Beiträge von Domstadtadler

    Janos Das KW-Bashing ist in diesem Zusammenhang einfach unpassend. Außerdem sprechen auch in diesem Jahr die Resultate wieder für KW. Ich wünsche mir, dass Benjamin Matschke das nahtlos fortführen kann. Vielleicht wird sich der eine oder andere auch noch wundern, dass das, was in den vergangenen Jahren so passiert ist doch enger mit KW verbunden ist als das so mancher glauben mag.

    Zur Kaderplanung: Es ist klar, dass die HSG den Gürtel enger schnallen muss. Damit ist sie in der Liga aber nicht alleine. Man sieht in Wetzlar bei der Neubesetzung immer ein kleines Downgrade.
    Lindskog wird durch Nyfjäll ersetzt. Den kann ich nicht einschätzen, aufgrund der Vita wird man von ihm aber nicht das erwarten können, was Anton bei uns abgeliefert hat.
    Ivanisevic wird von Suljakovic ersetzt. Da habe ich die wenigsten Bauchschmerzen, aber Suljakovic muss sich auf Erstzliga-Niveau erst noch beweisen. Dass er das Potenzial dazu hat, hat er bewiesen, aber er muss es eben auch erst einmal konstant abrufen. Es ist aber so, dass die Fußstapfen die Tibor hinterlässt nicht die größten sind.
    Björnsen wird durch ??? ersetzt: Auch hier glaube ich, dass da ein Talent kommt und weniger ein gestandener BL-Spieler. Mit Weissgerber ist aber ein ordentlicher RA im Kader.
    Danner kommt als Alternative für den Innenblock, weil Nyfjäll Lindskog defensiv nicht ersetzen kann. Danner wird gute Spiele machen, aber eben nicht mehr regelmäßig der Fels in der Brandung sein. Er kann aber von seiner Mentalität her ein echter Führungsspieler werden. Einer, der gut fürs Klima ist.

    Auf allen Positionen ist Geld eingespart worden. Was ja auch in Corona-Zeiten nötig ist.

    Für mich haben die Löwen ein Problem: Und das heißt Oliver Roggisch. Als Botschafter, als Sponsorensucher oder einfach als netter Typ der RNL ist er absolut zu gebrauchen. Als sportlich Verantwortlicher scheint er mir überfordert. Ich habe ganz gute Drähte in die Szene und erlaube mir dieses Urteil. Die Trainerangelegenheit hat Roggisch zu verantworten. Dass Schwalb mit dem Gedanken spielt im Sommer zu gehen, soll er intern bereits vor Wochen kommuniziert haben, doch Roggisch ist aus irgendwelchen Gründen nicht aktiv geworden. Dadurch ging wertvolle Zeit verloren. Wobei man klar sagen muss: Vor zwei Monaten waren auch keine anderen Kandidaten verfügbar als die, die jetzt zu haben sind. Aber: Eine professionelle Planung hätte beinhaltet, dass sich ein Club wie die RNL schon im vergangenen Sommer damit hätte auseinander setzen müssen, wie es auf dieser alles entscheidenden Position ab Juli 2021 weitergeht. In der Szene heißt es, dass Roggisch erst jetzt loszieht, um einen neuen Trainer zu suchen. Das so komplett unrealistische Namen wie Sigurdsson und Berge auf seiner ersten Liste stehen sollen, zeigt wie überstürzt und unvorbereitet er gehandelt hat. Der Journalist aus Mannheim hat es bei "Kreis ab" ganz gut beschrieben: Einen Trainer ins Auge zu fassen, der erst Mitte August von Olympia zurückkommt, ist ja absurd.

    Ganz ehrlich: Eigentlich müsste denen, die mit diesem Club mitfiebern, richtig schlecht werden, wenn sie die Gehaltsrangliste der deutschen Nationalmannschaft sehen. Ihre Akteure sind allesamt vorne mit dabei. Bei der MT wird also richtig Geld investiert. Das ist jetzt nichts Neues, gerät aber bei manchem mal in Vergessenheit. Wenn diese Summen sinnvoll investiert würden, dann könnte da sportlich deutlich mehr herauskommen, als das, was da im Moment steht. Eigentlich müsste man ja damit rechnen, dass Philipp Weber bald ein Angebot von der MT bekommt. Er hat nun bei der Natio überzeugt und fällt damit voll ins Beuteschema der Melsunger.

    Ich habe hier ja auch schon mal mein Unverständnis für die Kaderplanung von Axel Geerken ausgedrückt. Man verpulvert eine Unmenge an Geld, um sich ein RA-Duo Kastening/Reichmann zu leisten. Einer von beiden plus ein talentierter, aber deutlich preiswerter Backup hätten genügt. Anders machen es Kiel, Flensburg und die Löwen ja auch nicht. Wenn nun André Gomes kommt, dann möchte ich nicht wissen, mit welchem Gehalt der gelockt wird. Das ist ja vom Typ her nicht gerade der, dessen Lebenstraum es ist, ins nordhessische Bergland zu ziehen. Und die Frage muss ja erlaubt sein: Welchen Sinn macht es, Gomes zu holen, wenn man schon Kühn hat?

    Ich finde, man hat gestern eine große Chance verpasst. Für mein Empfinden ist das die schwächste spanische Mannschaft seit Jahren. Dass heißt nicht, dass das kein gutes Niveau wäre, es ist aber nichts außergewöhnliches mehr wie das noch bei der EM 2018 der Fall gewesen war. Die Spanier haben kein Kreisläuferspiel mehr. Daniel Dushbajev ist kein internationaler Klassespieler und Canellas und Enterrios sind nicht mehr unaufhaltsam. Ich rechne nicht damit, dass die Spanier bei dieser WM eine Medaille holen. Sie haben sich gestern dank ihrer Torhüter über die Ziellinie gerettet.

    Ich bin verwundert, dass Alfred Gislason hier so angegangen wird. Für mein Empfinden war die deutsche Mannschaft sehr gut auf die offensive Deckungsvariante eingestellt. Noch nie in den vergangenen Jahren mussten die Spanier während eines Spiels gegen Deutschland auf 6:0 umstellen, weil diese offensive Variante ausgespielt wurde. Als dann auf 6:0 umgestellt wurde, war es doch folgerichtig, dass Kühn kam. Ein Gislason kann aber nichts dafür, wenn dann von Kühn einfach nichts kommt. Ich denke, Gislason wird gemerkt haben, dass das kein Spieler ist, auf den er in Zukunft bauen kann. Ähnlich verhält es sich mit Firnhaber. Dass er von den Erlangen-Fans verteidigt wird, ist normal und auch gut so. Abner ehrlicherweise hat seine Leistung mit internationalem Niveau vorne wie hinten nichts zu tun. Er stellt sich da oftmals wahnsinnig naiv an. Aber wer wäre im Innenblock eine Alternative gewesen? Vielleicht Heymann? Golla hat auch viele Fehler gemacht. Ihm traue ich aber neben einem Wiencek oder Pekeler zu, dass er sich steigert. Als Abwehrchef fehlt ihm aber auf diesem Nievau noch die Reife.
    Häfner fand ich gestern gut, Philipp Weber spielt ein ordentliches Turnier. Jogi Bitter auch, Andreas Wolff dagegen nicht. Ein Wolff in guter Verfassung hätte genügt, um Ungarn und Spanien zu schlagen. Er ist aber meilenweit von seiner Bestform entfernt. Keine Ahnung, woran das liegt. Und ganz ehrlich: Vielleicht haben wir in den kommenden Jahren tatsächlich ein Torwart-Problem. Ich sehe nämlich in der neuen Generation keinen, dem ich die außergewöhnlichen Leistungen zutraue. Till Klimpke durchschreitet in Wetzlar gerade seine erste Talsohle. Einen Rudeck oder einen Birlehm halte ich auch nicht für so grandios gut. Alle Spitzenvereine der HBL setzen auf ausländische Keeper. Da ist höchstens mal ein Deutscher die Nummer 2, wie Quenstedt in Kiel oder Genz in Berlin. In beiden sehe ich aber nicht den Retter der Nationalmannschaft.

    Ich fand das, was da gestern passiert ist, nicht wirklich überraschend. In dieser Besetzung gehört die deutsche Mannschaft nicht zur Weltspitze. Was nicht heißt, dass sie an guten Tagen nicht jede Mannschaft in Bedrängnis bringen könnte.
    Phasenweise sah das in der zweiten Hälfte in der Offensive gegen die Ungarn gut aus. Da war Zug in den Aktionen. Vor allem mit Drux kam da noch einmal eine neue Qualität. Aber - und diese Erkenntnis ist auch nicht neu: Kühn ist eine Wundertüte. Häfner spielt seit Jahren zu unkonstant. EM 2016 und WM 2017 fand ich von Häfner noch stark. Danach war er bei den großen Turnieren kein entscheidender Faktor. Mit einem Kastening in der EM-Form 2020 hätte es gegen Ungarn trotzdem gereicht. Oder aber mit einer besseren Defensivleistung. Und das wäre das zweite Thema. Es ist nicht überraschend, dass ein Firnhaber auf diesem Niveau noch Probleme hat. Und auch von einem Golla kann man nicht erwarten, dass er 60 Minuten vorne wie hinten eine top Leistung abruft. Da müssen wir einfach Abstriche machen. Beide haben Potenzial, beide sind zurecht als Ersatzleute nominiert worden, aber beide können auch keine Wunder vollbringen. Nicht verstanden habe ich, dass Golla einen Lekai permanent an 9 Metern attackiert hat. Warum so offensiv? Auch in er letzten Aktion. Lekai hat nun mal ein starkes Eins-gegen-eins. Aber er hat eben keinen starken Wurf aus zehn Metern. Mit einem guten TW-Gespann hätten wir aber auch das kompensieren können. Da Wolff komplett und Bitter zum Teil hinter ihren Möglichkeiten geblieben sind, war das aber auch nicht möglich.
    Welche Hoffnungen gibt es nun? Gegen Spanien muss alles stimmen. Deutschland braucht vor allem ganz hervorragende Torhüter. Kopfzerbrechen macht mir die spanische Abwehr. Gegen die offensive Variante hat die deutsche Mannschaft schon immer Probleme gehabt. Aber: Spanien hat auch nicht restlos überzeugt. Unsere Truppe kann das schaffen. Die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage ist meines Erachtens aber höher. Sollte die Überraschung gelingen, wäre das Viertelfinale aber greifbar. Polen und Brasilien sind beides keine Selbstläufer, aber beides machbare Aufgaben.

    Man sollte bei der MT nicht den Fehler machen, alles auf das Seuchenjahr 2020 zu schieben. Es ist schwer derzeit. Das gilt aber für alle. Gestern standen mit Kühn, Mikkelsen, Häfner, Maric, Reichmann, Kastening, Simic, Heinevetter, Danner, Kunkel, Allendorf und dem rothaarigen Isländer genügend Spieler zur Verfügung, die alle den Anspruch haben müssen, besser zu sein als ihr Gegenspieler aus Coburg. Deswegen ist eine Sechs-Tore-Niederlage zu Hause gegen den noch punktlosen Aufsteiger eine Blamage sondergleichen. Ich behaupte jetzt mal etwas populistisch, dass die drei Linkshänder der MT, die zugleich deutsche Nationalspieler sind, genauso viel verdienen wie der gesamte Kader des HSC 2000 Coburg. Deswegen erübrigt sich jede Diskussion. Einfach nur schwach von Melsungen. Und das bittere für den Club ist sicherlich: Es wiederholt sich Jahr für Jahr.

    Ich habe mir das Heft noch nicht zugelegt, muss es aber dringend machen.

    Ich weiß nicht, ob sich zwei Handball-Magazine nebeneinander halten können. Oder hat "7 - Bock auf Handball" einen anderen Ansatz als "Handball inside"? Von den ersten Infos klingt das sehr identisch, wobei ich bei "Handball inside" die besseren Journalisten vermute. Die Redaktion von "handball world", die ja hauptsächlich hinter "7 - Bock auf Handball" steht, ist mir bislang nicht unbedingt durch gute, innovative Texte aufgefallen. Vielleicht konnten sie es auf ihrer eingestaubten Seite auch nicht so ausleben. Sascha Klahn als Fotograf ist natürlich Champions League. Von daher bin ich gespannt.

    Ich würde mich freuen, wenn einige hier ihre Meinung zu dem neuen Magazin kundtun.

    1. Die HSG muss sich an die eigene Nase fassen. In der 2. Hz. fehlte es an der Unterstützung durch die Torhüter. Das hohe Niveau der 1. Hz. hat die Mannschaft nicht halten können.
    2. Ich habe schon lange nicht mehr eine solch schlechte SR-Leistung gesehen. Und tendenziell war die HSG stärker benachteiligt. Bei einem Spiel, das bis kurz vor Schluss unentschieden steht, hat das leider massive Auswirkungen. Ich kannte das Gespann bislang nicht und gehe daher davon aus, dass sie kaum Erfahrung in der BL haben. das hat man deutlich gesehen. Leider!!!

    Mein Tipp für heute: Coburg holt sich den ersten Sieg der Saison in Wetzlar. Bei der HSG läuft es nicht gut gerade. Viele Diskussionen, wie man hört. Klimpkes Einsatz heute entscheidet sich erst kurzfristig, Cavor angeschlagen von der Natio zurückgekommen. Ich habe kein gutes Gefühl derzeit.

    Es ist ein schwieriges Thema. Ich bin niemand, der ein unnötiges Risiko eingehen würde. Wenn aber das Risiko einer Infizierung bei einem Handballspiel durch ein gutes Hygienekonzept so gering ist, wie das in einem Supermarkt, dann wäre ich dafür, Zuschauer in die Halle zu lassen. Ein nullprozenziges Risiko wird es nicht geben. Ich befürchte aber, dass uns diese Probleme ganz bestimmt noch einige Monate, eventuell auch wieder in genau einem Jahr beschäftigen werden. Wir können aber nicht immer alles schließen. Dann haben wir bald nichts mehr, was wir noch aufschließen können. Deswegen: Keine Experimente, sondern etwas Mut an Stellen, an denen sich Konzepte schon bewährt haben.

    P.S. Kannst Du mir mal auf die Sprünge helfen, warum Du in beinahe jeden Satz die Abkürzung i.A. einbaust? Für was steht das? Im Allgemeinen? Da ergibt aber doch null Sinn.

    Also dein Gast in allen Ehren...er hat sicherlich nen Punkt das es nicht ganz so viel Sinn ergibt in Stadien keine Zuschauer zu lassen...aber was er da außerdem anmerkt, das man doch gerade jetzt die Hallen mit Hygienekonzept als eine Art Test begreifen sollt...auf keinen Fall würde ich meinen. Gerade jetzt testet man bestimmt nicht ob so etwas doch zum Superspreader taugt.

    Ich glaube, da hast Du Herrn Rademacher falsch verstanden. Er befürwortet keine Testveranmstaltungen, um dann zu schuen, was dabei herauskommt. Er sagt - und dieser Meinung bin ich ebenfalls - dass die Hygienkonzepte bei einer Insidenz von 20 genauso funktionieren müssen wie bei einer Inszidenz von 200. Will heißen: Der Einzelne muss sich möglichst sicher sein, dass er sich nicht infiziert, wenn sich in der Halle ein Corona-Infizierter sitzt. Bestenfalls kann es zu keiner Ansteckung kommen. Das bedeutet, die Abstände müssen eingehalten werden und am Sitzplatz auch gute Masken getragen werden. Sollte fünf Meter von mir entfernt ein Infizierter sitzen, der es noch nicht weiß oder aber symptomfrei bin, so bin ich trotzdem nicht gefährdet. Genau unter dieser Prämisse ist jedes Hygienekonzept entwickelt worden und auch überhaupt erst genehmigt worden. Es wäre jetzt kein risikoreicher Testversuch mit Zuschauern zu spielen, sondern schlicht die Möglichkeit einen Funken Normalität in einem gesicherten Rahmen zuzulassen.

    Mich hat es für die Löwen gefreut. Warum der HCE mit den Schiedsrichtern hadert, erschließt sich mir nicht. Wenn ich als Innenblock nicht auf das Kreisläufer-Spiel von Baena eingestellt bin, dann endet das so, wie am Sonntag. Entweder Abschluss durch Baena oder Siebenmeter mit eventueller Zeitstrafe. Ich kann ihn eben nicht verteidigen, wenn ich nur hinter ihm stehe. Was ich überhaupt nicht verstanden habe, warum Haaß nach 45 Minuten Bissel für Jaeger eingewechselt hat oder muss Bissel auf seine Minuten kommen damit der mächtige AR wohl gestimmt bleibt ... Denn sportlich war dieser Wechsel nicht nachzuvollziehen. Weder im Angriff, wo Jaeger gerade zwei Treffer erzielt hatte noch in der Defensive, wo es ein übles Miss Match gab, als Lagarde mit dem vorgezogenen Bissel getanzt hatte. Ich muss aber auch gestehen, dass ich nur die zweite Hälfe gesehen habe. Vielleicht gab es ja einen nachvollziehbaren Grund, der irgendwo in den ersten 30 Minuten liegt.

    Die Frage lautet doch: Welchen Anteil hat der Trainer an den Leistungen und Ergebnissen der Mannschaft. Janos und BUMM suggerieren ja, dass das Team so stark ist, dass man den Erfolg nicht Wandschneider zuschreiben kann. Ob das so ist, werden wir ab nächster Saison sehen. Die Verantwortlichen müssen das große Ganze im Blick haben. Ich als Fan betrachte die Spiele und die Ergebnisse. Und da gibt es für mich seit der Amtsübernahme von KW im Frühjahr 2012 nichts zu meckern. Das waren tolle Jahre mit tollen Ergebnissen. Sollte KW so viele Schwachpunkte haben, wie die beiden das andeuten, dann erleben wir hier eine wahnsinns Kompensationsleistung aller Beteiligten. Aber könnte das so viele Jahre gutgehen? Wenn ich mir anschaue, bei wie vielen Vereinen in den vergangenen Spielzeit nicht weniger Potenzial auf der Platte stand, die Ergebnisse aber keineswegs gut waren, dann glaube ich, dass bei uns alle Verantwortlichen einen guten Job gemacht haben. Und alle meint auch alle - also auch KW. Wir bekommen einen extrem spannenden Nachfolger. Ich schätze Matschke sehr. Wir gehen aber auch ins Risiko.

    BUMM Mal eine Frage: Glaubst Du, dass KW den besseren Spieler auf der Bank schmoren lässt? Was bringt es ihm, Weissgerber spielen zu lassen, am Ende aber die Partie zu verlieren? Mir ist doch egal, ob Mirkulovski 36 oder 26 ist. Wenn der als Mittelmann die beste Leistung bringt, muss er spielen. Ich will doch als HSG sofort punkten, um nicht aus irgendwelchen blöden Gründen in den Abstiegskampf reinzurutschen. Da kann ich doch keine Rücksicht nehmen. Da zählt das Hier und Jetzt. Ich könnte KW kritisieren, wenn er an Mirkulovski festhält, obwohl dem jeder Ball auf die Füße fällt. Ich habe vor Monaten schon geschrieben: Was würde es uns bringen, wenn wir eine megajunge Truppe auf dem Platz hätten, unser neuer Trainer bei jeder Trainingseinheit der U23, der A- und B-Jugend zuschaut, mit Frederick Griesbach vom TVH jeden Morgen frühstückt und bei jeder Teamsitzung eine Power-Point an die Wand wirft, wir aber viel weniger Punkte auf dem Konto hätten?

    Ach so BUMM: Hast Du auf der neuen Geschäftsstelle Dein eigenes Büro?

    Die Personalpolitik der MT ist schon sehr auf Namen ausgerichtet. Die leisten sich als Kompagnon von Reichmann einen Kastening, verpfliochten aber keinen echten Backup für Kühn. Dafür stellen sie dem überzeugenden Simic einen Heinevetter zur Seite. Das kann man alles machen. Es ist beneidenswert, dass sich die MT das alles leisten kann, aber es wirkt wenig strukturiert und eher impulsgesteuert. Deutsche Nationalspieler scheinen per se ins Beuteschema zu fallen. Auffallend in Melsungen ist auch, dass sich die meisten Spieler dort nicht signifikant verbessern.

    Handballerisch war das WE ein Traum. Erst der HSG-Sieg gegen Kiel, dann am Sonntag ein unterhaltsames Match zwischen Leipzig und Berlin. Leider, leider, leider rauben einem die Kommentatoren von Sky manchmal die Lust am Spiel. Dennis Baier bei HSG gegen Kiel zuzuhören, ist schon harte Kost. Dieses Stakkato-Kommentieren löst bei mir Gänsehaut aus. Keine Ahnung, warum der so gehypt wird und so viele Spiele kommentieren darf. Das gleiche gilt für Karsten Petrzika. Bei ihm ist kein Stakkato, sondern nur ein nerviger Redeschwall. Kai Dittmann redet in seinen Fußball-Reportagen auch viel. Da ist aber auch viel Fachwissen dabei. Petrzika labert auch viel Unfug.

    Ich habe mir gestern intensiv das Spiel der Füchse in Leipzig angeschaut. Da waren einfach zu viele technische Fehler dabei. Ich bin viel zu weit weg, um über die Arbeit von Jaron Siewert zu urteilen. Trotzdem bin ich erstaunt, dass die ambitionierten Füchse diese Trainerwahl getroffen haben.
    Zum einem richtig guten Trainer gehört neben der fachlichen Expertise auch eine gewisse Ausstrahlung. Jürgen Klopp hat ja beispielsweise den Fußball nicht neu erfunden. Neben seinen fachlichen Qualitäten ist aber eine weitere wesentliche Stärke sein Auftreten. Er hat auch Schwächen, aber er ist authentisch, kann sich gut ausdrücken etc. Ein Julian Nagelsmann hat sich als junger Trainer in der Bundesliga durchgesetzt, weil er eine gewisse Ausstrahlung besitzt. Ich mag diesen Typ nicht, muss aber anerkennen, dass er sich gut verkauft. Wenn alles nur heiße Luft ist, nutzt ihm das alles wenig. Da aber das Paket zu stimmen scheint, ist er erfolgreich.

    Ich finde, dass Siewert da noch Luft nach oben hat. Er erinnert mich an den jungen Jan Gorr in seiner Zeit hier beim TV Hüttenberg. Das hat aber dennoch perfekt gepasst, weil der TVH ein kleiner, gemütlicher Dorfverein ist, bei dem Gorr groß geworden ist. Bei den Füchsen Berlin weht aber ein anderer Wind. Ein Trainer sollte da schon eine Persönlichkeit haben. Die sehe ich bei Siewert nicht. Das meine ich auch nicht vorwurfsvoll. Er ist bestimmt ein netter Zeitgenosse. Aber noch kein Typ Cheftrainer, der zu einem ambitionierten Bundesligisten passt. Wobei die Betonung auf "noch" liegt. Auch er wird sich entwickeln.

    Ich kannte Siewert nicht. Ich habe lediglich die Ergebnisse in Essen registriert. Die waren sehr gut. Als ich ihn nun als Chefcoach in Berlin wahrgenommen habe, war ich sehr überrascht, dass sich Kretzsche und Hanning zu diesem Schritt entschieden haben, wobei ich nicht weiß, inwiefern Kretzsche da schon mitgesprochen hatte oder ob das ohnehin schon länger so angelegt war.

    Um es noch einmal zu verdeutlichen: Siewert ist bestimmt ein ausgezeichneter Fachmann. Um aber die großen Clubs zu trainieren (und vom Selbstverständnis zählen die Füchse dazu) und vor allem mit ihnen erfolgreich zu sein, gehört aber im Bereich der Persönlichkeit mehr dazu als Siewert momentan anbietet. Von daher glaube ich, dass er es schwer haben wird. Dadurch, dass Hanning sein großer Förderer ist, wird er nicht so schnell fallengelassen. Aber ich glaube nicht, dass er die hohen Erwartungen, die im Fuchsbau herrschen, erfüllen kann.