Beiträge von Beuger

    Also ist Christoph Steinert der einer der besten Linkshänder, weil er nach Smits bester Torschütze ist. Geht es noch oberflächlicher, da gehören schon noch ein paar andere Dinge dazu (Kompatibilität zu Spielsystem, Entscheidungsfindung, Abwehr etc.).

    Selbst wenn ich von machen Transfers von Szilagyi nicht begeistert sein mag würde ich ihm nicht unterstelllen wollen, dass er so oberflächlich rein nach der Torschützenliste verpflichtet.

    Im Gegensatz zu Steinerts Team war das von Madsen in allen Wettbewerben erfolgreich. Dazu kommt, dass er als schneller, unberechenbarer Shooter perfekt ins Anforderungsprofil vom THW passt. Er ist schlicht und einfach einer der besten gut zwanzig jährigen halb rechts der Welt.

    Freundschaft!

    Ich könnte viele Aspekte anbringen. Aber ein Fakt reicht mir mal: bis Mitte der 90er Jahre war der THW in Europa ein komplett unbeschriebenes Blatt. In der Zeit, in der die IHF den Europapokal veranstaltet hat, hat der THW gerade mal 18 Europapokalspiele absolviert (in c.a. 35 Jahren). Da hatten selbst Klubs wie Sittardia Sittard oder Opsal IF eine größere Bedeutung in Europa als der THW.

    Die europäische "Geschichte" des THW beschränkt sich auf die Zeit, in der Geld relevant geworden ist. Das ist auch der Erfahrungshorizont Gurbindos. Die Zeit, in der der THW sich permanent ein gewisses Niveau zusammenkaufen konnte. Das ist sowohl zeitlich als auch inhaltlich ein bisschen wenig für den "geschichtsträchtigen" Vereins Europas, wenn es Klubs gibt, die z.B. über 50 bis 60 Jahre immer mal wieder in Europacupfinals auftauchen. Kürzlich Granollers zum Beispiel. Und da gibt es einige Klubs. Beim THW ist das erste Europapokalfinale gerade 25 Jahre her.

    Seitdem ist Handball aber auch die Sportart, die sie heute ist. Keine Ballsportart hat sich seit den 90ern so sehr verändert wie Handball. Daher muss man, um Tradition zu haben, auch nicht unbedingt in Zeiten des Zigarrenrauchs in Turnhallen schwelgen.

    Gidsel wurde noch viel mehr gehyped, und das auch zurecht.

    Skipagotu wird viele Fehler machen, aber auch viele richtig starke Aktionen bringen. An Kieler Stelle wird man gut daran tun, ihm die Chance zu geben, aus diesen Fehlern zu lernen. Er wird auf jeden Fall Spaß machen anzuschauen und ich gehe davon aus, dass er spätestens in der Rückrunde die unangefochtene Nr. 1 auf der Mitte bei Kiel ist und auch wesentliche Teile der Spielsteuerung bzw. Entscheidungen übernimmt.

    Wallinius ist kein Spieler mit hoher Entscheidungsqualität, aber jemand, der eine Überzahl zwischen eins und zwei sehr gut lösen kann. Bei Montpellier hat er das sehr wohl gezeigt, wer das verneint, hat da eben auch einfach wieder einmal keine Spiele geschaut. Es hat ja auch seinen Grund, warum Kiel ihn verpflichtet hat. Für mich eine Kaderplanung mit klarem Muster. Drei Initiativspieler mit Johansson, Bilyk und Skipagotu, dazu drei Lösungsspieler mit Reinkind, Madsen und Wallinius. Macht 1a Sinn.

    Offensichtlich spielen die Färöer und der Iran nicht so schlecht. Toll, dass sich etwas in der Breite tut.

    Du hast Recht, dass die Gesamtbreite in der Mannschaft bei der U19 der Färöer besser ist als bei der U21. Allerdings hat man hier mit Skipagotu,Mittun und Teigum eben gleich drei Topspieler. Am Kreis stand bei den Älteren auch ein starker Spieler. Der Grund für das Ausscheiden der Färöer im Viertelfinale war die in diesem Spiel schwache Torhüterleistung und - dabei bleibe ich - einseitige Schiedsrichter. Es war ein unverdientes Ausscheiden.

    Ähnlich übrigens wie der Sieg der Färöer über Schweden vorgestern. Schweden war das deutlich bessere Team, hat sich aber durch die langen Angriffe und eine schwache Chancenverwertung den Schneid in der entscheidenden Phase abkaufen lassen. Der färingische Torhüter performt dieses Turnier ordentlich über. Hält er weniger, wie gegen den Iran, verliert man eben.

    Das ist Handball.

    Nach dem ersten einigermaßen ernstzunehmenden Gegner zeichnet sich ein erstes Bild ab: es wird mit Elias wesentlich mehr Bälle auf Außen geben. Bisher macht Faust dort richtig Spaß. Ich glaube, er wird seinen Weg beim THW gehen. Elias selbst fehlt noch etwas Rhythmus, aber das wird noch kommen. Kalle wird eine richtige Waffe, wenn er etwas besser integriert ist.

    Das hab ich ja schon die ganze Zeit gesagt, es gibt jetzt mehr Entscheidungen zwischen eins und zwei und das wird Wallinius gut tun, da er dort ein top Lösungsspieler ist. Aber wie wir wissen spielt Skipagotu ja wie Gisli...

    Er wurde zu Beginn des Spiels von den Deutschen regelrecht verprügelt und hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Das ist auch eine Qualität. Insgesamt ein klein bisschen schwächer gespielt als gegen Schweden.

    Darüber hinaus macht mir die deutsche Mannschaft einen sehr unsympathischen Eindruck. Als klar war, jetzt wird es eng, kamen wirklich fiese Frustfouls. Das haben die Schiedsrichter noch deutlich zu wenig unterbunden, sich vielleicht auch selbst etwas einschüchtern lassen. Und warum muss es eigentlich sein, dass man sich nach jeder halbwegs gelungenen Aktion so übertrieben maskulin anschreit? Wobei jeder in der Halle merkt, dass das aufgesetzt ist und nicht aus den Spielern wirklich ehrlich herauskommt. Was soll sowas? Ekelt mich ein bisschen an. Vielleicht bin ich dafür aber auch zu woke. Das freudige kollektive "heeeeee" von den Spaniern nach gelungenen Aktionen gefällt mir auf jeden Fall besser.

    Die Färöer schlagen auch Deutschland. Wäre in der U21 meiner Meinung nach auch passiert, wenn es insbesondere früh im Turnier zu einem Aufeinandertreffen gekommen wäre. Deutschland jetzt mit einem "Achtelfinale" gegen den Iran.

    Zitat: Deswegen mahnte Froböse „dringend eine andere Herangehensweise“ an: „Innovative Förderkonzepte, zielführende Talent-Sichtung und eine stärkere gesellschaftliche Verankerung des Sports. Wir brauchen ein eigenständiges Sportministerium. Wir müssen der Bedeutung von Bewegung und Sport in der Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen wieder mehr Gewicht geben. Jetzt ist die Zeit, umzudenken und zu handeln.“

    Alles richtig erkannt. Nur hilft das alles nichts, wenn es keine (kaum/zu wenig) Kinder/Jugendliche mehr gibt, die bereit sind, wirklich über Jahre Leistung zu bringen. Handball nicht nur als Spaß zu verstehen, sondern sich auch zu quälen, zB beim Kraft- und Konditionstraining regelmäßig an die Grenzen zu gehen. Wenn diese Bereitschaft nicht da ist, oder nur bei 1-2 je Mannschaft, kann auch der beste Trainer am Ende nichts machen, wenn er nicht riskieren will, dass sich die Spieler querstellen oder am Ende verweigern und sei es durch Abgang und sich alles in Luft auflöst und er dann auch noch der Dumme ist.

    Leider erfahren die Kids heute zu oft, dass Leistung nicht belohnt wird, bzw. man auch ohne Leistung ans Ziel kommt. Bei meinen Studenten ist es seit Jahren zunehmender Trend, nur einfach bestehen zu wollen, vier gewinnt - einen Job bekommt man ja heute dank Fachkräftemangel sowieso. Da reicht im Zweifel ein selbstbewusstes Auftreten beim Bewerbungsgespräch.

    Und, neuestes Beispiel aus dem Sportunterricht: im Leistungstest landeten fast alle Kids bei einer Note rund um vier. Im Schuljahresendzeugnis stand bei allen, welch Wunder, eine Eins. Nun gut, da braucht man sich am Ende über einen Leistungsabfall im Profisport nicht mehr zu wundern.

    Ich freue mich mittlerweile über punktuell herausragende Leistungen in Randsportarten, zB aktuell Emma Hinze oder kürzlich Darja Varfolomeev. Von Fußball und Co erwarte ich schon gar nichts mehr, zu viel Geld im Spiel, das zerstört die intrinsische Motivation.

    Je mehr Breite es gibt, desto mehr Spitze gibt es automatisch, da es immer einen kleinen Prozentsatz gibt, der es auf Leistung machen will. Und den, der wirklich WILL, muss man dann eben rauspicken und speziell fördern.

    Daher.

    Step 1: Sport mehr in der Gesellschaft verankern. Staatlich subventioniert. Durch mehr und bessere Sportstätten, Trainerausbildung, Trainerbezahlung, mehr Sport in Schulen in allen Ausprägungen

    Step 2: Konzept für die Bestenförderung entwickeln. Nicht mit der Gießkanne, sondern nur da, wo es sich wirklich lohnt. Aktuell passt das Verhältnis der Geldausgabe zwischen der Breite und der Spitze nicht. Das muss sich ändern, indem es sich konzentriert.

    Ich tu mich wirklich total schwer dieses Jahr von Platz 7 bis 16. Wenn das mal nicht einige negative Überraschungen in der Endabrechnung für meinen Tabellentipp gibt... Mein Gefühl sagt, dass Gummersbach auf dem Transfermarkt eine gute Arbeit geleistet hat und abermals positiv überraschen wird.

    Zu Beginn der WM die erste faustdicke Überraschung: Iran holt gegen Schweden, immerhin Vorjahresfinalist, ein Unentschieden. Deutschland mit einem elf Tore Sieg gegen Saudi-Arabien.

    Spannend auch die Mannschaft von Burundi, die sich über den Afrika-Cup extrem glücklich qualifizieren konnte (Marokko ist beispielsweise gegen Burundi nicht angetreten), obwohl man 22-66 gegen Ägypten verlor. Jetzt spielt man mit einer Mannschaft, die vollständig aus zwei Jahre zu jungen Spielern besteht.