Erfahrungen im höherklassigen Frauenhandball helfen bei der Nachwuchsausbildung aber auch nur bedingt, da die Zielrichtung jeweils anders ist. Und erfahrene Trainer aus dem höherklassigen Frauenhandball, die sich um DHB-Nachwuchsmannschaften kümmern, dürften auch nicht reihenweise zur Verfügung stehen.
Lassen wir erstmal das "höherklassig" weg. Aber reichlich Erfahrung im weiblichen Handball sollten bei so einem Job meines Erachtens schon vorhanden sein. Der Unterschied zwischen Männer- und Frauenhandball besteht eben nicht nur darin, dass ein männlicher Trainer bei den Frauen anklopfen muss, bevor er in die Kabine geht (wie Petkovic mal behauptet hat). Dieser liegt im physischen und psychischen, im strategischen und im taktischen Bereich. Thiel hat mal folgenden Vergleich gemacht, indem er sinngemäß sagte: Einem Mann ist es meist egal, ob ihm die Fresse desjenigen passt, der neben ihm in der Abwehr steht, sofern dieser einen ordentlichen Job macht. Bei Frauen ist das anders.
Trainer/innen im weiblichen Bereich (und gerade in der Jugend) sollten in besonderem Maße in der Lage sein, sich emotional einzufühlen, mit starken Stimmungsschwankungen (bis hin zu Tränen) umzugehen usw. - eigentlich sind das Binsenweisheiten, die jedoch oft vergessen werden. Ich habe Mannschaften in beiden Bereichen trainiert und weiß deshalb, wovon ich rede. Natürlich gab und gibt es Trainer, die sowohl Männer als auch Frauen erfolgreich trainiert haben, aber nicht wenige Männertrainer sind bei Frauen gescheitert - denken wir z.B. nur an Osmann und Biegler bei unserer Nationalmannschaft.
Und schließlich zum Stichwort "höherklassig": Der Trainer einer Nachwuchsnationalmannschaft, sollte schon das Niveau kennen, auf das er seine Schützlinge bringen soll (natürlich im Zusammenwirken mit den Clubtrainern) - und zwar nicht nur aus gelegentlichen Besuchen in der Halle, sondern möglichst aus der eigenen Arbeit.
Natürlich weiß ich, dass es so gut wie unmöglich ist, die sprichwörtliche "eierlegende Wollmilchsau" für diesen Job zu gewinnen. Aber der nun Auserwählte scheint mir doch (von den bekannten Fakten her) ein ziemliches Stück weit weg von einer Optimalbesetzung zu sein. Natürlich kann ich mich täuschen und lasse mich in seiner Arbeit gern vom Gegenteil überzeugen.