Julia, die ich noch aus der B-Jugend beim THC kenne, galt damals als das Top-Talent im deutschen Frauenhandball. Wenige Tage nach ihrem 16.Geburtstag hatte sie ihr erstes Bundesligaspiel und spielte sich mit ihren genialen Ansätzen (nicht nur in der Hand, sondern auch Kopf) schnell in die Herzen der Fans. Leider gefiel ihr die LA-Position gar nicht, auf die sie von Leukefeld gesetzt worden war. Sie sah sich als Halblinke und hatte keine Geduld. Ihre sehr ehrgeizige Mutter präsentierte sie daraufhin ihrem Landsmann Krowicki auf dem Silbertablett, was dieser mit Kusshand annahm (Caro Schmele ging übrigens kurze Zeit später den gleichen Weg.).
Warum wurde aus dem Top-Talent Julia Wenzl nicht der Top-Star, den viele schon in ihr gesehen hatten? Dafür gibt es viele Gründe. Krankheiten und Verletzungen spielten dabei ebenso eine Rolle wie der Fakt, dass sie in Oldenburg aufgrund ihrer breiten Einsatzmöglichkeit überall dort als Notnagel eingesetzt wurde, wo gerade jemand fehlte (u. a. längere Zeit auf LA!). Eine ihrem Talent entsprechende positionsspezifische Förderung hat es nicht gegeben. Dies ist zwar nur die halbe Wahrheit, soll aber hier genügen. Ich habe sie sehr gern spielen sehen und bedaure sehr, dass sie schon von der Handballbühne abtritt.