Beiträge von Beuger

    Hier liegt der Ball ganz klar beim Verband und seinen Gremien für eine ehrliche Grundsatzentscheidung:

    Wollen wir, dass junge Talente Ü19 auf gehobenem Niveau für Zweitvertretungen von Clubs aus 1. und 2.HBL in den Ligen 3 und 4 entwickelt werden? Sprich der talentierte 20jährige Spieler, der zB beim TBV Lemgo in der HBL überwiegend nur als 14. Mann auf der Bank säße, weil er noch nicht so weit ist viel Spielzeit in Liga 3 bekommt und in der Woche viel mit den Profis trainiert? Um dann nach gelungener Anschlussförderung vielleicht in 2-3 Jahren mehr Einsatz in der HBL zu bekommen? Mit dem Haken, dass Zweitvertretungen gerne bei Bedarf und entscheidenden Spielen mit jungen Top-Profis U23 aus der 1.Mannschaft aufgefüllt werden dürfen? Was ganz sicher den Wettbewerb verzerrt und dem sportlichen Erfolg kleinerer Vereine im Weg steht? Aber dafür den Ausbildungserfolg der jungen Talente wahrscheinlicher werden lässt, wenn man sie mit Druck vor teils 1.000 Zuschauern am Limit ihres aktuellen Leistungsvermögen spielen lässt?

    Oder man will die kleineren Vereine ohne faktische NLZ-Struktur stärken und deren individuellen Erfolg nicht durch punktuell verstärkte U23 Teams gefährden und überlässt die U23 Teams sich selbst, d.h. ohne Einsatzmöglichkeit für junge Profi-Spieler ab einer gewissen Einsatzfrequenz in der HBL? Fördert möglicherweise den Erfolg und die Akzeptanz in der Breite und schadet dafür der Ausbildung und qualitativen Breite in der Spitze.

    Da gibt es kein richtig oder falsch sondern nur eine sportpolitische Entscheidung für einen von zwei gut vertretbaren Wegen.

    Zweitspielrechte im großen Stil sind dabei sicher nicht die Lösung, weil sie auch den Wettbewerb verzerren, je nach Abruf durch den Erstspielrechtinhaber und würde zu ähnlichen Diskussionen führen. Es sei denn man führt Farm-Teams wie im US-Sport ein, was aber gegen offene Auf- und Abstiegsregeln spricht und beim Modell Füchse-Potsdam-Füchse 2 ja auch nicht unbestritten ist.

    Man kann ja auch Zwischenmodelle forcieren. Zum Beispiel dass an den letzten fünf Spieltagen der Saison normale Festspielregeln für U23 Spieler gelten. Oder dass sie festgespielt sind wenn sie fünf Spiele in Folge für die erste Mannschaft gemacht haben. Nur spontane Beispiele.

    Man darf bei deinen Ausführungen allerdings auch nicht vergessen, dass das sportwissenschaftliche Trainingsniveau insgesamt deutlich angestiegen ist in den letzten zwanzig Jahren. Viele Vorteile, die ich bei dir in Bezug auf die NLZs rauslese, sind mit Sicherheit in erster Linie dadurch erklärbar, dass die Trainingsmethoden moderner sind und nicht unbedingt, dass man bereits in sehr jungen Jahren ein enormes Trainingspensum mit viel Druck und wenig Verantwortung auf dem Feld hatte.

    Damit will ich sagen, dass viele positive Aspekte auch ohne die NLZs womöglich rausgekommen wären, die negativen aber womöglich nicht. Lahm und Schweinsteiger beispielsweise waren ja auch tolle Fußballer, ohne dass sie ein NLZ besucht haben. Aber satt und mental schwach oder arrogant waren sie nicht.

    Hey Leute, ich hab Lust auf ein Spiel, das in der NBA ziemlich in Mode ist. Es heißt "start one, bench one, cut one".

    Man benennt drei Spieler auf der gleichen Position. Sie müssen nicht zur gleichen Zeit gespielt haben. Die anderen Foristen müssen sich entscheiden, wen der drei sie in die Startaufstellung nehmen, wen sie auf die Bank setzen und wen sie aus dem Kader streichen 😎 es zählt dabei grundsätzlich die Leistung über die gesamte Karriere, außer wenn alle drei Spieler momentan noch aktiv sind, dann zählt die Performance der aktuellen Saison.

    Ich fange mal an: Tobias Karlsson, Didier Dinart, Oliver Roggisch!

    Ich habe gerade nochmal nachgedacht und muss ein bisschen zurückrudern.

    Dadurch dass Motor und Brest bei den Wildcards keine Rolle spielen werden, könnte für GOG tatsächlich ein Platz frei sein, wenn sie nicht Meister werden. Die Frage ist, ob sie höher gewichtet sind als zum Beispiel Plock.

    Wer hat den Kader von GOG relativ schwach eingestuft? Die Abgänge kommende Saison tun wesentlich mehr weh als die vor dieser Saison. Außerdem hatte ja Aalborg das Upgrade erhalten und nicht GOG.

    Mit Standort meine ich Faktoren wie Halle und Wirtschaftskraft.

    Im Eishockey kenne ich mich nicht aus, toller Sport, aber läuft bei mir am Radar vorbei. Im Basketball und im Fußball kenne ich mich ein wenig aus. Und hier kann ich nicht erkennen, dass durch die NLZs mehr Spieler von Weltklasse Format in den Markt reingespült worden sind als davor.

    Im Fußball hatte Deutschland vor den NLZs sogar wesentlich mehr Weltklassespieler. Durch die NLZs haben wir zwar eine sehr gute Breite auf hohem Niveau, aber wie im Handball fehlt die Spitzenklasse gerade hinsichtlich der Kreativität im Angriff.

    Im Basketball haben wir zwar mehr NBA Spieler, aber auch hier keine Ikonen wie Schrempf oder Nowitzki mehr. Wagner kann einer werden, braucht aber Zeit.

    Zudem sind Spieler aus den NLZs gefühlt wesentlich häufiger verletzt als früher, was zweifelsohne eine Folge aus einer zu frühen einseitigen Belastung sein kann.

    Und im Handball finde ich die Entwicklung gravierend. Hatten wir früher noch Weltklasse Rückraumspieler, dümpeln da jetzt Krafthandballer und Invalide rum, NLZs sei dank.

    Außen, Kreis und Tor ist kein Problem, dafür muss man aber nicht richtig gut spielen können, sondern einfach nur viel trainieren (pauschal und überspitzt formuliert).

    Und ein weiterer Punkt, der in allen Sportarten gleichermaßen kritisiert wird: die Mentalität ist zu fragil, es gibt keine Leader oder Killer. Spannend: einer der es zu sein scheint (Knorr), war nie in einem NLZ.

    Fazit: die NLZs mit ihrer frühen Spezialisierung (im Fußball noch wesentlich gravierender als im Handball) haben in Deutschland bis dato versagt.