In der Witterung liegt meiner Meinung nach auch das Hauptproblem. So lange der Sport nicht staatlich gelenkt wird bzw. wurde (Russland) wird sich eine Hallensportart nur in einem klimahomogenen Land zu einer Nationalsportart entwickeln. Während in kalten Ländern (Skandinavien) aufgrund der langen Winter Hallensportarten einen Vorteil haben, sind sie in gemäßigteren Zonen schon zunehmend der Konkurrenz von Außensportarten ausgesetzt (Mitteleuropa). Wirds dann richtig warm, zieht es die Leute über einen Großteil des Jahres eher selten bis gar nicht in die Hallen. Das merkt man dann an den Zuschauerzahlen. Spanien, Italien, Griechenland mögen vielleicht mal internationale Erfolge in Basketball und Handball gehabt haben, dass aber nur, weil man die 7-10 Topspieler oftmals auch in anderen Ligen findet. Abgesehen von der Liga Asobal hat keines der Länder eine konkurrenzfähige Liga.
Wird es richtig heiß, dann schlägt es wieder um. Da sind Sportplätze außen plötzlich logistisch und wetterbedingt eine Last. Versucht mal in Tunesien landesweit Rasenplätze zu unterhalten. Da mag jedes Land auch seine Schwerpunkte setzen und Achtungserfolge feiern, aber nur dann, und da schließt sich mein Kreis, wenn das Land witterungsbedingt homogen ist. Und das sind die Staaten nicht. Kein Land (außer Russland s.o.) hat solche riesigen Temperaturdifferenzen. Während man in Florida noch genüßlich im Meer planscht, kann man in Alaska schon über Flüsse latschen oder on Wisconsin Ski fahren. Hier einen einheitlichen Spielplan aufzustellen, der alle Bewohner gleichermaßen als Zuschauer anspricht, ist verdammt schwer. Baseball und Football werden teilweis in überdachten Arenen gespielt, die klimatisiert sind. Insofern kann man mit dem entsprechenden Aufwand die zu warmen Regionen erreichen.
Basketball, Eishockey und Handball kann man aber nicht im Freien spielen. Um hier geringere Livezuschauerzahlen zu kompensieren (statt 80.000 in den Arenen vs. 20.000 in den Hallen), muss man in den Staaten andere Vermarktungsmöglichkeiten offerieren. Und da hat unser Handball einfach mal einen entscheidenden Nachteil. Handball soll nicht so kleingehackt sein und wurde sogar noch künstlich durch die schnelle Mitte beschleunigt.
Also, selbst wenn wir es schaffen sollten, die Amis von der Notwendigkeit eines Spiels namens Teamhandball zu überzeugen, so wird der Durchbruch immer an der mangelnden Geeignetheit für den Aufbau einer landesweiten Liga scheitern. Für eine notwendige Präsenz in den Medien, die die Vorortzuschauermengen ersetzt, haben wir selbst in Deutschland Jahre gebraucht und sind da noch nicht so weit, wie wir es sein wollen. Für das Amifernsehen ist der Sport noch uninteressanter.
Und nur, wenn man auch vor Ort eine Basis für eine Sportart schafft, kann man eine Sportart dauerhaft voranbringen. Keine Liga -> langfristig kein Interesse. Jeder Euro, der in Marketing gesteckt wird, ist verlorenes Geld.