Erstmal möchte ich für deine ausführliche Antwort danken.
Bei mir ergeben sich daraus noch folgende Fragen:
1. Was wäre denn die Alternative zu ‚klassischem Zirkeltraining‘? Um mal bei den Einblicken via Instagram zu bleiben: bei der SG sah man bspw. in der Vorbereitung, dass dort im Kraftraum an Geräten trainiert wird. Nach meinem Kenntnisstand trainiert man damit doch überwiegend einzelne Muskeln/gruppen isoliert. Das macht man im Zirkeltraining doch letztlich auch, nur eben ‚frei‘ und nicht ‚geführt‘?
2. Sollte sich die Trainingsstrategie nicht an dem Anforderungsprofil, dass die Spieltaktik an Spieler stellt, orientieren? Was bspw. für eine SCM mit kleineren, wendigeren Spielern geeignet ist, muss ja nicht für einen THW mit eher großen, wuchtigen Spielern geeignet sein?
Im Handball ist es schwer, Beispiele zu finden, die wirklich gutes Athletiktraining machen. Ich hatte in den letzten Jahren tatsächlich Einblick in viele Erst- und Zweitligavereine und deren Athletiktraining (ohne da jetzt Beispiele zu nennen, so viel Anonymität muss sein) und kann sagen, dass da eigentlich überall okay bis ganz gut trainiert wird, aber nirgendwo überragend. Dafür muss man wohl in die USA oder auch nach Japan gehen. Es ist ja kein Wunder, dass die athletischen Werte von Basketballern oder Footballern denen von Handballern deutlich überlegen sind. Das hat zwar zu einem kleinen Teil mit Genetik zu tun, zu einem größeren aber mit Training. In den USA wurde vor zwanzig bis dreißig Jahren so trainiert wie in Europa heute. Selbst im Fußball ist es übrigens nur äußerst bedingt besser. Ich sehe das mittlerweile als geographisches Problem.
Kurz zu deiner zweiten Frage, körperliches Training unterliegt immer dem SAID-Prinzip: specific adaptions to imposed demands. Dementsprechend muss man immer für jeden Athleten individuell schauen, was er braucht und das dementsprechend trainieren. Da ergeben sich je nach Position natürlich häufig Überschneidungen, aber eben nicht immer Deckungsgleichheit. Völliger Nonsens ist es aber natürlich, einen Zirkel mit der gesamten Mannschaft zu durchlaufen.