viel verletzt und hat danach noch keine Sicherheit wieder gefunden (weshalb sie auch aus der holländischen Nationalmannschaft geflogen ist). Aber bei ihr ist es ähnlich wie bei Gros: Sie muss viel spielen, um Sicherheit zu bekommen. Und weil sie keine Sicherheit hat, bringt Müller sie in engen Spielen oft dar nicht (oder nur kurzzeitig) - ein Teufelskreis, von dem man nur hoffen kann, dass sie ihn eines Tages durchbrechen kann. Auch Planeta fehlt Selbstvertrauen. Sie müsste viel öfter geradezu in Richtung Tor gehen, anstatt immer noch eine Schleife zu drehen und sich festmachen zu lassen. Übrigens ist sie die zweitbeste Bundesliga-Torschützin des THC, das sollte bei aller Kritik nicht übersehen werden. Beide haben viel Luft nach oben - wir werden sehen, was die Saison noch bringt.

    Interessant finde ich beim THC, dass der Rückraum Luzumova, Wohlbold und Aguilar für mich momentan die beste Option ist.


    Das kommt auf den Gegner an. Spielt dieser eine defensive Abwehr, besitzen die Rückraumschützinnen gute Räume, ist diese sehr offensiv, bieten sich eher Möglichkeiten für Durchbrücke und Kreisanspiele, also für die "Dreierbande" oder besser: "Sechserbande" Luzumova-Aquilar-Wohlbold. Natürlich hängt das auch von der individuellen Verfassung ab: Aquilar ist von Spiel zu Spiel stärker geworden und scheint sich jetzt im Spiel des THC richtig wohlzufühlen. Luzumova hatte einige schwache Spiele (gestern sah es wieder etwas besser aus) und Wohlbold spielt zwar nach wie vor sehr engagiert, aber in letzter Zeit häufig unkonzentriert (technische Fehler, schlechte Anspiele ...). Wenn alle Drei richtig gut drauf sind, können sie fast jede Abwehr richtig ärgern. Alle Drei gehen nicht nur dorthin, wo es wehtut, sondern sie besitzen Spielintelligenz und haben ein gutes Auge (z. B. für den Kreis und die Außen).

    Ich meine, ein wesentliches Potential der aktuellen THC-Mannschaft liegt gerade in den beiden unterschiedlichen Angriffssystemen - falls sie denn im Spiel tatsächlich funktionieren (was in dieser Saison in sehr unterschiedlichem Maße der Fall war).

    Ein rundum verdienter Sieg des THC, wobei man nicht gleich in Euphorie verfallen sollte (wie z. B. THC-Fan). So klar war die Sache bis weit in die 2. Hz nun auch wieder nicht. Erfolgsfaktoren waren genau diejenigen, die ich vor dem Spiel genannt hatte: Sehr gute Abwehr (zudem hat Krause das Torfauenduell gegen Glauser gewonnen), im Angriff wurden endlich einmal die Außen gut einbezogen (11 Tore von Außen bei 12 Würfen), und die meisten THC-Spielerinnen hatten diesmal gute Trefferquoten. Außerdem hatte Metz einen gebrauchten Tag: Glauser habe ich seit Jahren nicht so schlecht gesehen, Gros kam erst zur Wirkung (abgesehen von Siebenmetern), als das Spiel schon entschieden war ... - die Liste ließe sich fortsetzen.

    Übrigens gehe ich davon aus, dass diese Rechnung nicht ernst gemeint ist:

    Der THC hat in diesem Jahr von vier Spielen gegen Metz drei gewonnen! So kann man sich halt täuschen!


    Wenn Du Trainingsmatches ernsthaft gegen Cl-Spiele aufrechnest, machst Du Dich lächerlich.

    Zu den Schiedsrichtern: Auch ich habe viele Fehlentscheidungen gesehen, allerdings lagen die auf beiden Seiten und gingen meines Erachtens nicht einseitig zulasten des THC.

    Das Problem liegt aber einfach an der Qualität der Spieler


    Genauso ist es! Du kannst Dir alle möglichen idealen Spielsysteme in Abwehr und Abgriff ausdenken. Die Frage ist aber: Mit welchem System kann ich die Mannschaft mit den verfügbaren Spielern zum Erfolg führen? Dafür hat Müller in den letzten Jahren immer gute Konzepte gefunden. Für diese Saison musste er sich im Vergleich mit der letzten zumindest im Angrif etwas völlig Neues einfallen lassen. Hinsichtlich der Ergebnisse sieht das ja gar nicht so schlecht aus, auch wenn es nicht immer schön anzusehen ist und sich manchmal der Begriff "Würgehandball" aufdrängt. Aber abgerechnet wird zum Schluss!

    Der große Unterschied zum bekannten THC ist doch einzig der Fakt, dass das Prunkstück der Abwehr in der bekannten Form nicht mehr existiert.


    Das ist zwar richtig, dennoch muss man die Kirche im Dorfe lassen. Die Abwehr des THC ist zwar nicht mehr so konstant, sondern von Spiel zu Spiel wechselhafter als früher, aber von den Zahlen her kaum schlechter: In der vorigen Saison hatte der THC nach 8 Spielen 185 Gegentore bekommen, in dieser Saison 194 (gegen teilweise gleiche Gegner und insgesamt etwa vergleichbare Gegnerschaft) - das ist pro Spiel nur 1 Tor mehr. Damit hat der THC nach wie vor eine der stärksten Abwehrformationen der Liga. Das Problem ist meines Erachtens vor allem die Rückzugsorganisation (wie ich schon schrieb), was gestern besonders deutlich wurde. Und das ist sicher auch ein Problem von Planeta und Pintea (vermutlich einer der Gründe dafür, dass sie nur selten zusammen auf der Platte stehen), aber nicht nur: Wenn z. B. Aquilar, Engel oder Jakubisova nach links ziehen und von dort werfen (was gestern mehrfach passierte), muss jemand anderes die rechte Abwehrseite beim Gegenstoß abdecken. Da dies nicht erfolgte, hatte Schilk des Öfteren freie Bahn. Das meinte ich mit Mängeln in der Abwehrorganisation. Da fehlten klare Ansagen und eine ordnende Hand.

    Ich weis nicht, warum das Müllersche System kein Raus treten und Unterbrechen der Kreuzungen kennt.


    Das ist mir allerdings auch ein Rätsel. Der THC lässt den Gegner viel zu lange spielen (obwohl wir von Müller in den Auszeiten immer wieder hören: "Macht das Foul!")- und irgendwann findet dieser dann doch das Loch in der Abwehr. Vielleicht hat das weniger mit dem Müllerschen Abwehrsystem als mit der Mentalität der Spielerinnen zu tun. Ausnahmen sind hiervon sind am ehesten noch Engel und Houette.

    Ein System kann ich aktuell noch nicht erkennen


    Doch, ein System sehe ich schon, besser zwei: Müller spielt einerseits mit dem großen Rückraum (RL Niederwieser/Scheffknecht und RR Planeta/van de Wiel), der die Abwehr herauslocken soll, oder mit den "drei Sechsern" (Luzumova, Aquilar, Wohlbold), die auf Durchbrüche setzen (und teilweise die Außen gut einsetzen). Da er beide Syteme auch kombiniert, kann Müller damit schon Verwirrung bei den Gegnern schaffen (Beispiel von gestern: Wolf beorderte ihre Abwehr gerade energisch an den Kreis zurück um Durchbrüche der "Dreierbande" zu unterbinden, hatte aber übersehen, dass gerade Niederwieser auf die Platte gekommen war, die sich sofort dafür bedankte.). Das sehe ich schon als tragfähiges Konzept an, das versucht, die unterschiedlichen Fähigkeiten der Spielerinnen optimal zu nutzen. Aber es läuft noch nicht rund, und es passieren zu viele Fehler, die sehr oft bestraft werden (und da sind wir wieder beim Rückzugsverhalten).

    Ihr Streichresultat wundert mich etwas!


    Eckerle ist (zusammen mit Kohorst) das größte Torfrauentalent in Deutschland. Beide haben bereits herausragende Spiele gemacht, halten aber noch sehr wechselhaft - wie dies für junge Torfrauen nicht ungewöhnlich ist. Vom internationalen Niveau sind sowohl Eckerle als auch Kohorst noch ein ganzes Stück entfernt, was sich auch bei allen bisherigen Einsätzen von Eckerle in der Nationalmannschaft gezeigt hat (z. B. bekam sie beim letzten Länderspiel in Lingen kaum einen Ball zu fassen). Kramarczyk hat in letzter Zeit auch oft wechselhaft gehalten (gegen Bietigheim war sie allerdings sehr gut!). Doch im Unterschied zu Eckerle hält sie in der Nationalmannschaft meist stärker als im Verein.

    Abgesehen davon ist meine Streichliste offenbar missverstanden worden: Sie stellt nicht meine Wunschmannschaft dar, sondern meine Erwartung hinsichtlich der Entscheidung des Bundestrainers.

    Ich würde übrigens auf jeden Fall Jeje Rode mitnehmen, es sind seit Wochen ihre Tore, die Leverkusen im Spiel halten.


    Das ist offensichtlich. Der Unterschied zwischen Bundesliga und internationalem Niveau ist allerdings beträchtlich, zumal zu beachten ist, dass das Leverkusener Spiel in erheblichem Maße auf sie zugeschnitten ist (Z. B. hat sich gestern der THC rund ein halbes Dutzend mal vom gleichen Spielzug vernaschen lassen, mit dem Rode freigespielt wurde.). Diesen Luxus wird sie in der Nationalmannschaft nicht haben. Bei den bisherigen Einsätzen hat sie dort noch nicht viel gezeigt. Aus meiner Sicht würde vor allem für sie sprechen (wie ich schon schrieb), dass sie ein ganz anderer Spielertyp als Hubinger ist und somit auch die Abwehr vor andere Aufgaben stellen kann. Gegen ihre Mitnahme würde sprechen, dass sie auf dieser Position in der Nationalmannschaft überhaupt nicht eingespielt ist (hat ja dort fast nur RA gespielt).