Nee, genau so war es eben nicht. Die HBL forderte den ThSV auf, eine den Hallenbedingungen entsprechende Spielstätte zu benennen. So wie ich Offizielle verstanden habe, gingen die tatsächlich davon aus, dass es in der Nähe eine verfügbare Spielstätte gibt. Die Überraschung war groß, dass Alternativen auf keinen Fall für eine ganze Saison zur Verfügung standen, geschweige denn, dass der Verein in der Lage gewesen wäre das wirtschaftlich zu tragen.
Bohman wusste das auch schon, kam aber nicht durch. Von ihm persönlich habe ich es nicht, aber aus dem Vereinsumfeld war zu hören, dass er mit der Entscheidung der Lizenzierungskommission und des Schiedsgerichts nicht wirklich einverstanden war. Die damalige Übereinkunft zwischen THSV und HBL, auf das letzte Spiel in Coburg zulasten einer kleinen Strafe zu verzichten, war wohl nicht mit allen abgesprochen. Deshalb gab es innerhalb der HBL noch Ressentiments.
Wie auch immer, nach dem Schiedsgerichtsurteil musste Eisenach handeln. Man bekam endlich die Bürgermeisterin dazu, den Abriss der Gymnastikhalle zugunsten der vierten Tribüne zu genehmigen. Im Rathaus hat man sich auf eine gewisse Weise auch aus verständlichen Gründen bis zum Schiedsgerichtsurteil erhofft, die Halle zu erhalten.
Der Verein konfrontierte darauf hin die HBL mit der Tribüne und man war sich schnell einig, dass diese Lösung selbstverständlich alles andere als gut war und dem Sinn und Zweck der Lizenzauflagen entspricht, eine weitere Verweigerung der Lizenz käme aber einem Kotau gleich. Schließlich wollte der THSV als Verein 140.000 € aufbringen, was dann ja auch geschah. Soviel zum Thema, kommt mal in die Pötte. Hier muss ganz klar unterschieden werden zwischen dem Verein der mittlerweile eine viertel Million in Umbaumaßnahmen investiert hatte und der Politik, die grundlegende Infrastrukturmaßnahmen aus dem eigenen Säckel zu bezahlen hat. So wie in jeder anderen Stadt auch.
Zwischen HBL und dem Verein, die auch um die wirtschaftliche Bedeutung einer neuen Halle wussten, war schnell klar, dass wenn man jetzt den Druck auf die Politik wegnimmt, dass es nie zu einer neuen Hallen kommen wird, denn rein formal reicht die ja, wenn man das Wort Tribüne in bestimmter Weise auslegt. Die HBL, im Wissen, dass durch diese durch sie erzwungene Umbaumaßnahme der Hallenneubau/Umbau eher unwahrscheinlicher wird, nahm die Halle unter Zuhilfenahme einer Ausnahmegenehmigung ab. Es war also nur indirekt eine Lizenzauflage. Die Lizenz wurde erteilt, wenn es eine abgenommene Halle gibt. Die abgenommene Halle wiederum beruht auf einer so genannten „einjährigen Ausnahmegenehmigung“.
Die Situation ist jetzt, dass die Mühlen der Bürokratie mahlen, sie mahlen aber sehr langsam. Es gibt bisher einen Blankoscheck der Landesregierung und aufgrund der zwischenzeitlichen Erkenntnis, dass ein Neubau besser als ein Umbau ist, die Pflicht der Stadt, wohl gemerkt hoch verschuldet, einen Standort zu suchen. Dazu aber aus rechtlichen Gründen mindestens noch mal eine Mio selbst aufbringen muss. Man darf es aber nicht unterschätzen. Im Stadtrat ist eine erkleckliche Anzahl an Stadtratsmitgliedern, Die einer weiteren Ausgabe in Höhe von mehr als 1 Million für den Profisport sehr skeptisch gegenüberstehen.
Und da ist das Problem, im Jahre 2015 noch unter Wahrung des Gesichts eine Ausnahmegenehmigung für die Abnahme der Halle zu statuieren, ist mit viel gutem willen erklärbar. Wie gesagt, die Tribüne geht nur über die Hälfte der Seite länger. Das jetzt wegzulassen, mag den einen oder anderen Politiker dazu zu bewegen, auch auf den 9 Millionen Scheck aus Erfurt zu verzichten, denn der ist zweckgebunden und die Notwendigkeit einer weiteren Halle wird vielfach verneint. Zumal dafür eine Halle für den Schulsport nicht neu gebaut wird.
Letztlich gehe ich trotzdem davon aus, dass die Stadt sich diese Chance, auch wenn sie teuer ist, nicht entgehen lässt. Aber man weiß nie. Bezeichnend ist bereits, dass in allen lokalen Zeitungen, im Internet, in den Foren und auch seitens der Stadt sich noch keiner dazu geäußert hat, was es mit dem Wegfall der Ausnahmesituation auf sich hat. Und ich glaube da sind wir uns einig, das ist schon bemerkenswert. Denn zum Jahr 2015 hat sich 0,0 verändert.
Ich denke wir drücken alle die Daumen das es klappt, und wenn die HBL zukünftig bei anderen Vereinen mehr Kooperation, denn Konfrontation walten lässt, ist schon viel geholfen. Bei Bahlingen scheint man schon eine andere Strategie zu wählen, das ist gut. Der Druck muss so gewählt werden, dass der Verein handlungsfähig bleibt. Nach wie vor glaube ich, eine Strafenlösung zugunsten der Jugendarbeit wäre das beste System. Der ThSV hätte die 150.000 an den DHB oder an irgendwelche Projekte zahlen können, die Gymnastikhalle wäre noch da und die HBL hätte jederzeit die Daumenschrauben anziehen können, etwas, was jetzt in Eisenach nicht mehr klappt.