Beiträge von Löwenherz

    Vermutlich meint Löwenherz diesen Beitrag bei MDR aktuell am 16. Dezember. Da geht es allerdings hauptsächlich um die EM. Die angesprochenen Finanzprobleme dürften im Moment wohl aber fast ale HBF-Vereine haben.


    Ja, das stimmt natürlich. Auch wenn viele Clubs das gleiche Problem haben, ändert das nix daran, dass es zurzeit besonders schwierig ist, gute Spielerinnen zu verpflichten - es sei denn, von Vereinen, denen es noch schlechter geht oder bei denen sonst irgend etwas nicht passt, wie z. B. Siofok.

    Wie zur Hölle kann man maßlos enttäuscht sein vom Auftreten des DHB-Teams? Weil man sich blenden lässt von den (Aufmerksamkeit generieren sollenden) Kampfansagen des Personals vor dem Turnier? Jedem Menschen, der das deutsche Damen-Ausbildungssystem kennt und der die Qualität der Damen-Bundesliga im internationalen Kontext einordnen kann, war klar, dass genau das passieren würde, was passiert ist.


    Du hast vollkommen recht, aber wie nun weiter? Wenn die geforderten Veränderungen in den Strukturen und in der Nachwuchsausbildung tatsächlich kommen (was ja völlig offen ist), wird sich das im Nationalteam kaum vor Ende dieses Jahrzehnts niederschlagen. Und was passiert in der Zwischenzeit? Im EM-Team standen 7 Spielerinnen, die um die dreißig sind - was kommt danach? Um das Tor und den Rückraum mache ich mir die wenigsten Sorgen, da stehen einige Mädels in den Startlöchern, die zumindest den Wettbewerb auf diesen Positionen befördern können. Wer davon internationales Niveau erreichen wird, bleibt natürlich abzuwarten. Am Kreis kommt hingegen nicht viel nach und ganz dünn sieht es - wie schon seit Jahren - mit dem Nachwuchs auf den Außenpositionen aus, die in der Liga zum großen Teil mit Importen besetzt sind.

    Eine andere Frage ist, wie der Mannschaft "Siegeswille und Mentalität" beizubringen sind, die nicht nur Herbert Müller bei der EM vermisst hat. Darauf habe ich keine Antwort.


    Ich finde das schade, doch zwischen Müller und ihr hat es von Anfang an nicht gepasst. Nun wird es beim THC personell langsam eng. Hoffentlich kann Müller guten Ersatz verpflichten (oder Schlegel erhält endlich größere Spielanteile), aber in mdr aktuell gestand er gestern finanzielle Engpässe ein. Große Sprünge werden wohl kaum möglich sein.

    ich bin da nicht harpiks meinung -
    das abschneiden der deutschen auswahl ist höchstens 4+.


    Bevor die Diskussion zu emotional wird, ein paar objektive Fakten: In der EHF-Statistik nach der Hauptrunde liegt die deutsche Mannschaft (bzw. die jeweils bestplatzierte Spielerin) bei keinem einzigen relevanten leistungsbezogenen Parameter auf einem der ersten sieben Plätze – meist weit dahinter! Hier ein paar Beispiele:

    Angriff:
    • Erzielte Tore (145): Platz 11 (von 12 HR-Teilnehmern!)
    • Trefferquote (51%): Platz 13 – 15 (zusammen mit Rumänien und Tschechien, nur Slowenien war noch etwas schlechter); Halbfinalisten mit 60 – 66% Trefferquote;
    • Trefferquote aus dem Rückraum: 34% - die schlechteste aller 16 Mannschaften! Trefferquote bei Siebenmetern: Platz 15 mit 56% (15 von 27)
    • Beste Werferin: Maidhof auf Platz 15 (auch bei Goals & Assists), Trefferquote 52%; nur 6 Spielerinnen kamen auf Quoten von über 50 %; akzeptabel eigentlich nur Großmann (100%), Schulze (82%) und Zapf (72 %), dagegen Naizinavicius und Berger je 38%
    • Turnovers: Platz 11 (12 pro Spiel, insgesamt 72); außerdem wurden 35% der Fast Breaks (11 von 31) nicht im gegnerischen Tor untergebracht und insgesamt ging jeder 6. Wurf vorbei oder landete am Pfosten.

    Abwehr:
    • Gegentore (137 – gegen Hauptrundenmannschaften): Platz 9 (von den 12 HR-Teilnehmern)
    • Torfrauen: Eckerle auf Platz 13 – 16 mit 30% (Roch 21%)
    • Beste Verteidigerin: Smits auf Platz 8 – 10
    • Fair Play: Platz 13 – 14 mit 27 Zeitstrafen (davon Bölk 5) – den meisten aller Mannschaften.

    Nach diesen Daten muss man sich schon fast wundern, dass bei dieser EM überhaupt Platz 7 erreicht wurde. Das kann eigentlich nur mit der wesentlich leichteren Gruppe erklärt werden. Wenn Groener sagt: "Wir haben das Niveau gehalten, aber keinen Schritt vorwärts gemacht", dann ist das vor diesem Hintergrund wohl noch zu positiv ausgedrückt. Und wer da sogar noch von der Nähe zur Weltspitze redet …

    Lasst doch bitte das Lamentieren und schaut Euch nochmal die Spiele unserer Mannschaft an: Das war doch größtenteils grauenhaft - ganz gleich wieviel Zeit zwischen den Spielen war! Wir sind in der Gruppe auf Platz 4 gelandet, obwohl wir die deutlich schwächere Hauptrundengruppe hatten (was wohl jeder bestätigen wird, der Spiele beider Gruppen gesehen hat). Also keine Ausreden für das schlechte Abschneiden gelten lassen, sondern Konsequenzen ziehen und wesentliche Dinge verändern! Sonnst landen wir beiden den nächsten WM/EM wieder in der gleichen Region!

    Das heutige Spiel unserer Mannschaft war letztlich ein Spiegelbild der Leistung im gesamten Turnier: Mal etwas besser, mal etwas schlechter, aber insgesamt eben nur europäisches Mittelmaß. Gegen wen haben wir gewonnnen? Gegen Rumänien undUngarn sowie gegen Polen ein Unentschieden erzittert. Das war´s. Deshalb sind wir wieder einmal dort gelandet, wo wir hingehören: Platz 7 - 12 in Europa. Dabei haben wir - abgesehen von den zählenden Ergebnissen - noch gar nicht darüber geredet, wie gespielt wurde: zu langsam, zu fehlerhaft, zu unstrukturiert und letztlich auch mit zu wenig Feuer und Durchsetzungsvermögen im Angriff. Ich kann mich nicht erinnern, bei einer EM/WM im letzten Jahrzehnt mal ein so schlechtes Wurfverhalten unserer Mannschaft gesehen zu haben. Eigentlich zeichnen sich die deutschen Frauennationalteams dadurch aus, dass sie als Mannschaft besser sind, als es die Fähigkeiten der einzelnen Spielerinnen erwarten lassen. Diesmal war es umgekehrt. Maidhof und (teilweise) Eckerle waren für mich die einzigen LIchtblicke. Alle anderen Spielerinnen mit nennenswerten Einsatzzeiten blieben meines Erachtens weit unter ihren Möglichkeiten.

    Ein Spiel mit guten Torfrauen und vielen Fehlern auf beiden Seiten. Man merkt, dass den Spielerinnen schon viele Spiele in den Knochen stecken. Morgen wird vermutlich die Physis entscheiden, wie von Frau Klein angedeutet. Und da könnten unsere Mädels durchaus gute Karten haben. Dann hätten wir ein Ergebnis, mit dem nach der schwachen Vorrunde wohl kaum jemand gerechnet hätte - auch ich nicht.

    Russland hat am Ende zu viele Gelegenheiten nicht genutzt-ein Sieg war für die Slawinen drin. Aber auch Frankreich hätte gewinnen können. Es war ein gerechtes Ergebnis.


    Kann man so sehen. Russland hat tatsächlich mehrere klare Gelegenheiten liegengelassen, um den Sack zuzumachen. Man muss aber auch sagen, dass die Schiedsrichterinnen - wie im EM-Finale 2018 - wiedermal kräftig mitgeholfen haben, dass Russland ein Spiel gegen Frankreich nicht gewinnt.

    Dulfer verhindert eine grosse Blamage für den Weltmeister
    und sichert den Einzug in die Hauptrunde.


    Das Fehlen von Polman ist bei den Holländerinnen nicht zu übersehen. Für mich waren es vor allem die jungen Spielerinnen von der Bank (Housheer, Nusser), die Holland den Arsch gerettet haben. Es war aber auch zu erkennen, dass Ungarn zurzeit keinen international konkurrenzfähigen Rückraum hat. Und wenn die gegenerische Abwehr steht (wie heute in der 2. Hz), dann ist auch mit Durchbrüchen nix mehr zu machen und man läuft sich immer wieder fest.

    Also, mein Vorschlag ist, mit dem Urteil noch ein bisschen zu warten.


    Das sollte kein Urteil sein, sondern nur eine Reflexion der bisherigen Entwicklung. Und aus dieser Sicht muss es erlaubt sein, einiges kritisch zu hinterfragen. Auch wenn es nicht so klingen mag: Ich bin nach wie vor ein Fan von Bölk und hoffe inständig, dass sie aus ihren sehr guten Anlagen noch viel mehr machen kann.

    Außerdem habe ich überhaupt nichts gegen FTC und finde es gut, dass man dort - im Unterschied zur Weltauswahl Györ - auf junge Spielerinnen setzt. Ob es für Bölk der richtige Verein ist, wird sich zeigen. Ich habe da kein gutes Bauchgefühl. Aber das kann natürlich täuschen. Vielleicht kommt durch den Weggang von Hafra die große Chance für Bölk mit dem Entwicklungssprung.

    Als gerade mal 18jährige hat Bölk als RM bei Buxte schon mitunter das Spiel gemacht und dem THC in Langensalza mal 10 blitzsaubere Buden eingeschänkt. Da habe ich gedacht, das ist die Zukunft des deutschen Handballs. Beim THC hat sie sich zwar entwickelt, aber nicht im erhofften Maße. Meines Erachtens bekam sie zu früh zu viel Verantwortung aufgeladen. Auch wenn sie geniale Momente hatte: Die Leichtigkeit verflog immer mehr, man spürte förmlich, wie der Druck auf ihren Schultern zunahm. Und dann kam der Schritt ins Ausland (wohl auch, um sich dem Druck zu entziehen - auch wenn ihr das vielleicht nicht bewusst war) - zu früh und zum falschen Club. Und der Druck wurde dort natürlich nicht weniger. Ihr Spiel wurde immer verkrampfter und fehlerhafter. Heute war der Gipfel erreicht: Schlechter geht es nicht mehr. Hoffentlich kommt sie aus diesem Tal wieder heraus.

    Hinzu kommt wohl die Corona-Erfahrung. Kennt jemand eine Spielerin bei dieser EM, die Corona hatte und gut drauf ist? Von Neagu war schon die Rede, ebenso von Behnke und Bölk. Welche Nach- bzw. Langzeitwirkungen hat das Virus bei den betroffenen Menschen, selbst wenn sie wieder davon genesen bzw. keimfrei sind?

    das wird nicht besser,ein Glück das die Polen auch viel Grütze spielen..und hinterher feiern sie sich wieder wenn sie in die Hauptrunde einziehen


    Ach, was sind das für Zeiten, wenn ein Unentschieden gegen stark ersatzgeschwächte Polinnen als großer Erfolg bejubelt wird (auch von den Kommentatoren). Und wann hat eine deutsche Frauenmannschaft bei einer WM oder EM mal so viele Siebenmeter verworfen? Und was heute aus dem Rückraum kam, war wiedermal so gut wie garnix. Am Anfang machte noch Maidhof etwas Hoffnung auf mehr, aber das war es dann auch schon fast ...

    Ich galube auch, dass Deutschland, trotz der schweren Niederlage gegen Norwegen, eine realistische Chance hat, das Halbfinale zu erreichen.


    Du hast natürlich recht. Deutschland hat diesmal eindeutig die leichtere Turnierhälfte erwischt und es ist insbesondere die Frage, wie lange Kroatien und Serbien mit ihrer dünnen Kaderdecke das gegenwärtige Niveau durchhalten können. Doch wie heisst es in Goethe´s Faust: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." Lassen wir uns überraschen ...

    Nachdem sich das Entsetzen gelegt hat und eine Nacht darüber geschlafen wurde, bleibt nach den ersten beiden Spielen die Erkenntnis: Deutschland steht im europäischen Handball irgendwo zwischen Platz 6 und 10 - also nach wie vor genau dort, wo frau bei den letzten Meisterschaften gelandet war. Es ist keine Entwicklung in Richtung Weltspitze zu erkennen, eher im Gegenteil. Und diesmal können Ausfälle nicht als Ausrede herhalten. Wenn im Vorfeld - wieder einmal - vom Halbfinale geredet wurde, auch mit dem Verweis, man habe dieses bei den letzten Turnieren nur ganz knapp verpasst und sei nun mal dran, dann zeugt das lediglich von einer völlig falschen Selbsteinschätzung. Hin und wieder gelingt mal ein Sieg gegen einen der Großen, aber daraus zu schließen, man sei nicht weit von der Weltspitze entfernt (wie in den letzten Jahren gebetsmühlenartig wiederholt), wurde wieder einmal ad absurdum geführt. Zur Erinnerung: Eine solche Formulierung gab es sogar, als unsere Juniorinnen vor einigen Jahren bei der WM PLatz 13 belegt hatten.

    Das bedeutet aus meiner Sicht: Solange man/frau nicht aufhört, sich selbst zu beweweihräuchern, nicht endlich ehrlich zu sich selbst und den eigenen Leistungen ist, wird es kaum möglich sein, auf ein anderes Niveau zu kommen - geschweige denn in der Weltspitze mitzuspielen.