Und wenn andere Sportarten (die man heute als Randsportarten bezeichnet, aber eigentlich solche gar nicht sind) regelmäßig in der ÖR übertragen würden, würden auch automatisch die Kommentatoren besser. Die Kommentatoren bei den ÖR (für Handball) haben in der Regel keine zehn Bundesliga-Spiele pro Saison gesehen habe, tun aber so, als stünden sie „voll in der Materie“. Eine Rückkopplung zum Zuschauer ist hier gar nicht richtig möglich. Andererseits, Handball ist vielleicht besonders prädestiniert, sind Fernsehübertragungen für Reporter "ein sehr glattes Eis, wo man leicht ausrutschen kann". Was will ich sagen? Bei mir im Bücherregal steht ein Buch von Heinz Florian Oertel mit dem Titel "Immer wieder unterwegs" (Sportverlag (Ost-)Berlin 1967). Im Anhang macht Oertel sechs Interviews mit DDR-Sportreportern unter dem Titel "Interviews mit Interviewern", er befragt also sechs seiner Kollegen (Wolfgang Hempel, Werner Eberhardt, Helmut Schulze, Herbert Küttner, Wolfhardt Kupfer) über ihren Beruf. Alle sechs bekamen die gleichen 17 Fragen. Die siebente Frage lautet "Was überragen sie lieber Rundfunk oder Fernsehen?" und die achte Frage war "Was ist schwerer?". Ich will auf die "Frage was ist schwerer?" Wolfgang Hempel ( † 2004, nach der Wende kommentierte er bei Eurosport mehfach die Eishockey-WM) zu Wort kommen lassen: "Fernsehen bietet mehr Glatteis, weil das fachliche Urteil von Millionen kontrolliert wird, Fehler sind nicht mehr zu korrigieren. Deshalb ist auch die die gelungener FS-Übertragung auch schwerer. Rundfunk erfordert mehr Nervenkraft und Kondition, von dieser Warte ist Fernsehen wieder einfacher ...". Diese Aussage klingt wie eine Binsenweisheit, aber anscheinend ist diese vielen der heutigen Fernseh-Kommentator nicht bewusst. Vielleicht noch mal einen Bezug zum Handball aus diesen sechs Interviews, auf die Frage (Nr. 12) "Welche Sportler haben auf Sie den stärksten Eindruck gemacht?", antwortet Gerhard Kohse: "Gustav Adolf Schur und Paul Thiedemann".